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Trance – Gefährliche Erinnerung: Ein Trip ins Gehirn

07 Aug

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Trance

Kinostart: 8. August 2013

Von Florian Schneider

Thriller // Es gibt viele Möglichkeiten, über das Medium Film eine Geschichte zu transportieren. Die konventionelle, klassische Art, die den Betrachter mit einem meist linearen Handlungsverlauf und einer realen Bilderwelt der Handlung folgen lässt. Das Kino der Moderne, bei dem die linearen Handlungsstrukturen aufgelöst werden und die Bilderwelten ihre Eindeutigkeit verlieren. Die Postmoderne, die auf spielerische Art und Weise den klassischen Film mit der Moderne versöhnt. Und es gibt den Autorenfilm, bei dem es einem Regisseur gelingt, jedem seiner Filme eine Unverwechselbarkeit zu verleihen, sei es durch eine eigene Bildsprache (Hitchcock, Kubrick), eine eigene Farbwelt (Michael Mann) oder eine bestimmte Montagetechnik (Eisenstein, Fritz Lang).

Danny Boyle ist ein moderner Autorenfilmer, ebenso wie Quentin Tarantino und Christopher Nolan. Er kümmert sich nicht um Konventionen, interessiert sich nicht für genreimmanentes Schubladendenken, sondern entführt seine Zuschauer in das Boylesche Filmuniversum. Dort verschwinden die sichtbaren Grenzen zwischen Innen- und Außenwelten, überlagern sich Realität und Fantasie, drehen verschiedene Handlungsstränge Schleifen, sind ineinander verwoben oder laufen ins Nichts. Es ist ein virtuelles Labyrinth, in das der Betrachter entführt wird und in dem er oft orientierungslos herumirrt – man kennt das von Nolans „Inception“ (2010) und von Gilliams „Brazil“ (1985). Es ist eine hohe Kunst, den Betrachter rechtzeitig und überhaupt von seiner Orientierungslosigkeit zu befreien (in der Postmoderne spricht man von labyrinthischer Klarheit), bevor der Frust das Vergnügen tötet und das Werk sinnentleert zurückbleibt. Boyle beherrscht diese Kunst, weshalb „Trance“ ein großartiger Film geworden ist.

Welch eine Perfidie, dass alles wie ein klassischer Heist-Movie beginnt: Der Auktionator Simon (James McAvoy) macht mit dem Gangster Franck (Vincent Cassel) gemeinsame Sache, um ein wertvolles Gemälde in Besitz zu bringen. Durch einen Schlag auf den Kopf erleidet Simon eine Amnesie, weshalb der Aufenthaltsort des Bildes unbekannt ist. Franck beauftragt deshalb die Hypnosetherapeutin Elizabeth (Rosario Dawson), sich in Simons Erinnerung auf die Suche zu machen.

Dies ist der Moment, an dem der Betrachter das Labyrinth betritt, und es wird bis zum Ende des Filmes dauern, bis er Klarheit und damit Erlösung erlangt. Großes Kino!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Danny Boyle sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit James McAvoy in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Trance
GB 2013
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Joe Ahearne, John Hodge
Besetzung: James McAvoy, Vincent Cassel, Rosario Dawson
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2013 by Florian Schneider

Plakat & Trailer: © 2013 Twentieth Century Fox

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2013/08/07 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Trance – Gefährliche Erinnerung: Ein Trip ins Gehirn

  1. Gregor

    2013/08/09 at 13:51

    Das mit dem virtuellen Labyrinth dauert leider nur paar Minuten, wenn überhaupt.
    Der Schocker war ja, dass der Typ mit halbem Gesicht noch was gesagt hat.
    Ansonsten fand ich ihn schon zu lang, was ein Zeichen ist, dass er langweilig wurde.

    Liebe Grüße, Gregor

     

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