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Archiv für den Monat Mai 2013

Bruce Springsteen live in Hannover – Das Dutzend ist voll

Diesen Bericht widme ich meiner Herzdame (für ihr erstes Springsteen-Konzert) sowie E 13 (weil er bei seinem Heimspiel ständig auf der Leinwand zu sehen war).

Stau auf der A7 von Hamburg nach Hannover, dann noch einmal mehr als zähflüssiger Verkehr auf den Zubringerwegen zur Arena – die Fahrt zu meinem zwölften Konzert gerät zur Punktlandung: Um 19.35 Uhr stehe ich mit meinen beiden Begleiterinnen an der Treppe zum Innenraum, just in dem Moment entern Bruce Springsteen & The E Street Band die Bühne. Erster Song: „Land of Hope and Dreams“, bekannt seit der Reunion-Tour 1999, als Studioversion erstmals 2012 auf dem Album „Wrecking Ball“ veröffentlicht. „Leave behind your sorrows, Let this day be the last. Tomorrow there’ll be sunshine, and all this darkness past.“ Klasse Auftakt!

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Bier her, Bier her – oder ich fall‘ um

Es folgt „No Surrender“. Großer Titel, passt immer. „We made a promise we swore we’d always remember, No retreat, baby, no surrender!“ Das ehemalige Niedersachsenstadion ist mit 40.000 Zuschauern gut gefüllt (die Nennung des Sponsorennamens verbietet die journalistische Unabhängigkeit, auch wenn die Journaille das offenbar anders sieht). „We Take Care of Our Own“, „Wrecking Ball“, „My Love Will Not Let You Down“, „Death to My Hometown“ – die Stimmung ist formidabel, Springsteen kann spielen, was er will. Zeit für den Gassenhauer: „Hungry Heart“. Dass er in der ersten Strophe Frau und Kind in Baltimore Jack zurücklässt, lässt Bruce wie gewohnt vom Publikum vortragen. Schämt er sich für derlei rabenhaftes Verhalten? Ein Fan reicht dem Boss ein Bier – der leert es in einem Zug. Allerdings läuft ihm viel am Kinn herunter, recht lange braucht er auch. Lusche! Kurz darauf folgt ein zweites Bier. Ist der alte Mann das Trinken überhaupt gewohnt? Wenn das mal gut geht. Manch ein Fan meint zu bemerken, dass Bruce eine Weile etwas zu kämpfen hat.

Gleich der nächste Klassiker hinterher: „Spirit in the Night“, von Springsteen eingeleitet mit einem langen „Can you feel the spirit“-Intro. „Me and crazy Janey were makin’ love in the dirt“ – das waren noch Zeiten. Im Front-of-Stage-Bereich sind wieder viele Request-Signs zu erblicken. Das Leben ist kein Wunschkonzert? Ein Springsteen-Gig schon! Ich wundere mich zwar, dass sich manche Fans immer wieder Coversongs wünschen, aber das beschert uns in diesem Fall immerhin den schönen Titel „Drift Away“ (bekannt durch Dobie Gray). Er zeigt auch das Request-Sign vor: „I’d give my right testicle to hear Drift Away.“ Bruce weiß nicht recht, ob ihn das amüsiert oder verstört. Er äußert die Hoffnung, weder den linken, noch den rechten sehen zu müssen. Der Mann möge mit beiden Hoden heimgehen. Bruce interpretiert „Drift Away“ in einer schönen Akustikvariante und schiebt anschließend „The E Street Shuffle“ vom 1973er-Zweitwerk „The Wild, the Innocent & the E Street Shuffle“ hinterher.

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Der Boss elektrisiert die Massen

Max Weinberg gibt den monoton hämmernden Rhythmus vor – ich erkenne sofort einen meiner absoluten Favoriten: „Atlantic City“. Eine Springsteen-Setlist mit diesem Song kann nur gut sein. „Well I got a job and tried to put my money away. But I got debts that no honest man can pay.“

Nach dem feinen „Jack of all Trades“ folgt der nächste Höhepunkt: „The River“ – die tieftraurige Ballade vom Arbeitersohn, der seine Freundin schwängert und deshalb seine Träume begraben und in die Job-Tretmühle einsteigen muss. Das trifft mitten ins Herz. Wen es nicht trifft, der muss tot sein. Zur Auferstehung hilft aber der nächste Klassiker: „Because the Night“. Immer wieder gern.

„Murder Incorporated“ – na ja, kein Favorit, nehmen wir mit. „Johnny 99“ – schon besser. „Open all Night“, „Shackled and Drawn“ – nun folgt „Waitin‘ on a Sunny Day“ mit der obligatorischen und nervigen Kindes-Gesangseinlage. Da hilft nur eins: Pinkelpause!

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Abendstimmung

Nach dem soliden „Radio Nowhere“ vom „Magic“-Album folgt die nächste Hymne, auf die ich gut verzichten kann: „The Rising“. Aber da die Masse abgeht, soll’s mir recht sein. Zum Ausgleich folgt „Badlands“ auf dem Fuße – oft gehört, nie überhört. „Light of Day“ beschließt den Set vorerst, die Band verlässt die Bühne. Doch zügig kehrt Bruce zurück und präsentiert einen aufwändig gebastelten Wunsch aus dem Publikum: Ein paar aneinandergereihte Pappwürfel ergeben den Titel „Roll of the Dice“ vom 1992er-Album „Human Touch“. Tourpremiere! Der Boss interpretiert den Song solo mit Akustikgitarre.

Auf zum Endspurt: „Born in the USA“ und „Born to Run“ – zwei der ganz großen Klassiker, wahlweise Gassenhauer. Das Stadion bebt. Auf „Seven Nights to Rock“ folgt „Dancing in the Dark“, bei dem Bruce einen weiblichen Fan aus dem Publikum zum Tanz bittet. Kurioserweise ist es dem Vernehmen nach tatsächlich die Schwester der Frau, die ein Schild „Dance with my Sister“ hochgehalten hat. Sachen gibt’s. Unmittelbar nach dieser Tanzeinlage darf eine andere Frau mit Bruce gar Gitarre spielen – eine Niederländerin namens Tess. Es sei ihr gegönnt, offenbar gehörte sie zu den ersten am Stadion und hat den Einlass mit organisiert.

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Das Ende naht

Ganz kurz vor dem Ende ein bewegender Höhepunkt: „Tenth Avenue Freeze-Out“, bei dem mit Foto-Einblendungen auf der Leinwand den verstorbenen Bandmitgliedern Danny Federici und besonders Clarence „Big Man“ Clemons gehuldigt wird. Die alten Weggefährten bleiben unvergessen.

„American Land“ beschließt einen einmal mehr grandiosen Konzertabend, der gegen 22.45 Uhr zu Ende geht. Der 63-jährige Bruce Springsteen hat die Drei-Stunden-Marke locker überwunden, das soll dem alten Mann mal der eine oder andere Nachwuchs-Rocker nachmachen. Die Menge zerstreut sich langsam, ich begebe mich nach vorn und begrüße etliche Kapeiken aus dem Springsteen-Forum. Schön, die Gesichter mal wieder zu sehen. Zeit für den Heimweg. Über die Verkehrsführung zum und vom Stadion möge die Stadt Hannover aber besser den Mantel des Schweigens decken.

Copyright 2013 by Kotelette
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Tina Kraus

 
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Verfasst von - 2013/05/30 in Musik

 

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Hangover 3 – Das Wolfsrudel heult zum letzten Mal

Kinostart: 30. Mai 2013

Komödie // Eine Giraffe auf dem Anhänger – keine gute Idee, wenn man auf dem Highway unterwegs ist und sich einer Brücke nähert. Weshalb Alan (Zach Galifianakis) überhaupt auf die Idee kam, das Tier zu kaufen – man weiß es nicht. Der gelinde gesagt verschrobene Geselle wollte wohl immer eine haben, aber wie auch immer: Die Folgen sind fatal, nicht nur für die Giraffe, sondern auch für Alans Vater. Eine Beerdigung und ein von Alan mit Glockensopran dargebotenes „Ave Maria“ später ist klar: So kann es nicht weitergehen. Alan, der eigenmächtig seine Medikamente abgesetzt hat, benötigt professionelle Hilfe. Ein Fall für das Wolfsrudel.

Phil (Bradley Cooper, „The Place Beyond the Pines“), Stu (Ed Helms) und Doug (Justin Bartha) erklären sich bereit, Alan in ein Sanatorium zu bringen. Nur die Aussicht auf den gemeinsamen Trip mit seinen drei Buddys bringt den kauzigen Vollbartträger dazu, dem Gang in die Klinik zuzustimmen. Das Wolfsrudel ahnt nicht, dass in der Zwischenzeit Mr. Chow (Ken Jeong) aus einem Knast in Thailand ausgebrochen ist. Der Gangsterboss Marshall (John Goodman) hat mit Chow eine Rechnung zu begleichen. Er nimmt Doug als Geisel, um den Rest des Wolfsrudels zu zwingen, Chow für ihn zu finden. Ein irrwitziger Trip nimmt seinen Lauf, der die Freunde über Tijuana in Mexiko zu dem Ort führt, wo – im ersten Film – alles begann: Las Vegas.

In beiden Vorgängern ging es darum, dass das Wolfsrudel nach durchzechter Nacht und Total-Filmriss herauszufinden hatte, was während des kollektiven Blackouts geschehen war. Das ist diesmal anders. Ohne drogenbedingten Gedächtnisverlust kommt allerdings auch „Hangover 3“ nicht aus. Der jedoch findet erst am Ende statt und dient dazu, die Tradition zu bewahren, den Abspann mit ein paar finalen Pointen zu spicken.

Originalität ist beim dritten Teil einer Komödienreihe nicht zu erwarten. Hauptsache, die Gags zünden. Das tun sie glücklicherweise größenteils, auch wenn „Hangover 3“ etwas den Biss der beiden Vorgänger vermissen lässt. Laut Filmplakaten und anderen Ankündigungen geht die Reihe mit Teil 3 zu Ende. Das ist auch völlig in Ordnung.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bradley Cooper und/oder John Goodman sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Hangover Part III
USA 2013
Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Todd Phillips, Craig Mazin
Besetzung: Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, John Goodman, Heather Graham, Ken Jeong
Verleih: Warner Bros. Pictures

Copyright 2013 by V. Beautifulmountain

Trailer: © 2013 Warner Bros. Pictures

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2013/05/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

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The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford

Diese Rezension ist erstmals am 5. August 2010 im deutschen Bruce-Springsteen-Fanforum unter „Kino, Film & Literatur“ in einem Diskussionsfaden mit dem Titel „Der Western-Thread“ erschienen. Anlass war weder der Kinostart des Films noch die Veröffentlichung auf Blu-ray und DVD, sondern lediglich eine Debatte unter Filmfreunden. Ich habe den Film erst aufgrund einer nachdrücklichen Empfehlung seitens eines Forenmitglieds geschaut und daraufhin rezensiert. Den Text habe ich für die Veröffentlichung unter „Die Nacht der lebenden Texte“ minimal modifiziert und ergänzt. Sowohl für die Motivation zur Sichtung des Films als auch ein paar Anmerkungen zur Rezension geht ein Dank an Geronimo.

Westerndrama // Die Blütezeit des Westerns endete in den 1970er-Jahren, wenn nicht früher. Vielleicht markiert Sergio Leones Meisterwerk „Once Upon a Time in the West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“) von 1968 einen Endpunkt der Westernära, auch wenn es später qualitativ gute Nachzügler gegeben hat – etwa Sydney Pollacks „Jeremiah Johnson“ von 1972 und Sam Peckinpahs „Pat Garrett & Billy the Kid“ von 1973. Es schien, als sei alles erzählt worden, was das Genre hergibt.

Der Western – ein vom modernen Hollywood vernachlässigtes Genre

Hollywood rückte nur noch selten Geld für neue Western raus – besonders nach dem finanziellen Flop von Michael Ciminos „Heaven’s Gate“ („Das Tor zum Himmel“, 1980), der ein schwerer Schlag für United Artists war und zum Verkauf des Studios an Metro-Goldwyn-Mayer führte. Trotzdem oder gerade deswegen waren die wenigen Produktionen ab den 80er-Jahren oft gar nicht schlecht. „Silverado“ (1985) war gut besetzt und unterhaltsam. „Dances With Wolves“ („Der mit dem Wolf tanzt“, 1990) ist kein persönlicher Favorit, steht aber wie ein Monument in der Filmgeschichte. 2003 legte Kevin Costner mit „Open Range“ sogar gelungen nach. Clint Eastwoods „Unforgiven“ („Erbarmungslos“, 1992) ist ohnehin über Zweifel erhaben. Auch Ed Harris’ Regiearbeit „Appaloosa“ (2008) mit Viggo Mortensen hat mir ausgesprochen gut gefallen, obwohl er dem Genre keine neuen Impulse gegeben hat. Jim Jarmuschs „Dead Man“ (1995) ist mir allerdings zu eigenwillig, um ihn mir nichts dir nichts ins Westerngenre einzureihen. Über Banalitäten vom Schlag „The Quick and the Dead“ („Schneller als der Tod“, 1995) decke ich den Mantel des Schweigens. Neo-Western wie „All the Pretty Horses“ („All die schönen Pferde“, 2000) und „Brokeback Mountain“ (2005) können an dieser Stelle ebenfalls außer Acht bleiben.

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Jesse James – Holzschnitt: © 2013 valentino vom Blog vnicornis

In diesem Zustand befindet sich somit das Westerngenre seit den 80er-Jahren: nicht ganz tot, hin und wieder zuckt’s etwas, ganz selten gibt’s mal einen Quantensprung – so wie mit „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“. Deutscher Titel: „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“. Ein großer Film, der sich Zeit nimmt, die das von Bombast-Produzenten wie Jerry Bruckheimer geprägte heutige Hollywood kaum noch hat. Ruhige Sequenzen, viel Zeit für die Ausarbeitung der Figuren, sorgfältige Dialoge, geschickte Wechsel zwischen Totalen und Nahaufnahmen, eine visuelle Kraft, die im Kino und auf anständiger technischer Heimausstattung wunderbar zur Geltung kommt. Wer nur Bruckheimer & Co. konsumiert, wird sich womöglich langweilen. Auch Freunde üblicher Western müssen sich von ihren Sehgewohnheiten freimachen, um das Werk genießen zu können. Die Geschichte selbst ließe sich weitaus kürzer erzählen als in den zwei Stunden und 40 Minuten, die „The Assassination of …“ lang ist. Nachhall und Nachhaltigkeit jedoch benötigen genau dieses Erzähltempo.

Die Entstehung des Mythos Jesse James

Die Geschichte vom Tod des Outlaws Jesse James (Brad Pitt) durch die Hand eines seiner Bandenmitglieder könnte als Doku-Drama durchgehen, so sehr berücksichtigt Regisseur Andrew Dominik selbst kleine Details der wahren Geschichte. Offenbar will er nicht allein die Geschichte von Jesse James’ Tod erzählen, sondern auch die Geschichte, wie ein solcher Mythos entstehen kann – ein Mythos, an dem Robert Ford (Casey Affleck) letztlich zerbricht.

Die Szene der Ermordung Jesse James’ ist bis ins Detail dem Bericht des echten Robert Ford nachempfunden: James hat Ford und dessen Bruder (klasse: Sam Rockwell) in seinem Haus aufgenommen, wo er mit Frau und Kindern lebt. Eines Tages kehrt er zum Essen heim, bei sich eine Tageszeitung. Auf Seite 1 findet sich ein Bericht über ein Mitglied der Jamesbande, das sich drei Wochen zuvor gestellt hat – ein Kumpan Robert Fords. Ford ahnt, dass James seinen geplanten Verrat durchschaut, doch der gibt sich vertrauensvoll. Er nimmt gar seinen Revolvergurt ab und beginnt, ein an der Wand hängendes Bild vom Staub zu befreien. Zu viel Vertrauen: Robert Ford nutzt die vielleicht einzige Gelegenheit und schießt Jesse James eine Kugel in den Kopf.

Orientierung am Bericht von Robert Ford

All dies ist haarklein dem Bericht Robert Fords von 1882 entnommen. Ob der der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. Ford interpretierte James’ vertrauensvolles Verhalten nach eigenen Angaben so, dass James ihn offenbar in Sicherheit wiegen wollte, weil er ihn nicht vor den Augen seiner Familie töten wollte, sondern erst abends an anderem Orte. Brad Pitt fügt dieser Theorie in seiner Darstellung weitere Facetten hinzu: Sein Verhalten erscheint als ein Mix aus Vertrauen, Unglauben, Müdigkeit, Resignation – und vielleicht auch In-Sicherheit-Wiegen.

Gegen Ende des Films – nach James’ Tod – kommt es in einer Bar zu einer kurzen Konfrontation zwischen Robert Ford und einem Bänkelsänger. Dieser wird von keinem Geringeren als Nick Cave verkörpert. Er singt die bekannte Ballade „Jesse James“. Nick Cave zeichnet auch für die Originalmusik des Films verantwortlich.

Zurückhaltender Einbau der Filmmusik

Überhaupt Musik: Es ist schön, wenn ein Filmemacher den Soundtrack – sei es Score, seien es Songs – gezielt einsetzt und ihn nicht inflationär jeder Szene überstülpt. Ein Film wie „The Assassination of …“ benötigt ruhige Szenen ohne musikalische Untermalung, damit der Zuschauer sich auf Gesichter und Dialoge konzentrieren kann. Auch Spannungskurven können ohne Musik erzeugt werden, wenn man sein Handwerk versteht. Geschickte Konstruktion einer Szene und virtuose Kameraführung reichen oft aus – dafür bietet dieser Film etliche perfekte Beispiele. Wann immer Nick Caves Score dann doch einsetzt, harmoniert er prächtig mit den Bildern.

Der Film endet mit der Ermordung Robert Fords zehn Jahre später durch einen selbsternannten Rächer namens O’Kelly. Während es auf diese Sequenz hinauslief, fragte ich mich, was ich besser finden würde: wenn der Tod Fords gezeigt wird oder wenn eine Texttafel Robert Ford wurde am … (o. ä.) den Film beendet. Auch da macht Regisseur Dominik alles richtig, indem er einen Mittelweg wählt: Der Rächer richtet seine Flinte auf Ford, der dreht sich um – und der Abspann beginnt.

Ein Meisterwerk des Spätwesterns?

Ist „The Assassination of …“ ein Meisterwerk? Der Verfasser dieser Zeilen ist zwar selbstbewusst, was die qualitative Einordnung von Spielfilmen jenseits von Geschmacksfragen angeht, neigt aber zu der Ansicht, ein Film könne derart erst eingeordnet werden, wenn eine ganze Weile verstrichen ist, im Idealfall gar erst, nachdem es diverse weitere Genrebeiträge gegeben hat – was im Westerngenre dauern kann. Dennoch: Es ist sehr gut denkbar, dass das Attribut Meisterwerk auch in zehn Jahren Bestand hat.

Andrew Dominik inszenierte den Film nach seinem eigenen Drehbuch. Es war erst seine zweite Regiearbeit. 2000 hatte er mit dem biografischen Krimi-Drama „Chopper“ mit Eric Bana in der Titelrolle des notorischen australischen Kriminellen Mark Brandon „Chopper“ Read auf sich aufmerksam gemacht. Sein dritter Film „Killing Me Softly“ – erneut mit Brad Pitt – kam 2012 in die Kinos.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brad Pitt und/oder Jeremy Renner sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 29. Februar 2008 als Blu-ray und DVD (auch als Special-Edition-DVD im Digipack), 20. März 2008 als HD-DVD

Länge: 160 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
USA/KAN/GB 2007
Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik, nach dem Roman von Ron Hansen
Besetzung: Brad Pitt, Casey Affleck, Sam Rockwell, Mary-Louise Parker, Jeremy Renner, Sam Shepard
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2008 Warner Home Video

 
 

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