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Archiv für den Monat Juli 2013

Von Hamburg nach Nashville ist nur ein Katzensprung – Jerzee produziert neues Album

Es ist nur Rock ’n’ Roll, aber es fühlt sich wie Liebe an. „It’s only Rock ’n’ Roll but It Feels Like Love“ – so lautet der Titel eines Songs von Jerzee aus Hamburg, so lautet der Titel ihres neuen Albums, das die Hamburger Sängerin im Oktober veröffentlichen will. Dabei bedient sie sich der Methode des Crowdfunding – eine Online-Kampagne soll die letzte Finanzierungslücke schließen. Diese Kampagne erläutern wir an anderer Stelle.

Für das Album gelang es Jerzee, mit Jeff Silverman einen renommierten Produzenten ins Boot zu holen, der das Album derzeit in Nashville/Tennessee abmischt. Silverman hat den US-Rockstar Rick Springfield produziert und u. a. mit Boyz II Men, Paula Abdul, Prince, Richard Marx und Barbara Streisand zusammengearbeitet. Er glaubt fest an Jerzee und ihre Vision: „Mit ihr kann man nicht nur wunderbar zusammenarbeiten, sie ist obendrein eine sehr talentierte Künstlerin.“ Er sei fest davon überzeugt, dass sie internationale Aufmerksamkeit erhalten könne und prognostiziert ihrer Karriere einen tollen Schub.

Lady Gaga als Inspiration

Zuspruch erhielt Jerzee obendrein von der exzentrischen Künstlerin Lady Gaga, neben Bruce Springsteen eins ihrer großen Idole. Vor einiger Zeit hatte die Hamburgerin Gelegenheit, sich mit Lady Gaga zu unterhalten: „Sie hat mich eindringlich gebeten, mir meine Liebe zur Musik nicht vom Geschäft kaputt machen zu lassen.“

Jerzees Debüt „It’s Me“ stammt von 2008, ein Jahr später gab’s die EP „Face II Face“, vor wenigen Monaten mit „Jerzee and Dad Unplugged“ eine weitere EP, auf der die in Friedland in Mecklenburg-Vorpommern geborene Hamburger Sängerin tatsächlich mit ihrem Vater zu hören ist. Wir haben Jerzee ein paar Fragen gestellt:

In deinen Konzerten erzählst du vor dem Song „It’s Me“ gern, was er bedeutet: dass du dein Ding machst und keine Besserwisser brauchst. Kannst du das etwas erläutern?

Wie Herr Springsteen zu sagen pflegt: Songs und ihre Bedeutung verändern sich mit der Zeit. Am Anfang muss man sich erst entwickeln, stark werden und seinen Weg finden. Es gibt immer Menschen, die einen lenken wollen oder gleich runtermachen. So war’s, als ich den Song geschrieben habe. Mittlerweile habe ich in dem Geschäft schon so viel erlebt, dass mich der Song daran erinnert, mir treu zu bleiben und auf meine innere Stimme zu hören. Hätte ich das immer getan, wir hätten viel Geld und Energie gespart. Tief im Innern weiß man vieles genau – und doch lässt man sich oft vom Weg abbringen. Das habe ich im vergangenen Jahr mit einigen Produzenten erlebt. In der Hoffnung auf Erfolg bin ich etwas von meinem Weg abgerückt und Kompromisse eingegangen. Aber das passt nicht zu mir und meiner Musik.

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Jerzee rockt

Im vergangenen Jahr bist du voller Enthusiasmus nach Australien aufgebrochen und hast dort diverse Songs aufgenommen. Was ist daraus geworden?

Leider nichts. Falsche Versprechungen und Egomanen überall. In diesem Geschäft hat man mit vielen Egos zu tun. Du kannst Glück haben und gleich Leute treffen, die an dich glauben und dir helfen, du kannst aber auch Leute treffen, die alles über sich behaupten, aber nix auf die Reihe kriegen – Schnacker halt. Trotzdem habe ich down under viel gelernt: über mich, übers Geschäft, über Studioarbeit und darüber, was es heißt, auf sein Herz zu hören.

Habt Ihr die in Australien aufgenommenen Songs hier in Deutschland neu eingespielt?

Wir haben alles noch einmal gemacht, sonst würde irgendjemand am Ende nachträglich Ansprüche stellen. Die kommen immer alle aus ihren Löchern, wenn sie was riechen. Wir waren Anfang Juni hier in Hamburg im „48 Volt Studio“ und haben mit Philipp Salm aufgenommen. Ein Genie und toller Mensch! Einige Tonpuren sind in Nashville entstanden.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Jeff Silverman?

Über Umwege. Für die in Australien aufgenommenen Songs habe ich eine Plattenfirma in den USA gefunden, mit denen hat Jeff zusammengearbeitet. Wir haben uns sofort gut verstanden. Mit den anderen hat es nicht so geklappt und ich habe mich zusammen mit meinem Management entschieden, wieder alles allein zu machen. Nur Jeff ist geblieben, nun arbeiten wir zusammen. Wir sind einfach auf einer Wellenlänge.

Was können wir vom neuen Album stilistisch erwarten? Sind den Fans außer dem Titelsong „It’s only Rock ’n’ Roll But It Feels Like Love“ auch andere Songs bereits bekannt?

Wir haben alles neu aufgenommen. Auch „It’s only Rock and Roll …“, der klingt jetzt auch wie Rock ’n’ Roll. Klar – live spiele ich einige Songs schon lange. Aber sie werden auch hier in neuem Gewand auftauchen: Es wird wieder erdiger. Nachdem die letzte Single sehr poppig war, kommt jetzt der Mix aus Pop mit viel mehr Rock und Folk – aber sehr modern gehalten. Ich liebe Popmusik, ich liebe Lady Gaga, aber ich mag es in meiner Musik authentisch und versuche, einen guten Weg zu finden, das zu verbinden. Jeff versteht das sehr gut.

Welche Musiker werden außer dir auf dem Album zu hören sein?

Die Band ist sozusagen eine deutsch-amerikanische Kooperation mit etwas Nostalgie. Musiker wie Tobias Galitzien, Jochen Fels und Henrik Decker gehören seit den Anfangstagen zu meiner Besetzung. Alex Notch ist als großartiger Drummer seit etwa anderthalb Jahren dabei und gehört auch live zur Kernbesetzung. Fabian Lange und Andreas Schlesinger gehören zu den Musikern, die immer wieder gern für Jerzee arbeiten. Tyler Reese ist ein großes Talent an der Gitarre. Er kommt aus Fredericksburg/Virgina. Tyler spielt unter anderem für ein ebenso junges amerikanische Rocktalent: Dustin Walker (supported by Rick Springfield). Dave Flint ist ein einzigartiger Akustikgitarrist aus Nashville/Tennessee und Tim Lorsch ist als Violonist und Cellist für Musiker wie Kris Kristofferson, Kenny Chesney, Keith Urban, Percy Sledge, Lucinda Williams ebenso wie Jeff Silverman eine amerikanische Größe.

Bruce Springsteen als Einfluss ist klar. Von welchen Künstlern holst du dir weitere Inspirationen? Was ziehst du dir von ihnen?

Die Frage ist sooo schwer. Ich mag ja so viel. Ich mag alles, was mein Herz berührt. Springsteen – klar. Der wird immer meine große musikalische Liebe bleiben. Er ist einfach grandios, und dass er mich jedes Mal erkennt, freut mich natürlich immer sehr (Jerzee besucht viele Springsteen-Konzerte und steht dort vorzugsweise in der ersten Reihe, Anm. des Bloggers). Der Mann hat Charme. Aber Lady Gaga liebe ich genauso. Es ist gar nicht mal ihre Musik, es ist sie und es ist die Message, die sie rüberbringt: die Kraft und Motivation, der Mut und das Glück, die Energie, die sie ausstrahlt. Als ich sie backstage treffen durfte, hat sich all das bestätigt, was ich empfunden habe. Darüber hinaus natürlich The Gaslight Anthem, Beth Hart, Lissie, Rammstein, REM, Katy Perry, P!nk, Casper, Jessie J, Alter Bridge, KT Tunstall, Jennifer Rostock und so viele mehr.

Ich nehme mir auf den Konzerten und von den Songs die Magie – das, was eben nur Musik kann. Sie kann trösten, helfen, dich glücklich machen. Es gibt für jede Lebenslage Musik. Wenn in einem Konzert das Licht ausgeht und eins meiner Idole auf die Bühne kommt, ist alles vergessen – wie kurze Ferien. Manchmal renne ich wochenlang mit einem Grinsen herum. Es ist nur Rock ’n’ Roll, aber es fühlt sich wie Liebe an.

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Selbstinszenierung gehört dazu

Man kennt dich als exzessive Konzertgängerin. Dass etliche, auch persönliche Begegnungen mit dem Boss dir viel bedeuten, ist kein Geheimnis. Welche Konzertbesuche anderer Künstler haben dich nachhaltig beeindruckt? Womit?

Oh ja – da gab’s ein richtiges Erwachen: Rammstein 2009 in Hamburg. Ich hätte vorher mit meinem Blut unterschrieben, dass ich das furchtbar finde, aber es kam ganz anders. Ich bekam die Karte geschenkt, bin zufällig in die erste Reihe gerutscht und habe den ultimativen Flash erlebt. Sowas hatte ich noch nie gesehen und diese Erfahrung hat meinen Horizont erweitert. Seitdem bin ich viel offener geworden und schaue mir Sachen erst an, bevor ich meckere. Zu allem Überfluss wurde ich auch noch in den Backstage-Bereich eingeladen und habe bis vier Uhr morgens mit Rammstein getrunken und getanzt. Wahnsinn war das. Seitdem gehe ich so oft wie möglich zu ihnen. Aber auch sonst nehme ich so viele Konzerte mit, wie ich finanziell und zeitlich nur schaffe.

Wenn man sich ein wenig mit dir und deiner Musik beschäftigt, bemerkt man sehr schnell, dass dich dein Ehemann Heiko sehr unterstützt. Er ist auch in deinem Management, nicht wahr? Wie steht er zu dem großen Engagement, das du für deine musikalische Laufbahn zeigst?

Heiko zeigt meist mehr Engagement als ich. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er davon genauso träumt wie ich. Es ist unser gemeinsamer Traum geworden. Er macht das Management, die Homepage, Verhandlungen – alles eigentlich. Heiko schreibt Songtexte, zum Beispiel für „For a Little While“ und „Far Away“. Er kennt mich halt genau, deshalb kann er in meinem Sinne Texte schreiben. Manchmal fällt es ihm schwer, Jerzee von Bianca zu trennen. Eigentlich geht es immer darum, auch privat, wir arbeiten eigentlich ständig daran. Das ist gerade unser Leben.

Eine Laufbahn als Sängerin ohne den Rückhalt der Musikindustrie in Gestalt der großen Konzerne ist zwangsläufig mit Rückschlägen verbunden. Aber Jerzee gibt sich kämpferisch: „Ich habe mich oft gefragt: Wenn ich alles, was ich heute weiß, vorher gewusst hätte, hätte ich mich trotzdem auf diesen Weg begeben? Die Antwort ist ja! Die Antwort ist ,It’s only Rock ’n’ Roll but It Feels Like Love.’“ Freuen wir uns auf ein kämpferisches Album voller Hingabe.

Jerzees Band:

Drums, Percussion: Alex Notch
Guitar: Andreas Schlesinger
Keyboard („Run und Give Me Love“): Henrik Decker
Bass („Run und Give Me Love“): Jochen Fels
Bass: Fabian Lange
Piano: Tobias Galitzien
Additional Keyboards: Jeff Silverman
Lead Guitar (nur „It’s Only Rock ’n’ Roll But It Feels Like Love“): Tyler Reese
Acoustic Guitar: Dave Flint
Cello, Strings: Tim Lorsch

Jerzees Crowdfunding-Kampagne findet sich auch hier. Zum Kennenlernen ihrer Musik eignet sich ihr YouTube-Kanal vorzüglich.

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Video: © Heiko Gentsch / Frank Radtke
Fotos: © Frank Radtke

 
 

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Hangover für Arme: 21 & Over

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Kinostart: 25. Juli 2013

Von Volker Schönenberger

Komödie // Kaum haben wir erleichtert wahrgenommen, dass die „Hangover“-Reihe Geschichte ist, kommt „21 & Over“. Jon Lucas und Scott Moore, Drehbuchautoren des ersten „Hangover“-Films, bescheren uns in ihrer ersten Regiearbeit eine minimale Variation des Themas: Diesmal läuft kein Junggesellenabschied aus dem Ruder, sondern ein 21. Geburtstag.

Jeff Chang (Justin Chong) muss am nächsten Tag ein eminent wichtiges Vorstellungsgespräch zur Aufnahme seines Medizinstudiums absolvieren. Dennoch lässt er sich von seinen alten Highschool-Buddys Miller (Miles Teller) und Casey (Skylar Astin) zu einem einzigen Bier überreden. Muss erwähnt werden, dass es nicht bei einem Bier bleibt? Jeff wird ja nur einmal 21. Vom leichten Schwips zu Vollsuff und Totalabsturz ist es nur ein kurzer Weg. Bald sehen selbst Miller und Casey ein, dass sie Jeff heim bringen müssen. Dumm nur, dass sie nicht mehr wissen, wo das ist. Obendrein hat sich das Trio im Lauf des Abends einige Feinde gemacht, die ihnen auf den Fersen sind – nicht zuletzt Jeffs strenger Vater Dr. Chang (François Chau).

Körperflüssigkeiten, Schlägereien, ein mit einem Teddybär am Gemächt dekorierter Betrunkener – was bleibt noch hängen? Nicht mehr viel, und selbst diese wenigen Details werden in Kürze zu Recht der Vergessenheit anheimfallen. In den „Hangover“-Filmen gab’s wenigstens etwas zum Lachen. Vielleicht kann man sich den Streifen mit 21 und mehr Bier schöntrinken. Aber ob das den Selbstversuch wert ist?

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
USA 2013
Regie: Jon Lucas, Scott Moore
Drehbuch: Jon Lucas, Scott Moore
Besetzung: Miles Teller, Skylar Astin, Justin Chon, Sarah Wright, François Chau
Verleih: Falcom / 24 Bilder

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Trailer: © 2013 Falcom / 24 Bilder

 

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Wolverine – Weg des Kriegers: Kämpfer ohne Sinn?

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In einem Erdloch hält’s Wolverine nicht lange

The Wolverine

Kinostart: 25. Juli 2013

Von Anja Rohde

Fantasy-Action // Da kann man als Frau schon neidisch (und wuschig) werden: Um einen gestählten Supermutantenkörper zeigen zu können, lässt sich Hugh Jackman von Dwayne Johnson („Fast and Furious 6“) im Vorfeld zu den Dreharbeiten an „Wolverine – Weg des Kriegers“ persönliche Fitnesstipps geben und hält eine strenge Diät von 6000 Kalorien pro Tag ein. „Ich wollte, dass den Leuten im Kino beim Anblick Wolverines ein ,Wow!’ über die Lippen kommt“, beschreibt Jackman den Grund für seinen Workout.

„Wow!“ sagt die Kinogängerin. Aber nicht nur angesichts des knackigen Super-Hughs, sondern auch, weil Jackman als Produzent der Marvel-Verfilmung eine hochkarätige Crew um sich geschart hat, die aus dem Comicspektakel um Wolverine einen inhaltlich anspruchsvollen, wenn nicht gar philosophischen Stoff gestrickt und umgesetzt hat. Kein einfaches „Gut kämpft gegen Böse, das Gute gewinnt“ ist hier der Aufhänger, sondern der Blick auf die innere Zerrissenheit des Protagonisten, auf die Frage, ob Unsterblichkeit wirklich ein Segen ist und was man mit einer solchen Unverwundbarkeit im Leben so anfangen kann.

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Yukio ist eine begnadete Kämpferin

Logan (Jackman) befindet sich in diesem Sequel von „X-Men – Der letzte Widerstand“ auf einem Roadtrip durchs heutige Japan. Von Lord Yashida (Haruhiko Yamanouchi), einem Soldaten, dem er vor langer Zeit das Leben rettete und der nun ein alter Mann ist, bekommt er ein Angebot, das er ablehnen muss. Von diesem Zeitpunkt an ist Logan auf der Flucht vor Samurais, Yakuza und Mutanten. Außerdem muss er Shingens schöne Enkeltochter Mariko (Tao Okamoto) beschützen. Unterstützung erhält er von Yukio (Rila Fukushima), die mit ihrem Puppengesicht, dem Schmollmund und den Ringelstrümpfen am ehesten einem Actioncomic entsprungen zu sein scheint – sich aber als selbsternannter Bodyguard an Logans Seite wacker schlägt und ihn auf dem inneren Weg vom einsamen Wolf zum sozial verträglichen Wolverine begleitet.

So viele starke und unterschiedliche Frauenrollen wie hier sind in Actionfilmen nicht oft zu finden – in „Weg des Kriegers“ tragen sie maßgeblich zur Entwickung der Story bei, sind sich aber auch nicht zu schade, im Notfall das Schwert in beide Hände zu nehmen und Logan aus gefährlichen Situationen rauszukloppen.

Rila Fukushima und Tao Okamoto könnten unterschiedlicher nicht sein – die eine punkige Heldin mit schweren Stiefeln und knallroten Haaren, die andere zart, ungeschminkt, verletzlich und verzweifelt. Für die beiden Models ist es ihr jeweils erster Spielfilm – umso erstaunlicher, mit wieviel Glaubwürdigkeit sie ihre Rollen verkörpern. Famke Janssen, X-Men-Fans als Jean Grey in Erinnerung, ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Jean – oder die Erinnerung an sie – unterstützt charmant, schlau und liebevoll Logan auf seinem Selbstfindungstrip.

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Würden Sie diesem Herrn Ihre Tochter anvertrauen?

Einzig Mutantin Viper (Svetlana Khodchenkova) ist etwas schwach geraten. Ein durchgängig spöttisch-gemeiner Gesichtsausdruck und ein Kostüm, das im Verlauf des Filmes immer knapper und glänzender wird, reichen nicht, der Figur Größe zu verleihen. Ob das an Khodchenkovas schauspielerischen Fähigkeiten liegt oder daran, dass den Mutanten-Erfindern die Ideen für innovative Mutationen ausgehen, sei dahingestellt. Angesichts der ansonsten überragenden Besetzung ist das allerdings verschmerzbar.

In den männlichen Hauptrollen sind die nicht nur im asiatischen Raum bekannten Actionstars Hiroyuki Sanada („The Last Samurai“, „Rush Hour 3“), Will Yun Lee („Red Dawn“) und Haruhiko Yamanouchi („The Way Back“) zu sehen. Als Familienclan mit besten Kenntnissen in Martial Arts liefern sie den Hintergrund für die Mischung aus japanischer Tradition und neuzeitlicher Lebensführung.

Hierbei leistet auch das Ausstattungsteam großartige Arbeit: Vom traditionellen Tempeldesign bis zum modernen Hochgeschwindigkeitszug werden alle Register gezogen, die Japan im Bereich Kulisse zu bieten hat – dies obendrein mit viel Liebe zum Detail. Besonders fallen die verschiedenen Farbwelten auf, in denen sich der Film bewegt. In Tokio rennen die Verfolgten durch eine allein schon durch ihre quietschbunten Farben laute Daddelhalle, während sie im dörflichen Exil von gedeckten Naturfarben umgeben sind. Die Farbwelten setzen sich in den Kostümen der Protagonistinnen fort: Bodyguard Yukio trägt mutiges Rot-Schwarz, Mariko naives Blau, Jean visionäres Weiß.

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Logan flieht mit Mariko

James Mangold ist als Regisseur ein Glücksgriff. In „Cop Land“ zeigte er Sylvester Stallone als wackeren Kleinstadt-Cop, „Identity“ überzeugte mit einem mysteriösen John Cusack, der ebenso sensible wie großartige „Walk the Line“ mit Joaquin Phoenix als Johnny Cash. Dass Mangold bislang noch nicht im Actiongenre aufgetreten ist, führt dazu, dass eine Comicverfilmung erstmals hoch philosophische Fragen aufwirft. Unsterblichkeit – der eine hadert damit und dem daraus resultierenden Sinn für sein Leben, der andere wäre gern unsterblich, um für immer Macht über Menschen und Geld zu besitzen. Unweigerlich muss sich auch der Kinogänger mit dieser Frage beschäftigen, bekommt er doch die Vor- und Nachteile durch eindringliches Schauspiel und gute Regiekniffe besser vorgelebt als dies bisher in Vampirfilmen oder Mysterythrillern der Fall war.

Trotzdem kommen die Actionsequenzen nicht zu kurz – sonst hätte Jackman ja auch nicht so hart trainieren müssen. Hervorragend choreografierte Martial-Arts-Szenen, die größenteils von den Schauspielerinnen und Schauspielern persönlich ausgeführt wurden, einige spektakuläre Kämpfe (für immer in Erinnerung bleiben wird das Mann-gegen-Mann-Duell auf dem Dach eines Hochgeschwindigkeitszugs) und der überdimensionale Kampfroboter „Silver Samurai“ sorgen dafür, dass „Wolverine“ trotz aller Nachdenklichkeit ein Actionfilm bleibt. Apropos: Der „Silver Samurai“ ist mitnichten im Computer entstanden, sondern für den Dreh tatsächlich konstruiert worden.

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Viper – giftig und bösartig

„Wolverine – Weg des Kriegers“ erscheint in 3D, was angesichts der sowieso hervorragenden Bildqualität verzichtbar gewesen wäre. Für den Kinobesuch ist angeraten, sich etwas Zeit für den Abspann zu nehmen: Eine nicht ganz unwichtige Szene schiebt sich dazwischen – für Abspannverschmäher zum Glück nicht erst ganz am Ende.

Ein Ronin ist ein „Samurai without a master“, ein Krieger ohne Auftraggeber, ein Kämpfer ohne Sinn. Dass Logan im Verlauf des Films am Sinn des Lebens erst verzweifelt, dann feilt und am Ende weiß, was zu tun ist, ist glaubwürdig, realistisch und rasant erzählt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Hugh Jackman und Patrick Stewart sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Länge: 125 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Wolverine
USA 2013
Regie: James Mangold
Drehbuch: Mark Bomback, Scott Frank, Christopher McQuarrie
Besetzung: Hugh Jackman, Rila Fukushima, Tao Okamoto, Will Yun Lee, Svetlana Khodchenkova, Hiroyuki Sanada, Haruhiko Yamanouchi, Famke Janssen, Brian Tee, Patrick Stewart
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2013 by Anja Rohde


Fotos & Trailer: © 2013 Twentieth Century Fox

 

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