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Etwas seelenlos: Seelen

10 Jun

Seelen-Plakat

The Host

Kinostart: 13. Juni 2013

SF-Melodram // Vom Visionär zum Seifenoper-Fabrikanten in nur fünf Filmen? Andrew Niccol trat 1997 mit seiner bemerkenswerten Genetik-Dystopie „Gattaca“ in die Gilde der Regisseure ein. Ethan Hawke, Jude Law und Uma Thurman glänzten in dem eiskalten Zukunftsszenario nach Niccols eigenem Drehbuch. Danach bescherte der Neuseeländer den Kinogängern u. a. das Skript zu Peter Weirs grandiosem „Die Truman Show“ (1998) mit Jim Carrey sowie Drehbuch und Regie zum zynischen Waffenhändler-Drama „Lord of War – Händler des Todes“ mit Nicolas Cage. Nun also „Seelen“, Niccols fünfte Regiearbeit – die Verfilmung eines Romans von Stephenie Meyer.

Stephenie Meyer? Etwa die Stephenie Meyer, die weltweit Teenager – vornehmlich weibliche – mit ihren romantisch-seichten Vampirromanen nebst Verfilmungen der „Twilight – Biss …“-Reihe in Verzückung geraten lässt?

Genau die.

Immerhin hat Niccol auch zu „Seelen“ das Drehbuch geschrieben. Da wird er wohl etwas Biss (hihi) hineingeschrieben haben. Ganz so seicht wird’s schon nicht sein.

Hat er nicht (Biss hineingeschrieben). Ist es doch (seicht).

Ist „Seelen“ für den Regisseur eine Herzensangelegenheit oder eher eine Auftragsarbeit zum Geldverdienen? Niccol hat zum Film das eine oder andere Interview gegeben, doch wirklich beantworten lässt sich die Frage daraus nicht. Da ist er PR-Profi genug.

Aus dem eigenen Körper verdrängt

Ach ja – worum geht’s eigentlich in „Seelen“? Außerirdische Lebensformen haben sich in den Menschen eingenistet und deren Seelen verdrängt. Nur ein paar versprengte Grüppchen von Widerständlern sind bislang verschont worden und leben in ständiger Angst vor der Entdeckung. Eine von ihnen, die junge Melanie (Saoirse Ronan), wird geschnappt und erhält eine Außerirdische namens Wanderer eingepflanzt. Doch Melanies Seele wehrt sich – sie bleibt einfach in ihrem Körper und nervt Wanderer fortan mit ungebetenen Kommentaren im Kopf.

Die Masche zieht: Statt in Melanies Erinnerungen nach den Standorten der Widerständler zu forschen und diese an eine Alien-Agentin (Diane Kruger) zu verraten, tut sich Wanderer mit Melanie zusammen – in einem Körper ohnehin empfehlenswert. Die zwei in einer Brust tobenden Seelen fliehen und gelangen in die Widerständler-Kolonie von Melanies Onkel Jeb (William Hurt). Vorhang auf zur Science-Fiction-Seifenoper: Melanies schmucker Freund Jared (Max Irons) muss überzeugt werden, dass sich seine Freundin immer noch in ihrem Körper befindet, während der ebenso fesche Ian (Jake Abel) ein romantisches Interesse an Wanderer entwickelt. Hach ja.

Uninspirierte Science-Fiction für Mädchen

Zugegeben: Es ist unfair. Der Blogger gehört einfach nicht zur Zielgruppe – und fürchtet schon Schmäh-Kommentare 16-jähriger Zahnspangen-Trägerinnen, die „Twilight“-Star Robert Pattinson für einen guten Schauspieler halten und dem Film „Seelen“ in der Internet Movie Database x-tausendfach die Höchstwertung gegeben haben.

Der Film ist zweifellos routiniert inszeniert, fein, wenn auch glatt ausgestattet und mit einem gewissen Spannungsbogen versehen – Niccol kann’s ja. Aber er möge doch bitte bei seiner nächsten Regiearbeit die Routine ablegen und durch eine Vision ersetzen. Und er möge auf keinen Fall die Fortsetzungen inszenieren, so es denn welche geben wird. Stephenie Meyer hat verlauten lassen, gerade am nächsten Roman des „Seelen“-Universums zu arbeiten. Die US-Einspielergebnisse von „Seelen“ blieben zwar weit hinter den Erwartungen zurück, aber bei Hollywoods bekanntem Hang zu Reihen hat das nicht viel zu sagen. Wie auch immer – alle über 19-Jährigen können sich ja im Heimkino an „Gattaca“ erfreuen.

Andrew Niccol bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Gattaca (1997, geplant)
Die Truman Show (1998, Drehbuch von Niccol)
Lord of War – Händler des Todes (2005, geplant)
Seelen (2013)
Good Kill – Tod aus der Luft (2014)

Länge: 125 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Host
USA 2013
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol, nach dem Roman von Stephenie Meyer
Besetzung: Saoirse Ronan, Rachel Roberts, Shyaam Karra, Brent Wendell Williams, Diane Kruger, Max Irons
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Filmplakat & Trailer: © 2013 Concorde Filmverleih GmbH

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2013/06/10 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Etwas seelenlos: Seelen

  1. Otto

    2013/06/10 at 20:00

    gattaca fand ich prima, dass er jetzt mormonen literatur verfilmt…nun ja. da schau ich mir lieber nochmal einen anderen „the host“ an: den von bong joon-ho aus dem jahr 2006.
    dein blog find ich prima, volker, weiter so!

     

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