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Only God Forgives

15 Jul

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Only God Forgives

Kinostart: 18. Juli 2013

Von Volker Schönenberger

Thriller-Drama // Festivalpublikum kann grausam sein: In Cannes wurde Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ bei der ersten Vorführung ausgebuht, wenn auch eher von Filmkritikern als Kinogängern. So oder so – das hat der Film nicht verdient. Womöglich hat der eine oder andere Konsument eher ein „Drive 2“ erwartet. Doch einen Aufguss seines hochgelobten Dramas von 2011 wollte der Regisseur gerade nicht abliefern.

only-god-forgives_JPG-I35©TiberiusFilm

Julian (Ryan Gosling) bleibt jederzeit cool

Zugegeben – kontrovers ist der Film definitiv. Das beginnt schon beim bisweilen überaus langsamen Erzähltempo. In statischen Bildkompositionen bewegen sich die Figuren teils quälend gemächlich. Das bringt allerdings Zeit, die mal warm roten, mal kühl blauen Bildkompositionen auf sich wirken zu lassen. Auch die Gewalt bricht sich keineswegs in furioser Action Bahn, sondern eher pointiert und bedächtig. Das ist für den Zuschauer durchaus mal schmerzhaft anzuschauen, etwa wenn sich eine Folterszene recht lange zieht, obwohl es letztlich nur wenige Folter-Lektionen sind. Die eine oder andere Karaoke-Einlage befremdet westeuropäische Gemüter womöglich ebenfalls etwas.

Zur actionarmen Inszenierung passt Ryan Goslings ausdrucksloses Spiel vorzüglich. Der Hauptdarsteller aus „Drive“ und „The Place Beyond the Pines“ spielt Julian, der mit seinem Bruder Billy (Tom Burke) in Bangkok unter dem Deckmantel eines Kickbox-Clubs allerlei illegale Geschäfte abwickelt. Der Tod einer Prostituierten setzt eine Gewaltspirale in Gang, die nicht zuletzt von Julians und Billys aus den USA angereister Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) angeheizt wird. Auf der Gegenseite nimmt ein von der Polizei angesetzter pensionierter Lieutenant (Vithaya Pansringarm) das Gesetz in seine gnadenlose Hand und wird zum Racheengel.

Winding Refn wollte die Mystik des Lieutenants bewahren, weshalb dessen Name – Chang – nie genannt wird, obwohl während des Drehs anfangs Szenen vorgesehen waren, in denen das geschieht. Chang wird als quasi allmächtig inszeniert, dennoch sieht sich Julian gezwungen, ihn herauszufordern.

Es fällt schwer, den Film vorbehaltlos zu empfehlen oder gar vom Kinogang abzuraten. Wer „Only God Forgives“ ignoriert, weil das Werk von herkömmlichen Hollywood-Thrillern geprägten Sehgewohnheiten zuwiderläuft, dem entgeht ein visuell betörendes, stilles Drama mit zurückhaltend agierenden Schauspielern. Wer den Kinogang wagt, weil Winding Refns „Drive“ ebenfalls mit Gosling so toll war, wird womöglich enttäuscht werden. Wie auch immer – der Verfasser wäscht seine Hände in Unschuld.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Nicolas Winding Refn sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ryan Gosling in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 90 Min.
F/THAI/USA/SWE 2013
Originaltitel: Only God Forgives
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn
Besetzung: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, Tom Burke
Verleih: Tiberius Film

Copyright 2013 by Volker Schönenberger



Filmplakat, Foto & Trailer: © 2013 Tiberius Film

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