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The Editor – Der erste Giallo aus Kanada

The Editor

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // Bereits mit ihrem ersten Langfilm sorgte die kanadische Produktionsfirma Astron-6 für Furore: Ähnlich wie Jason Eisener mit „Hobo with a Shotgun“ (2011) erregten die Filmemacher Matthew Kennedy, Conor Sweeney, Adam Brooks, Jeremy Gillespie und Steven Kostanski („The Void“) mit einem Fake-Grindhouse-Trailer das Interesse eines Filmproduzenten. Es handelte sich um keinen Geringeren als Lloyd Kaufmann, seines Zeichens Gründer der legendären Billigfilm-Kultschmiede Troma Entertainment. Für 10.000 US-Dollar durften sie „Father’s Day“ (2011) drehen, der unter Genrefans gefeiert und beim Toronto After Dark Film Festival 2011 mit fünf Preisen bedacht wurde. Kurze Zeit später ereilte den Film allerdings das gleiche Schicksal wie „Hobo with a Shotgun“: Aufgrund der gezeigten Gewaltausbrüche wurde „Father’s Day“ in Deutschland kurz nach der Heimkino-Veröffentlichung auf den Index gesetzt.

Der einst gefeierte Filmeditor Rey Ciso verlor auf tragische Weise vier Finger

In „The Editor“ geht es nicht ganz so deftig und geschmacklos zur Sache. Dennoch ist es überraschend – und sehr erfreulich –, dass die Hommage an das Giallo-Genre mit ihren grotesken Mordszenen hierzulande ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben wurde. Ein Großteil der Filmemacher des Astron-6-Teams ist erneut in Mehrfachfunktion als Regisseur, Darsteller oder Drehbuchautor im Einsatz gewesen. Diesmal hatte das Team stolze 100.000 Dollar als Budget zur Verfügung.

Filmeditor unter Mordverdacht

Einst galt Filmeditor Rey Ciso (Adam Brooks) als einer der größten Meister seines Faches. Doch seit einem folgenschweren Unfall, bei dem er vier Finger verlor, muss er sich nun mit dem Schnitt von Schundfilmen über Wasser halten. Als ein Serienkiller die Darsteller des Machwerks, an dem er gerade arbeitet, nach und nach abmurkst, gilt Rey für Kommissar Porfiry (Matthew Kennedy) bald als Hauptverdächtiger. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Rey den wahren Täter auf eigene Faust überführen.

Dr. Casini kümmert sich um Rey

Dass die Jungs von Astron-6 leidenschaftliche Filmfans sind, merkt man „The Editor“ jede Sekunde an. Die derzeit vorherrschende Retro-Welle nutzen sie dazu, dem Giallo ihre Ehre zu erweisen. Das Team versteht sein Handwerk und weiß auch das bescheidene Budget bestmöglich einzusetzen. Von der Bildsprache über die Musik bis hin zum Legen falscher Fährten und den brutalen Morden aus der Egoperspektive des Killers findet man die formalen Merkmale des Genres perfekt wieder.

Absichtlich unfreiwillig komisch

Doch Vorsicht sei geboten: Wer einen ernstzunehmenden Thriller erwartet, sollte Abstand halten. Die Macher sind nicht groß an Spannungsaufbau interessiert, vielmehr spielen sie genüsslich mit den Elementen, die für heutige Verhältnisse in den italienischen Thrillern- und Horrorfilmen der 60er- und 70er-Jahre häufig unfreiwillig komisch wirken. Das Spiel der Darsteller ist mit voller Absicht extra hölzern geraten, die eingestreuten Sexszenen wirken etwas deplatziert und zumindest in der von mir gesichteten englischen Originalfassung wurden auch die meisten Dialoge ebenso mies nachsynchronisiert, wie es auch damals üblich war.

Die Mordserie am Filmset reißt nicht ab

Besonders Giallo-Fans werden ihren Spaß an dieser Persiflage haben und auch die zahlreichen Anspielungen auf die Klassiker von Dario Argento, Lucio Fulci oder Paolo Cavara mit Vergnügen zur Kenntnis nehmen. Dazu konnten für den laut den Machern „ersten Giallo aus Kanada“ auch Udo Kier und Laurence R. Harvey („The Human Centipede II (Full Sequence)“) für Gastauftritte gewonnen werden.

Zitate wie aus Fulcis „Über dem Jenseits“ sind in „The Editor“ allgegenwärtig

Veröffentlichung: 23. Juni 2017 als Blu-ray, DVD und Limited Mediabook Edition (Blu-ray und DVD, limitiert auf 3.500 Stück)

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Editor
KAN 2014
Regie: Adam Brooks, Matthew Kennedy
Drehbuch: Adam Brooks, Matthew Kennedy, Conor Sweeney
Besetzung: Adam Brooks, Matthew Kennedy, Conor Sweeney, Paz de la Huerta, Samantha Hill, Brett Donahue, Udo Kier, Laurence R. Harvey, Jerry Wasserman
Zusatzmaterial: Trailer, Making-of, Featurettes
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2017 Al!ve AG / Pierrot Le Fou

 

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Pet – Wenn du etwas liebst, lass es nicht los: Im „Saw“-Keller fließt wieder Blut

Pet

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Für neun Dollar in der Stunde fristet Seth (Dominic Monaghan) sein Dasein im örtlichen Tierheim. Der soziale Außenseiter fühlt sich dort allerdings durchaus wohl, denn er versteht sich besser mit den eingesperrten Vierbeinern als mit seinen Mitmenschen. Als er zufällig Holly (Ksenia Solo) über den Weg läuft, nimmt Seth all seinen Mut zusammen und spricht seinen geheimen Schwarm aus Highschool-Zeiten an.

Seth trifft seine Jugendliebe wieder

Die Kellnerin und Hobby-Autorin kann sich zwar nicht an ihn erinnern, aber Seth lässt nicht locker: Er sendet ihr Blumen und informiert sich in den sozialen Netzwerken über Hollys Vorlieben. Als er sie schließlich an ihrem Arbeitsort besuchen kommt, um sie nach einem Date zu fragen, eskaliert die Situation. Obwohl Hollys Ex-Freund Eric (Nathan Parsons) auf ihn los geht, gelingt es Seth, das Tagebuch der jungen Frau zu entwenden. Die intimen Zeilen steigern jedoch nur noch Seths Obsession. Schließlich entführt der Stalker die hübsche Kellnerin und sperrt sie in einem selbstgebauten Käfig im Keller des Tierheims ein.

Kein normaler Entführungsthriller

Eigentlich klingt die Prämisse des zweiten Spielfilms des spanischen Regisseurs Carles Torrens („Apartment 143“) wie ein herkömmlicher Entführungsthriller. Ein liebeskranker Psychopath nimmt eine Frau nach mehreren Zurückweisungen kurzerhand gefangen. Soweit, so bekannt. Doch nach einiger Zeit wird klar, dass Drehbuchautor Jeremy Slater (Schöpfer der TV-Serie „Der Exorzist“) andere Absichten verfolgt: Bei Holly handelt es sich keinesfalls um eine normale Geisel. Die junge Frau verfügt über eine dunkle Vergangenheit und dreht das Täter-Opfer-Verhältnis bald gehörig zu ihren Gunsten um.

Holly kann sich an den Außenseiter nicht erinnern

Nachdem Torrens zu Beginn viel Zeit damit verbringt, den Zuschauern mehr über Seths Tagesablauf und Innenleben näherzubringen, inszeniert der Spanier seinen Horrorthriller in der zweiten Hälfte im Stil eines Kammerspiels. Dass dies auch trotz der Dialoglastigkeit sehr gut funktioniert, ist dem hervorragenden Zusammenspiel von „Der Herr der Ringe“-Star Dominic Monaghan und Ksenia Solo („Black Swan“, „Orphan Black“) zu verdanken. Besonders Monaghan gelingt es dabei erstaunlich gut, dass man trotz seiner Taten Sympathien für Seth entwickelt.

Kleine Überraschungen und ein bitterböses Ende

Der Keller, in dem Hollys Käfig steht, könnte einigen Horrrorfans übrigens bekannt vorkommen: Der Drehort in Los Angeles diente auch „Saw“ (2004) als Kulisse. So brutal wie im Torture-Porn-Klassiker von James Wan geht es in „Pet“ allerdings nicht zu. Dennoch gibt es ein paar wenige blutige Szenen, die die FSK-18-Freigabe durchaus rechtfertigen. Die Tiere im Heim müssen ja auch mal gefüttert werden.

Seth entführt Holly und hält sie wie ein Tier in einem Käfig

Zwar übertreibt es das Drehbuch ab und an mit ein paar unglaubwürdigen Wendungen. Dennoch sind es gerade diese kleinen Überraschungen in der Geschichte, die „Pet“ inklusive des bitterbösen, gleichwohl durchaus romantischen Endes zu einem spannenden Genrevertreter machen.

Doch bald verliert der Kidnapper die Nerven

Veröffentlichung: 23. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Pet
SP/USA 2016
Regie: Carles Torrens
Drehbuch: Jeremy Slater
Besetzung: Dominic Monaghan, Ksenia Solo, Jennette McCurdy, Da’Vone McDonald, Nathan Parsons, Janet Song, Sean Blakemore
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Pandastorm Pictures

 

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Gewinnspiel: 3 x The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer auf Blu-ray

Verlosung

„The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ ist einer dieser Filme, bei denen man sich während des Betrachtens fragt, „was da wohl im Kopf des Regisseurs vorgegangen sein mag – oder in seiner Kindheit falsch gelaufen ist.“ So schrieb Andreas in seiner Rezension. Drei Leserinnen oder Leser von „Die Nacht der lebenden Texte“ können sich in Kürze anhand einer Blu-ray selbst ein Bild von der Groteske machen. Herzlichen Dank an den Publisher Tiberius Film, der uns die Verlosungsexemplare zur Verfügung gestellt hat.

Auf der Ölspur in den Lostopf

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zur Rezension des Films und beantwortet dort bis Sonntag, 2. Juli 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Könnt Ihr sie mangels ausreichender Sichtung solcher Filme nicht beantworten, so schreibt das einfach. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Andreas‘ Rezension von „The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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