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Evil Dead – Von der Nagelpistole zur Kettensäge

16 Mai

Evil-Dead-Plakat

Kinostart: 16. Mai 2013

Von Volker Schönenberger

Horror // Noch ’n Remake eines Horrorfilms. Seit etwa zehn Jahren erfahren die Genreklassiker der 70er- und 80er-Jahre nach und nach ihre Neuverfilmung. Das führt bisweilen zu gelungenen Ergebnissen – etwa bei „Dawn of the Dead“ (2004); ab und zu greift der geneigte Zuschauer jedoch auch ins Klo – wie bei „The Fog – Nebel des Grauens“ von 2005. Das Remake des berüchtigten und in Deutschland nach wie vor nur übel verstümmelt erhältlichen „Tanz der Teufel“ (1981) von Sam Raimi gehört glücklicherweise zu der Sorte, die ohne Augenkrebsgefahr gesichtet werden kann. Zart besaiteten Gemütern sei allerdings abgeraten; speziell die zweite Hälfte von „Evil Dead“ ist ein Splatter-Exzess, der sich gewaschen hat. Sobald es ans Eingemachte geht, dürften schmerzverzerrte Gesichter auch unter den Zuschauern kein Einzelfall bleiben. Wenn einer der Protagonisten zu Beginn des Films mit einer Nagelpistole eine Türzarge repariert, weiß der Horror-Connaisseur: Dieses Gerät wird später anderweitig zum Einsatz kommen. Auch eine Kettensäge darf in einem „Tanz der Teufel“-Film selbstverständlich nicht fehlen.

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Man sollte drauf achten, aus welchem Buch man etwas vorliest

Mehr Hochglanz als beim Original

Gegenüber dem Original fallen die glattlackierten Bilder auf – ein generell bei den Horror-Remakes dieses Jahrtausends zu bemerkendes Phänomen. Das verwundert allerdings nicht, bewegten sich die Horrorfilmer der 70er- und 80er-Jahre mit ihren Mini-Budgets doch klar in der Schmuddelecke, während sich das Genre mittlerweile dem Mainstream genähert hat.

Gemeinhin begeben sich die jungen Protagonisten eines solchen Streifens in die Abgeschiedenheit einer Waldhütte, um dort dem Amüsement und der Libido zu frönen. In diesem Fall hat der Trip – anders als im Original – sogar einen ernsthaften Sinn: Die junge Mia (Jane Levy) will sich dort einem kalten Entzug unterwerfen, um endlich von ihrer Drogensucht loszukommen. Ein paar Freunde und der – logisch – entfremdete große Bruder David (Shiloh Fernandez) sollen sie moralisch und tatkräftig unterstützen. Doch dann findet die Gruppe im Keller der Hütte ein in Menschenhaut gebundenes und mit Menschenblut geschriebenes Buch: das Necronomicon – Buch des Todes. Eric (Lou Taylor Pucci) liest daraus nichts Böses ahnend ein paar fremdartige Beschwörungsformeln vor. Dumm gelaufen – damit entfesselt er einen Dämon. Bevor Kenner des Originals fragen: Ja, auch die berüchtigte Szene mit dem Mädchen im Wald erfährt ihre Umsetzung. Schön ist das nicht, dafür grimmig.

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Hab‘ dich nicht so – die Büsche wollen doch nur spielen

„Tanz der Teufel“ hat das Motiv der einsamen Waldhütte ins Genre gebracht und etliche Epigonen nach sich gezogen. Die Bedeutung von Raimis Original geht dem Remake zwangsläufig ab, doch es gelingt der Neuverfilmung, zahlreicher liebevoller Anspielungen zum Trotz als eigenständiger Film zu unterhalten. Humor ist Mangelware, zum Glück auch unfreiwilliger Humor, doch bei all dem Fun-Splatter, den das Horrorgenre hervorbringt, ist ironiefreies Grauen ab und zu eine Wohltat. Das beginnt mit einem Prolog, der sogleich in die Vollen geht, und setzt sich bis zum Abspann fort.

Mal wieder warten auf das Ende des Abspanns

Apropos Abspann: Im Anschluss folgt eine kurze Szene, die aber nur der Vollständigkeit halber erwähnt gehört. Sie ist nicht nur kurz, sondern sehr kurz, bringt inhaltlich keine zusätzlichen Erkenntnisse und deutet auch nicht auf eine Fortsetzung. Es handelt sich lediglich um eine Hommage ans Original. Wer ohnehin keine Abspänne schaut, darf vorher gehen, ohne etwas zu versäumen.

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Übertriebener Schlankheitswahn schwächt

Bleibt zu hoffen, dass sich bald jemand findet, der das Original bei uns erneut durch die Instanzen schickt, auf dass „Tanz der Teufel“ in Deutschland endlich in ungekürzter Pracht veröffentlicht werde. Bis es soweit ist, hilft im Zweifel der internationale Internethandel. Die Globalisierung muss auch Vorteile haben. Speziell das schicke Blu-ray-Steelbook aus Großbritannien sei Fans ans Herz gelegt. Anchor Bay hat in den USA und Großbritannien vor Jahren eine liebevolle DVD-Edition in der Aufmachung des „Book of the Dead“ aus dem Film veröffentlicht. Die allerdings ist im Handel vergriffen; wohl dem, der eine sein Eigen nennt (ätsch).

Veröffentlichung: 2. Oktober 2013 als Blu-ray und DVD

Altersfreigabe: FSK 18 (gekürzt, da mittlerweile indiziert)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
USA 2013
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues
Besetzung u. a.: Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci, Jessica Lucas, Elizabeth Blackmore
Verleih: Sony Pictures Releasing
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

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Wir kriegen euch alle!

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH / Sony Pictures Home Entertainment

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2013/05/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Evil Dead – Von der Nagelpistole zur Kettensäge

  1. scathach25

    2015/12/31 at 14:11

    Das Remake werde ich mir sicher auch noch anschauen 🙂 Aber erstmal das Original ^^

     
  2. lady grey

    2013/05/17 at 15:30

    Klingt nicht schlecht. Aber – schluck! – mir kleinem Angsthasen reicht schon der Trailer.

     

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