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Wolverine – Weg des Kriegers: Kämpfer ohne Sinn?

23 Jul
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In einem Erdloch hält’s Wolverine nicht lange

Kinostart: 25. Juli 2013

Gastrezension von Anja Rohde

Fantasy-Action // Da kann man als Frau schon neidisch (und wuschig) werden: Um einen gestählten Supermutantenkörper zeigen zu können, lässt sich Hugh Jackman von Dwayne Johnson („Fast and Furious 6“) im Vorfeld zu den Dreharbeiten an „Wolverine – Weg des Kriegers“ persönliche Fitnesstipps geben und hält eine strenge Diät von 6000 Kalorien pro Tag ein. „Ich wollte, dass den Leuten im Kino beim Anblick Wolverines ein ,Wow!’ über die Lippen kommt“, beschreibt Jackman den Grund für seinen Workout.

„Wow!“ sagt die Kinogängerin. Aber nicht nur angesichts des knackigen Super-Hughs, sondern auch, weil Jackman als Produzent der Marvel-Verfilmung eine hochkarätige Crew um sich geschart hat, die aus dem Comicspektakel um Wolverine einen inhaltlich anspruchsvollen, wenn nicht gar philosophischen Stoff gestrickt und umgesetzt hat. Kein einfaches „Gut kämpft gegen Böse, das Gute gewinnt“ ist hier der Aufhänger, sondern der Blick auf die innere Zerrissenheit des Protagonisten, auf die Frage, ob Unsterblichkeit wirklich ein Segen ist und was man mit einer solchen Unverwundbarkeit im Leben so anfangen kann.

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Yukio ist eine begnadete Kämpferin

Logan (Jackman) befindet sich in diesem Sequel von „X-Men – Der letzte Widerstand“ auf einem Roadtrip durchs heutige Japan. Von Lord Yashida (Haruhiko Yamanouchi), einem Soldaten, dem er vor langer Zeit das Leben rettete und der nun ein alter Mann ist, bekommt er ein Angebot, das er ablehnen muss. Von diesem Zeitpunkt an ist Logan auf der Flucht vor Samurais, Yakuza und Mutanten. Außerdem muss er Shingens schöne Enkeltochter Mariko (Tao Okamoto) beschützen. Unterstützung erhält er von Yukio (Rila Fukushima), die mit ihrem Puppengesicht, dem Schmollmund und den Ringelstrümpfen am ehesten einem Actioncomic entsprungen zu sein scheint – sich aber als selbsternannter Bodyguard an Logans Seite wacker schlägt und ihn auf dem inneren Weg vom einsamen Wolf zum sozial verträglichen Wolverine begleitet.

So viele starke und unterschiedliche Frauenrollen wie hier sind in Actionfilmen nicht oft zu finden – in „Weg des Kriegers“ tragen sie maßgeblich zur Entwickung der Story bei, sind sich aber auch nicht zu schade, im Notfall das Schwert in beide Hände zu nehmen und Logan aus gefährlichen Situationen rauszukloppen.

Rila Fukushima und Tao Okamoto könnten unterschiedlicher nicht sein – die eine punkige Heldin mit schweren Stiefeln und knallroten Haaren, die andere zart, ungeschminkt, verletzlich und verzweifelt. Für die beiden Models ist es ihr jeweils erster Spielfilm – umso erstaunlicher, mit wieviel Glaubwürdigkeit sie ihre Rollen verkörpern. Famke Janssen, X-Men-Fans als Jean Grey in Erinnerung, ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Jean – oder die Erinnerung an sie – unterstützt charmant, schlau und liebevoll Logan auf seinem Selbstfindungstrip.

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Würden Sie diesem Herrn Ihre Tochter anvertrauen?

Einzig Mutantin Viper (Svetlana Khodchenkova) ist etwas schwach geraten. Ein durchgängig spöttisch-gemeiner Gesichtsausdruck und ein Kostüm, das im Verlauf des Filmes immer knapper und glänzender wird, reichen nicht, der Figur Größe zu verleihen. Ob das an Khodchenkovas schauspielerischen Fähigkeiten liegt oder daran, dass den Mutanten-Erfindern die Ideen für innovative Mutationen ausgehen, sei dahingestellt. Angesichts der ansonsten überragenden Besetzung ist das allerdings verschmerzbar.

In den männlichen Hauptrollen sind die nicht nur im asiatischen Raum bekannten Actionstars Hiroyuki Sanada („The Last Samurai“, „Rush Hour 3“), Will Yun Lee („Red Dawn“) und Haruhiko Yamanouchi („The Way Back“) zu sehen. Als Familienclan mit besten Kenntnissen in Martial Arts liefern sie den Hintergrund für die Mischung aus japanischer Tradition und neuzeitlicher Lebensführung.

Hierbei leistet auch das Ausstattungsteam großartige Arbeit: Vom traditionellen Tempeldesign bis zum modernen Hochgeschwindigkeitszug werden alle Register gezogen, die Japan im Bereich Kulisse zu bieten hat – dies obendrein mit viel Liebe zum Detail. Besonders fallen die verschiedenen Farbwelten auf, in denen sich der Film bewegt. In Tokio rennen die Verfolgten durch eine allein schon durch ihre quietschbunten Farben laute Daddelhalle, während sie im dörflichen Exil von gedeckten Naturfarben umgeben sind. Die Farbwelten setzen sich in den Kostümen der Protagonistinnen fort: Bodyguard Yukio trägt mutiges Rot-Schwarz, Mariko naives Blau, Jean visionäres Weiß.

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Logan flieht mit Mariko

James Mangold ist als Regisseur ein Glücksgriff. In „Cop Land“ zeigte er Sylvester Stallone („Shootout – Keine Gnade“) als wackeren Kleinstadt-Cop, „Identity“ überzeugte mit einem mysteriösen John Cusack, der ebenso sensible wie großartige „Walk the Line“ mit Joaquin Phoenix als Johnny Cash. Dass Mangold bislang noch nicht im Actiongenre aufgetreten ist, führt dazu, dass eine Comicverfilmung erstmals hoch philosophische Fragen aufwirft. Unsterblichkeit – der eine hadert damit und dem daraus resultierenden Sinn für sein Leben, der andere wäre gern unsterblich, um für immer Macht über Menschen und Geld zu besitzen. Unweigerlich muss sich auch der Kinogänger mit dieser Frage beschäftigen, bekommt er doch die Vor- und Nachteile durch eindringliches Schauspiel und gute Regiekniffe besser vorgelebt als dies bisher in Vampirfilmen oder Mysterythrillern der Fall war.

Trotzdem kommen die Actionsequenzen nicht zu kurz – sonst hätte Jackman ja auch nicht so hart trainieren müssen. Hervorragend choreografierte Martial-Arts-Szenen, die größenteils von den Schauspielerinnen und Schauspielern persönlich ausgeführt wurden, einige spektakuläre Kämpfe (für immer in Erinnerung bleiben wird das Mann-gegen-Mann-Duell auf dem Dach eines Hochgeschwindigkeitszugs) und der überdimensionale Kampfroboter „Silver Samurai“ sorgen dafür, dass „Wolverine“ trotz aller Nachdenklichkeit ein Actionfilm bleibt. Apropos: Der „Silver Samurai“ ist mitnichten im Computer entstanden, sondern für den Dreh tatsächlich konstruiert worden.

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Viper – giftig und bösartig

„Wolverine – Weg des Kriegers“ erscheint in 3D, was angesichts der sowieso hervorragenden Bildqualität verzichtbar gewesen wäre. Für den Kinobesuch ist angeraten, sich etwas Zeit für den Abspann zu nehmen: Eine nicht ganz unwichtige Szene schiebt sich dazwischen – für Abspannverschmäher zum Glück nicht erst ganz am Ende.

Ein Ronin ist ein „Samurai without a master“, ein Krieger ohne Auftraggeber, ein Kämpfer ohne Sinn. Dass Logan im Verlauf des Films am Sinn des Lebens erst verzweifelt, dann feilt und am Ende weiß, was zu tun ist, ist glaubwürdig, realistisch und rasant erzählt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Hugh Jackman sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 125 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Wolverine
USA 2013
Regie: James Mangold
Drehbuch: Mark Bomback, Scott Frank, Christopher McQuarrie
Besetzung: Hugh Jackman, Rila Fukushima, Tao Okamoto, Will Yun Lee, Svetlana Khodchenkova, Hiroyuki Sanada, Haruhiko Yamanouchi, Famke Janssen, Brian Tee
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2013 by Anja Rohde


Fotos & Trailer: © 2013 Twentieth Century Fox

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