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Gewinnspiel: 1 x Monos – Zwischen Himmel und Hölle auf Blu-ray

Verlosung

Im Hochland Kolumbiens lernen ein paar minderjährige Nachwuchs-Guerillas, Krieg zu spielen. Doch aus dem Spiel wird schnell bitterer Ernst. DCM hat das kolumbianische Abenteuerdrama „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ (2020) fürs Heimkino veröffentlicht und uns eine Blu-ray zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des Gewinners.

Teilnahmebedingungen

Da „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress): Wer möchte, darf mir im Gewinnfalle gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Dies ist aber völlig freiwillig und keine Teilnahmevoraussetzung. Nicht freiwillig, sondern verbindlich hingegen: Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 6. Dezember 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf von zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die Rezension von „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Alarmstufe: Rot – Als man Seagal-Filme noch schauen konnte

Under Siege

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Ach, der Steven Seagal. Als dem Actiongenre wohlgesonnener Filmgucker habe ich mir auch einige seiner jüngeren Arbeiten wie „China Salesman“ (2017) und „Code of Honor – Rache ist sein Gesetz“ (2016) gegeben. Sie sind mit „Rohrkrepierer“ noch milde umschrieben. Da trifft es sich zur Erholung gut, dass Seagals 1992er-Glanzstück „Alarmstufe: Rot“ und dessen drei Jahre später entstandene Fortsetzung in Deutschland in Neuauflage erschienen sind. Also beamen wir uns zurück in eine Zeit, in der man Steven Seagal im Film noch ertragen konnte.

Seagal spielt Casey Ryback, seines Zeichens Schiffskoch auf der geschichtsträchtigen „USS Missouri“. Das unter dem Kommando von Captain Adams (Patrick O’Neal) stehende Schlachtschiff befindet sich auf seiner letzten Fahrt vor der Ausmusterung, hat aber immer noch mit Nuklearsprengköpfen bestückte Tomahawk-Marschflugkörper an Bord. Ryback war einst Elitekämpfer bei den Navy Seals, wurde aber von ihnen ausgeschlossen, weil er sich mit einem Offizier angelegt hatte. Mit renitenten Vorgesetzten hat er es offenbar nicht so, kommt er doch auch an Bord der „Missouri“ mit Commander Krill (Gary Busey) nicht besonders gut zurecht. Dieser provoziert Ryback, der ihn niederschlägt und dafür im Kühlraum seiner Kombüse eingesperrt wird.

Ein Schlachtschiff wird gekapert

Eine zur Geburtstagsparty des Captains eingeflogene Rockband entpuppt sich als Gangstertruppe. Unter der Führung von William Strannix (Tommy Lee Jones) und seiner rechten Hand Daumer (Colm Meaney) bringt sie die das Schlachtschiff zügig unter ihre Kontrolle, auch weil Commander Krill mit ihnen unter einer Decke steckt. Die Schurken haben es auf die Atomraketen der „Missouri“ abgesehen, haben die Rechnung aber nicht mit Schiffskoch Casey Ryback gemacht. Der beginnt, kaum dass er der Kühlkammer entkommen ist, die zahlenmäßige Übermacht der Gangster zu dezimieren. Ihm bleibt jedoch nicht viel Zeit.

Casey Ryback räumt auf

Gedreht wurde auf dem 1947 nach nur vier Einsatzjahren außer Dienst gestellten Schlachtschiff „USS Alabama“. Regisseur Andrew Davis inszenierte auch Steven Seagals Filmdebüt „Nico“ (1988). Durchaus ein Verdienst, für zwei der besten Filme – wenn nicht die besten – des Actionstars verantwortlich zu zeichnen. Natürlich ist Einzelkämpfer Casey Ryback ganz klar ein Epigone des von Bruce Willis verkörperten John McClane aus „Stirb langsam“ (1988), weshalb „Alarmstufe: Rot“ auch den spöttischen Spitznamen „Die Hard on a Battleship“ verpasst bekam. Aber damit können sowohl Regisseur Davis als auch Hauptdarsteller Seagal wohl gut leben, zählt ihr Werk doch zu den besten Filmen, die sich im „Stirb langsam“-Fahrwasser tummeln. An Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit stehen sich Original und Kopie ohnehin in nichts nach.

Mit so viel Gegenwehr eines Einzelnen haben Krill und …

Das Schlachtschiff-Setting überzeugt auf ganzer Linie, und als Fan zünftiger Action bereitet es Freude, Casey Ryback dabei zu beobachten, wie er die Reihen der Feinde lichtet. Die Kaperung der „Missouri“ entwickelt sich zu einer gigantischen Bedrohung, die in letzter Sekunde abgewendet werden muss. Das stört uns bei James Bond nicht und bringt auch hier reichlich Spannung. Als Stripperin Jordan Tate gesellt sich nach kurzer Zeit Erika Eleniak („Baywatch“) an Casey Ryback Seite. Sie stört ebenfalls nicht weiter.

… Strannix nicht gerechnet

Wer Actionfilme vorzugsweise goutiert, wenn sie politisch korrekt mit pazifistischer Botschaft daherkommen, wird natürlich viele Haare in der Suppe finden. So zum Beispiel das Lexikon des internationalen Films, dessen Rezensent gar nicht angetan war: Die Story dient nur dazu, das Bild des kriegerischen Mannes wieder salonfähig zu machen und die „Ramboisierung“ der Gesellschaft fortzuschreiben. Ein menschenverachtender Film, der mit brutaler Action den schauspielerischen Dilettantismus seines Hauptdarstellers vergeblich zu überspielen versucht. Das mag, rein auf den sachlichen Gehalt dieser Worte heruntergebrochen, zwar zutreffen, aber mit „Ramboisierung der Gesellschaft“ übertreibt der Kritiker doch stark. Auch muss man den zugegeben hohen Body Count nicht gleich „menschenverachtend“ nennen, dazu ist das Ganze viel zu überzeichnet.

Die beiden Rädelsführer werden nervös

Über Steven Seagals schauspielerische Fähigkeiten braucht man nicht viele Worte verlieren. Etwas gemein mag man das „Dilettantismus“ nennen, ich hingegen bevorzuge „begrenzt“. In den 90ern war Seagal immerhin noch in der Lage, seine Aikido-Fähigkeiten gekonnt einzusetzen. Das sieht vielleicht weniger spektakulär aus als bei Karate-Ass Jean-Claude Van Damme und Taekwondo-Meister und Karateka Chuck Norris mit seinem Roundhouse-Kick, erfüllt aber vollauf seinen Zweck. Schauspielerische Koryphäen sind all diese Actionstars in der Regel ohnehin nicht. Müssen sie auch nicht sein. Tommy Lee Jones und Gary Busey zeigen als Schurken stärkere Präsenz, aber das wird Seagal verschmerzen, gilt „Alarmstufe: Rot“ doch klar als Steven-Seagal-Film. 1995 wurde die Handlung in „Alarmstufe: Rot 2“ in einen Zug verlegt. Unterhaltsam genug, aber der Vorgänger bleibt unerreicht und hat zu Recht Klassikerstatus.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tommy Lee Jones und Steven Seagal haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. November 2020 als Blu-ray und DVD (im Doppelpack mit „Alarmstufe: Rot 2“), 5. August 2019 als Blu-ray im Mediabook „Alarmstufe: Rot Collection“ (mit „Alarmstufe: Rot 2“), 3. Februar 2017 als Blu-ray im Steelbook (mit „Alarmstufe: Rot 2“), 26. September 2002 und 21. Februar 2002 als DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Originaltitel: Under Siege
F/USA 1992
Regie: Andrew Davis
Drehbuch: J. F. Lawton
Besetzung: Steven Seagal, Gary Busey, Tommy Lee Jones, Erika Eleniak, Colm Meaney, Troy Evans, David McKnight, Lee Hinton, Patrick O’Neal, Glenn Morshower, Leo Alexander, John Rottger, Brad Rea, Michael Welden, Bernie Casey, Rickey Pierre, Raymond Cruz
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb ab 2017: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2002: Warner Home Video

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © Studio Hamburg Enterprises

 

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Kilometerstein 375 – Hillbilly-Elegie

Thunder Road

Von Tonio Klein

Thrillerdrama // Anders als Koch Films auf seiner Webseite schreibt und es Amazon auch gleich übernommen hat, spielt der Film nicht in der Prohibitionszeit, sondern – korrekt auf dem Cover – in den 1950er-Jahren. Zu sagen, dass es um den Whiskeyschmuggler Lucas „Luke“ Doolin (Robert Mitchum) ginge, wäre zu kurz gegriffen. Und die gesprochene Off-Einleitung führt in die Irre. Da wird, ähnlich den gelegentlich FBI-propagandistisch angehauchten „Semidocumentaries“ der „Eagle-Lion Films“ ein paar Jahre zuvor, der Verlust an Steuergeld des amerikanischen Volkes durch die Schwarzbrennerei angeprangert. Und es folge die Geschichte eines Schmugglers und seines Antagonisten von der Steuerfahndung. Wir sehen dann aber weder die Geschichte zweier annähernd gleich wichtiger Gegner noch ein Hohelied auf den Kampf gegen die Kriminalität. Wir sehen eine Action-Verfolgungsjagd unter Einsatz scheinbar unpassend heroischer Musik und hören zu den anschließenden Credits die gleiche Musik noch einmal, ohne vielleicht die Übereinstimmung beim ersten Mal zu bemerken. Aus dem peitschenden Thema ist nun ein elegischer Gesang zur Gitarre geworden, zu Bildern eines ländlichen Settings bei Nacht. Und der Liedtext erst – wer Ohren hat zu hören, der höre! Dieser und die letzten Worte, die die genasführten Verfolger vor den Credits sprechen, sagen nämlich schon ziemlich genau, wie die ganze Sache ausgehen wird. Es ist nicht so wichtig, ob man das mitbekommt, verleiht dem sehr gelungenen Film aber noch einmal eine ganz andere Note – das Mehrfachsehen kann sich lohnen!

Frisierte Schlitten in unauffälliger, ländlicher Umgebung

Das wirklich Gute ist, dass man diesen Streifen so schlecht in eine Schublade stecken kann. Auch wenn viele Szenen in der Nacht spielen, fehlt (was 1958 nicht mehr verwunderlich ist) eine typische Film-noir-Stimmung. Es sei denn, man sieht Film noir eher als Haltung denn als Genre, als ein Porträtieren der Ausgestoßenen, der am amerikanischen Traum Gescheiterten. Eine Menschwerdung, in den schlechteren Filmen (nicht in diesem!) Verklärung und Romantisierung der Outlaws gab es aber auch schon in manchem Western, in den Gangsterfilmen der beginnenden 1930er-Jahre und natürlich in fast jeder Robin-Hood-Adaption. Werden die Ungesetzlichen auch hier zu Volkshelden? Nicht ganz, aber es geht beileibe nicht nur um Luke, sondern um eine ganze Gesellschaftsschicht, die man vielleicht dem „Hillbilly“-Sammelbegriff zuordnen könnte. Hier ohne die oft abwertende Konnotation. Luke ist nämlich unter seinesgleichen, die Fahnder kommen gar nicht so prominent vor. Und es wird schnell klar, dass in gewissen Bergregionen Tennessees, wo der Film spielt, das Schwarzbrennen und Schmuggeln zum Alltag gehört. Der Mythos des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten wird kritisch hinterfragt. Lukes Vater sagt einmal in einer Gruppendiskussion, bei seiner Gesellschaft handele es sich um Menschen, die gekommen seien, um ihre „Grundrechte“ (sic!) zu verwirklichen, und zu denen gehöre eben auch das Schmuggeln. Amerikanischer Pioniergeist einmal anders. Der Film verdammt diese Haltung niemals. Wir sehen ganz normale Familienrituale, Zusammenkünfte, Tänze auf der Veranda; wir lernen aus dieser Gruppe verschiedene Menschen näher kennen. Und weil das ganz normale Menschen sind, stört auch nicht, dass Weiblichkeit und Gefühle eingeflochten werden – dies gehört eben dazu. Dass das Business dieser Leute ein illegales ist, ist ihnen sehr bewusst und auch nicht so ganz recht. Aber das ist so wie Rocky Balboas Antwort, warum er sich – ganz am Anfang des Franchises – drittklassige Boxkämpfe antue: „’cause I can’t sing and dance.“ Etwas anderes haben die Leute halt nicht gelernt, das haben sie immer schon gemacht. Nicht schön, aber alternativlos. Luke, durch den Koreakrieg ein härterer Kerl geworden, ist nur der Konsequenteste, anscheinend ungerührt, wenn manche die halsbrecherischen Verfolgungsjagden nicht überleben. Aber er ist einer von ihnen.

Ein Genre-Hybrid!

Die Porträtierung einer ländlichen Outlaw-Gemeinschaft, family values und das Thema des Outlaws als Mann des Volkes (wenngleich nicht als Volksheld) erinnert an einen Western. Dass zu dem Konflikt mit der Ordnungsmacht auch noch der interne Konflikt um einen neuen selbsternannten Boss, Carl Kogan (Jacques Aubuchon), hinzukommt, lässt an Prohibitions-Gangsterfilme (oder reale Geschehnisse) denken. Das Nostalgische kontrastiert aber sehr auffällig und interessant mit dem Modernen. Der Film ist klar im Hier und Jetzt angesiedelt, also im Jahre 1958, lässt schon in den serifenlosen Credits und dem 1:1,85-Format erkennen, dass er mit Filmen bis ca. 1953 (Geburtsjahr von „CinemaScope“) nicht mehr allzu viel zu tun hat. Die Musik ist jazzig und tendiert auch mal zum modernen Rock ’n’ Roll. Und zwar nicht nur, wenn die Jukebox (in der alten Synchronisation natürlich noch „Musicbox“) erklingt, sondern auch bei einem Tanz auf der Veranda zur Gitarre, der klassische US-Volksmusik mit der Jugendmusik der 1950er mischt.

Ganz und gar modern ist der Film auch noch an einer anderen Stelle. Während der klassische Outlaw mit einer PS und seinen Künsten im Sattel auskommen musste, fahren die Kuriere und insbesondere Luke reichlich aufgemotzte Schlitten. Sechs Jahre vor „Goldfinger“ gibt es sogar ein Gadget à la James Bond zu bestaunen, wenn Luke während der Fahrt eine Ölspur versprühen kann – mit den erwartbaren Folgen. Was übrigens – anders als bei den insoweit notorisch schlechten Bond-Filmen – ohne deutlich erkennbare Rückprojektionen geschieht, so wie die Auto-Action handwerklich mehr als solide ist. Da gibt es Crashs und Explosionen. Aber obwohl die aufgemotzten Boliden und halsbrecherischen Fahrkünste besprochen, besungen und gezeigt werden: the Fast, not the Furious!

Es gibt viel zu schmuggeln – packen wir’s an

Dazu trägt, obschon es sich inhaltlich um einen Ensemblefilm handelt, natürlich die starke Präsenz des Hauptdarstellers Robert Mitchum in der Rolle des Luke bei. Man kann lange fachsimpeln, ob und inwieweit pure Präsenz ein Zeichen von künstlerischer Stärke ist. Das Kino hat immer wieder Leute hervorgebracht, von denen manche sagen, sie könnten wenig und seien immer nur sie selbst. John Wayne ist so ein Fall, auch Clint Eastwood (als Darsteller). Aber auch dies ist im besten Falle große Kunst, nur kann man eben schlecht analysieren, wie das jemand macht, der einfach nur da ist, statt offenkundig zu spielen. Jedenfalls Mitchum ist als Minimalist großartig in seinem oft somnambulen (Winfried Günther im DVD-Feature zu „Verfolgt“, 1947) Spiel, in dem er mit fast nichts alles erreicht. Bedenkt man, dass er auch als Charmeur in „Vor Hausfreunden wird gewarnt“ (1960, und das immerhin an der Seite von Cary Grant!) und als vergeistigter Lehrer in „Ryans Tochter“ (1970) überzeugen konnte, wird klar: Da gibt es nichts, was man ihm nicht zutrauen würde. Für mich einer der ganz Großen, und das ist er unabhängig davon, ob er typenbesetzt ist oder nicht. Hier ist er’s. Ein harter Kerl, dem die Fluppe lässig im Mundwinkel hängt, dem wir aber die tiefen Gefühle für seine Freundin (Keely Smith) auch ohne das Heben der Augenlider allein wegen seines Blicks abkaufen. Einmal hat er einen Telefonmonolog, in dem er in unnachahmlicher Mitchum-Art Kogan ankündigt, dieser habe einen Fehler zu viel gemacht (nämlich seinen kleinen Bruder, gespielt von Mitchums Sohn James, in die Schmuggelei hineinzuziehen). Wobei in dem „Ich mach dich fertig“ kein Triumph, sondern jede Menge Traurigkeit steckt, weil Luke ahnt, wohin das führen wird. Mitchum war als gefallener Engel immer besser denn als reiner Schurke, der er aber zum Glück selten war – und ausgerechnet mit seiner berühmten Schurkenrolle in „Ein Köder für die Bestie“ (1962) tue ich mich etwas schwer.

Wie der Vater, so der Sohn – James Mitchum

Dieser Monolog leitet den letzten Akt ein, der vielleicht der beste ist und rückschauend den ganzen Film prägt. Die Ballade mit Action-Einsprengseln wird zur elegischen Tragödie. Obwohl sie anscheinend die klassische Spannungsdramaturgie bedient: Die junge, heimlich in Luke verliebte Roxanna (Sandra Knight) entschließt sich zu einer nicht zu verratenden, bedeutenden Lösung ihres inneren Konflikts; der von Gene Barry gespielte Fahnder rückt nun doch ins Zentrum – aber es kommt zu einer „Lösung“, die nicht nur Roxanna und Lukes Bruder Robin fragend zurücklässt. Man hat den Eindruck, dass Luke – beispielsweise in einer sehr intensiven Szene mit seiner Freundin – vorher bereits Abschied nimmt. Vom Schmugglerleben oder vom Leben?

Hintergründe und Blu-ray-Umsetzung

Es ist leicht herauszufinden, dass der Film eine Herzensangelegenheit Mitchums war, der die Originalstory erdacht, den Titelsong geschrieben und seinen ihm übrigens sehr ähnlichen Sohn James vor die Kamera geholt hatte. Beim Regisseur Arthur Ripley musste ich offen gesagt erst die Google-Universität bemühen. Man kann ihn wohl einen Routinier nennen, dessen aktivste Zeiten 1958 schon eine Weile zurücklagen, der aber immerhin mit „The Chase“ (1946) einen besonders guten, düsteren und stilistisch wie inhaltlich eigenwilligen Film noir geschaffen hatte. Hier nun ist er souverän und ohne inszenatorische Mätzchen, aber eben dennoch ganz eigenwillig einer ungewöhnlichen Geschichte dienend.

Auf der Blu-ray sieht das alles recht ordentlich, wenngleich nicht perfekt aus. Wie so manches Mal stellt sich die Frage, ob das Blu-ray-Format bei alten Filmen mehr herauszuholen versucht, als im Original drin ist, oder um in der Welt der Kuriere des Films zu bleiben: ob bei einer gepimpten Ente nicht der Lack abplatzt und die Karosse das überhaupt aushält. Das Bild ist manchmal leicht unscharf, oft aber so scharf, dass auch bei gebührendem Abstand zum Fernsehgerät eine gewisse Grobkörnigkeit stört (die aber auch bei den unscharfen Szenen zu sehen ist). Hier ist vielleicht die DVD-Variante gnädiger und daher besser, die ich indes nicht gesehen habe. Letztlich aber nur ein unerheblicher Wermutstropfen und vermutlich technisch nicht besser hinzubekommen. Bei den Extras ist neben dem Original-Trailer und einer Bildergalerie ein besonderes Bonbon zu finden: Anders als in den Credits gibt es auch eine (anders instrumentierte) Fassung des Titelliedes, in der Mitchum höchstselbst es singt. Dazu werden Szenen aus dem Film gezeigt, und diese Zusammenstellung lässt die Bedeutung des Liedtextes noch einmal klarer erkennen, als dies schon beim Originalfilm der Fall ist. Sehens- und hörenswert, zumal Mitchum nicht nur ein Schauspieler war, dessen musikalische Qualitäten mal eben mitvermarktet wurden. Er hatte diese Qualitäten wirklich, steuerte sie auch noch zu anderen Filmen wie „Der gnadenlose Rächer“ (1969) bei (wo er den Titelsong sang) und war unabhängig von seinen Filmen ein anerkannter Sänger, im Wesentlichen für Calypso.

Die Fahnder bleiben im Hintergrund, aber wissen die Zeit auf ihrer Seite

Fazit: Abgesang auf den Outlaw, bei dem sich Elegie und Action, mehrere interessante Figuren und ein überragender Robert Mitchum treffen. Entgegen dem mal wieder hergesuchten deutschen Filmtitel habe ich weit und breit keinen Kilometerstein 375 gesehen, aber egal – sehr zu empfehlen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Mitchum haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Welche dort noch nicht verzeichneten Filme des Charakterkopfs haltet Ihr für unverzichtbar?

Kogan macht keine Gefangenen, aber – so Luke – gewaltige Fehler

Veröffentlichung: 8. Oktober 2020 als Blu-ray und DVD, 5. Oktober 2004 als DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Thunder Road
USA 1958
Regie: Arthur Ripley
Drehbuch: James Atlee Phillips, Walter Wise, nach einer Originalstory von Robert Mitchum
Besetzung: Robert Mitchum, Gene Barry, Jacques Aubuchon, Keely Smith, Trevor Bardette, Sandra Knight, James Mitchum, Betsy Holt, Francis Koon, Randy Sparks, Peter Breck, Mitchell Ryan, Peter Hornsby, Jerry Hardin, Robert Porterfield
Zusatzmaterial 2020: Originaltrailer, Bildergalerie, Feature mit von Robert Mitchum gesungener Variante des Titelsongs, Wendecover
Label 2020: explosive media
Vertrieb 2020: Koch Films
Label/Vertrieb 2004: MGM / Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2020 by Tonio Klein

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 explosive media

 
 

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