RSS

Pacific Rim (3D) – Meisterwerk oder Volksverdummung?

17 Jul

CONT_Artwork.indd

Pacific Rim

Kinostart: 18. Juli 2013

Von Volker Schönenberger

SF-Action // Dumm-Spektakel hat eine Kollegin den Film im Anschluss an die Pressevorführung genannt. Und auch wenn die Gemeinde der Kaiju-Fans entsetzt aufschreien und den Rezensenten und seine Kollegin bis ins Mark verdammen wird: Das Attribut kommt nicht von ungefähr. Eine annähernd intelligente Geschichte sucht man bei „Pacific Rim“ vergebens. Sorgfältige Charakterzeichnungen und ausgefeilte Beziehungskonstellationen werden gern mal vernachlässigt, wenn das Augenmerk auf Action liegt. So auch hier: Regisseur Guillermo del Toro hat in Zusammenarbeit mit Travis Beacham auch das Drehbuch geschrieben. Dabei geben hölzerne Schauspieler hölzerne Sätze von sich – das wirkt wie nach Schema F am Reißbrett konstruiert.

Schon gut, schon gut – das sind nicht unbedingt die Hauptkriterien, an denen man einen solchen Film messen muss. Wichtiger sind Action, Ideenreichtum, Spannung und Visualisierung. Guillermo del Toro ist seit der Kindheit ein Fan von Riesenmonstern, die sich seit „King Kong“ (1933) auf der Leinwand tummeln, speziell den japanischen Kaiju-Monstern Godzilla & Co. Mit „Pacific Rim“ wollte er jedoch keine Hommage abliefern, auch keinen „Transformers“-Epigonen, sondern etwas Eigenständiges schaffen. Das ist immerhin gelungen. Aus Versatzstücken der genannten Vorläufer, auch die Anime-Reihe „Neon Genesis Evangelion“ sei erwähnt, hat der Regisseur einen visuell atemraubenden Koloss von Blockbuster in die Welt gesetzt, dem im Erfolgsfall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Sequel folgen wird.

p-rim-5

Gigantisch, stark und böse: ein Kaiju

„Pacific Rim“ werden alle an den Pazifik angrenzenden Festlandsabschnitte genannt. Aus einem in der Tiefe des Ozeans gelegenen Dimensionenriss dringen Hochhaus-hohe Alien-Monstren auf die Erde, wo sie unvorstellbare Schneisen der Verwüstung schlagen. Zahllose Menschen sterben während der Angriffe der Kaijus genannten Kreaturen. Zu ihrer Abwehr konstruiert die Menschheit ebenso riesenhafte Kampfkolosse, sogenannte Jaeger, die mittels neuronaler Verbindungen gelenkt werden. Weil das für ein menschliches Gehirn zu viel Beanspruchung ist, müssen zwei Piloten gemeinsam agieren. Deren Gehirne sind mittels einer „Drift“ genannten Neuronenbrücke miteinander verbunden.

Der Vorspann des Films erläutert die ersten Attacken der Kaijus, ein daran anschließender Prolog zeigt einen ersten Kampf zwischen einem Kaiju und einem Jaeger. Jahre später hilft der Ex-Jaegerpilot Raleigh Becket (Charlie Hunnam) als Bauarbeiter dabei, riesige Schutzwälle zu errichten, die die Kaijus vom Festland fernhalten sollen. Dass das ein Irrglaube ist, stellt sich bald heraus. Das Jaeger-Programm allerdings steht vor dem Aus. Stacker Pentecost (Idris Elba), Marshall des Pan Pacific Defense Corps, holt Raleigh zurück ins Team, weigert sich aber vorerst, ihm die junge Mako Mori (Rinko Kikuchi) als Partnerin zuzuteilen, obwohl Raleighs und Makos Gehirne zur „Drift“ bestens zusammenpassen, die beiden quasi Seelenverwandte sind. Beide haben jedoch mit Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen.

Hauptdarsteller Charlie Hunnam wird hierzulande in erster Linie Kennern der TV-Serie „Sons of Anarchy“ bekannt sein. Idris Elba hat weit mehr Erfahrung, ist bei uns aber erst durch die Fernsehserie „Luther“ bekannt geworden. Bleibt Ron Perlman als prominentester Darsteller von „Pacific Rim“, seit „Hellboy“ mit einem Stein im Brett von Guillermo del Toro gesegnet. In seinen – zu wenigen – Szenen wirft Perlman sein etwas bizarres Charisma in die Waagschale und trägt scharfe Schuhe. Größeren Eindruck als er hinterlässt kein anderer Schauspieler des Films.

p-rim-1

Hat der Jaeger eine Chance?

Große Hollywood-Action wie diese ist vorzüglich geeignet, die Tricktechnik-Muskeln spielen zu lassen. Sahen schon in den „Transformers-Filmen“ die riesigen Titelfiguren bis hin zum im Metall blitzenden Sonnenlicht aus, als seien sie echt und nicht bloß computergeneriert, so setzen die visuellen Effekte von „Pacific Rim“ da noch einen drauf. Die Entwicklung von CGI (Computer-Generated Imagery) ist beeindruckend. Dennoch ist der optische Eindruck bei „Pacific Rim“ kein ungetrübter: Wenn Kaijus und Jaeger aufeinander losgehen, entfesselt das zwar eine bislang kaum gesehene Zerstörungsorgie; im Infight allerdings geraten die Auseinandersetzungen leider zu unübersichtlich, besonders bei Regen und im Dunkeln. Da ist die kindliche Begeisterung am Chaos mit del Toro und seinen Effektspezis ein wenig durchgegangen. Das geht auch zu Lasten der 3D-Effekte, die phasenweise sehr gut aussehen, denen aber in den vielen brachialen Sequenzen die Luft ausgeht. „Weniger ist mehr“ darf man bei einem solchen Film natürlich nicht fordern, da ist „over the top“ angesagt. Schon jetzt sei Besitzern von Fernsehern in Normalgröße aber für die Heimkino-Auswertung empfohlen, mit dem Kauf der Blu-ray auf ein 50-Zoll-Gerät oder einen Beamer umzusteigen.

Wenn Kaijus und Jaeger einander die Fresse polieren, bleibt kein Stein auf dem anderen. Den naiven Charme der japanischen Kaiju-Filme erreicht „Pacific Rim“ aber zu keinem Zeitpunkt. Der Rezensent räumt ein, dass die Meinungen über den Film im Netz durch die Decke gehen. Es hilft aber nichts – einem potenziellen Leser nach dem Mund zu schreiben, verwässert jede Rezension. Obendrein ist es ein bekanntes Phänomen, dass – ohnehin gemeinhin eher unkritische – Fanboys Filme aus ihrem Metier mit der Höchstwertung versehen, ohne sie gesehen zu haben, und im Anschluss von dieser Ansicht auch nicht mehr abrücken. Die Vielzahl der Zehn-Sterne-Wertungen in der Internet Movie Database noch vor dem US-Start deutet an, dass es bei „Pacific Rim“ nicht anders ist.

p-rim-7

Für ein halbseidenes Geschäft ist Hannibal Chau (Ron Perlman) immer zu haben

Kommen wir den Fans etwas entgegen: Wenn man einige der oben genannten Kritikpunkte ignoriert, kann man den Film durchaus toll finden. „Pacific Rim“ ist das Produkt eines Kindes im Manne. Guillermo del Toro hat sich damit einen lange gehegten Traum erfüllt, das Lob der Fans ist ihm gewiss und sei ihm gegönnt. Miesepeter wie den Blogger von „Die Nacht der lebenden Texte“ kann er getrost links liegen lassen. Der Film ist insofern mit Peter Jacksons „King Kong“ von 2005 vergleichbar (den der Blogger übrigens sehr mag), als der Riesenaffenfilm wie „Pacific Rim“ Ergebnis eines Herzenswunsches ist. Aber auch wenn das der eine oder andere Kaiju-Fan nicht lesen mag, so wird man schreiben dürfen, dass man sich vom Regisseur solch fantasievoller Perlen wie „Mimic“, „Hellboy“ und „Pans Labyrinth“ deutlich mehr Substanz erhofft hatte. Ohne diese Substanz mag der Film für die eine Seite gern ein Meisterwerk der SF-Action sein, für die andere Seite ist er aber am Ende doch nur ein – Dumm-Spektakel.

Länge: 132 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Pacific Rim
USA 2013
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Travis Beacham, Guillermo del Toro
Besetzung: Charlie Hunnam, Rinko Kikuchi, Idris Elba, Ron Perlman, Charlie Day, Burn Gorman, Rinko Kikuchi
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2013 by Volker Schönenberger



Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Warner Bros. Pictures Germany

Advertisements
 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2013/07/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , ,

Eine Antwort zu “Pacific Rim (3D) – Meisterwerk oder Volksverdummung?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: