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Elysium – Film des Jahres

13 Aug

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Kinostart: 15. August 2013

SF-Action // Bisweilen geschieht es, dass man im Kinosaal sitzt und ein paar Minuten nach Filmstart merkt: Jou, der wird gut. Eine Weile später registriert man ebenso wohlwollend, dass sich diese These bestätigt. So weit, so gut. Schon etwas seltener – zumal in den vergangenen Jahren – passiert es dann, dass etwa nach zwei Dritteln des Films, ein Gedanke aufkommt: Holla ho – der ist ja sogar richtig gut. Dieser Gedanke wird nach wenigen Minuten womöglich durch einen anderen verdrängt: Alter Schwede – hier sehe ich gerade etwas ganz Besonderes. Wenn dann noch das Finale dieses Niveau hält, verlässt man den Kinosaal anschließend ungläubig den Kopf schüttelnd.

Exakt so ist es dem Blogger bei der Pressevorführung von „Elysium“ ergangen. Dass ein guter Film zu erwarten gewesen war – keine Frage. Neill Blomkamps herausragendes Kino-Regiedebüt „District 9“ (2009) hatte das Talent des in Kanada lebenden Südafrikaners schon mehr als aufblitzen lassen. „Elysium“ nun ist schlicht eine Offenbarung.

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Ministerin Delacourt geht über Leichen

Wir schreiben das Jahr 2154. Die überbevölkerte und übel verschmutzte Erde ist kein angenehmer Ort, daher haben sich die Herrschenden und Reichen auf eine Raumstation mit eigener Atmosphäre und überbordendem Luxus zurückgezogen: Elysium, von der Erde aus sichtbar. Der medizinische Fortschritt hat nahezu Perfektion erreicht: Schwerste Krankheiten und Gebrechen sind innerhalb von Minuten heilbar – auf speziellen Medi-Betten, die in jeder Villa auf Elysium bereitstehen. Derlei Errungenschaften gibt’s auf der Erde selbstverständlich nicht. Dass die Raumstation vor unerwünschten Besuchern von unten sicher ist, dafür sorgt mit eiserner Hand die eiskalte Verteidigungsministerin Delacourt (Jodie Foster), die ihre Machtfülle obendrein insgeheim ausbauen will. Dabei helfen soll ihr John Carlyle (William Fichtner, „Lone Ranger“), Konzernchef der Armadyne Corporation, die Elysium erbaut hat.

Der vorbestrafte und unter Bewährung stehende Max (Matt Damon) aus Los Angeles erleidet eines Tages einen schweren Arbeitsunfall – er wird verstrahlt. Prognose: Tod in fünf Tagen. Auf Elysium könnte er geheilt werden, aber dieses Privileg enthält man ihm vor. Stattdessen wird er gefeuert. So versucht Max, die Raumstation illegal zu erreichen. Dabei gerät er an den von Delacourt eingesetzten Agenten Kruger (Sharlto Copley), einen ruchlosen Söldner.

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Max kämpft um sein Leben

Eine Raumstation mit allem erdenklichen Luxus für die oberen Zehntausend schon Mitte des kommenden Jahrhunderts – der Gedanke erscheint aberwitzig, dass der technische Fortschritt der Menschheit innerhalb der nächsten 100 bis 140 Jahre so sehr explodiert. Die Vision dahinter allerdings lässt sich schon heute auf der Erde beobachten: Die Reichen schotten sich ab, verschanzen sich in gut gesicherten Villenvierteln; bestmögliche medizinische Versorgung wird den Armen vorenthalten. In den westlichen Industrienationen mag das bislang noch nicht in extremer Ausprägung zu beobachten sein; anders verhält es sich jedoch in den großen Metropolregionen ärmerer Länder, siehe beispielsweise Mexiko-Stadt, Mumbai, Sao Paulo. Insofern bietet „Elysium“ bei aller Fokussierung auf Action und Optik auch einen Kommentar zur heutigen Gesellschaft – Science-Fiction, wie sie sein soll. Die Aufnahmen des überfüllten und zu einem Slum verkommenen Los Angeles entstanden in Mexiko-Stadt und erinnern visuell etwas an die Slums von Johannesburg in „District 9“; fürs von protzigem Reichtum strotzende Elysium durfte Vancouver herhalten. Der extreme Kontrast von Arm und Reich ist hervorragend umgesetzt und trotz der futuristischen Verortung jederzeit nachvollziehbar. Diese Diskrepanz zwischen Bevölkerungsschichten war jüngst auch Thema im Thriller „The Purge – Die Säuberung“ mit Ethan Hawke und Lena Headey.

Nach „District 9“ waren die Vorschusslorbeeren für Neill Blomkamps nächsten Film zahlreich, die Erwartungen an „Elysium“ immens. Folge: Manch ein Rezensent, manch ein Konsument verleiht im Netz seiner Enttäuschung Ausdruck. Wir nicht! „Die Nacht der lebenden Texte“ hält den Film für herausragendes Science-Fiction-Kino. Ja, der Fokus liegt auf Action, aber die inhaltliche Komponente ist weit mehr als nur Beiwerk. Blomkamp sagt es selbst – er wird im Presseheft zu „Elysium“ zitiert: „Ich bin mehr visueller Künstler als irgendetwas anderes. Ich möchte keine Filme drehen, die sich zu ernst nehmen – ich steh’ auf Action und Bildsprache.“ Am wichtigsten sei ihm der Unterhaltungswert seines Films, gleichwohl wolle er eine lohnenswerte Geschichte darunter packen, damit es kein reines Popcorn-Kino bleibe.

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Max (l.) trifft auf Kruger

Diesen Anspruch hat Neill Blomkamp voll erfüllt. „Elysium“ ist bildgewaltiges Kino, ebenso wuchtig wie intelligent und visionär. Und wer hätte gedacht, dass Sharlto Copley, der Darsteller des verhuschten Wikus van der Merwe aus „District 9“, einen derart gnadenlosen Killer wie Kruger verkörpern kann? Nun freuen wir uns sogar auf Spike Lees Remake des koreanischen Geniestreichs „Oldboy“ mit Josh Brolin, in dem Copley den Schurken gibt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Matt Damon sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 109 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
USA 2013
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp
Besetzung: Matt Damon, William Fichtner, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga, Talisa Soto
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Fotos & Trailer: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

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