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White House Down vs. Olympus Has Fallen – Duell des Terrors

02 Sep

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White House Down

Kinostart: 5. September 2013

Actionthriller // Terroristenattacke aufs Weiße Haus, Verwüstung, Explosionen, Tote. Ein wackerer Recke versucht, den US-Präsidenten zu retten. Für zwei aktuelle Actionfilme ist dies der korrekte Kurzinhalt. Etwas früher dran war Antoine Fuquas („Shooter“) „Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“, der bereits im Juni deutschen Kinostart hatte, nun gefolgt von „White House Down“ von Roland Emmerich („Independence Day“), dem deutschen Regisseur, der diese ausgesprochen amerikanischen Filme macht. Nur recht und billig, dass sich „White House Down“ den Vergleich mit dem packenden Vorgänger gefallen lassen muss. Haken wir die Aspekte einzeln ab.

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Auch das Kapitol wird attackiert

Der Präsident: In „Olympus Has Fallen“ ist es Aaron Eckhart, der als Benjamin Asher in terroristische Bedrängnis gerät. Sein Pendant in „White House Down“: Jamie Foxx als Präsident Sawyer. Dank Oscar und Golden Globe mag Foxx etwas mehr Glanz verströmen, Eckharts Verkörperung des mächtigsten Mannes der Welt steht der von Foxx aber in nichts nach. Wenn beide zur Waffe greifen müssen, wirkt das allerdings nicht unbedingt glaubwürdig. Tendenz unentschieden.

Der Recke: Gerard Butler gibt den Ex-Präsidentenleibwächter Mike Banning, der in „Olympus Has Fallen“ mehr durch Zufall dazu kommt, inoffiziell seinen Job wieder auszuüben und Benjamin Asher aus der Bredouille zu holen. Butler wirft all sein Charisma und seine Erfahrung als Actionstar in die Waagschale. Dagegen kann Channing Tatum als verhinderter Präsidentenleibwächter John Cale nicht anstinken. Auch Cale kommt eher durch Zufall zu seiner Berufung, Sawyer zu beschützen. Der Punkt geht eindeutig an „Olympus Has Fallen“.

Das Kind: Der seit einem Autounfall verwitwete Präsident Asher hat in „Olympus Has Fallen“ einen Sohn Connor (Finley Jacobsen), der sich während der Attacke im Weißen Haus verbirgt. Die Terroristen wollen ihn als Faustpfand einsetzen. Mike Banning, der beim Unfall seinerzeit dabei war, tut alles, um Connor aus dem Weißen Haus heraus in Sicherheit zu schleusen – packend inszeniert. In „White House Down“ gehört das Kind zum Recken: Emily (Joey King) ist die entfremdete Tochter von John Cale, mit der er nach missglücktem Vorstellungsgespräch für die Leibwächterposition eine Führung durch das Weiße Haus unternimmt. Emily hat einen Videoblog und filmt die Terroristen heimlich mit ihrem Smartphone. Das ist ansprechend inszeniert, krankt aber an enormer Vorhersehbarkeit. Ein kleines Beispiel: Nennt Emily ihren Vater zu Beginn des Films beharrlich nur beim Vornamen, so weiß jeder Zuschauer sogleich, wie sie ihn am Ende nennen wird. Insofern trägt auch in dieser Hinsicht „Olympus Has Fallen“ den Punktsieg davon.

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Präsident Sawyer und John Cale verbergen sich

Die Terroristen und ihre Absichten: Nordkoreaner sind’s in „Olympus Has Fallen“, die die USA mit der Besetzung des Weißen Hauses zum Abzug ihrer Marinestreitkräfte aus dem Westpazifikraum zwingen wollen. Ob sie im Auftrag des nordkoreanischen Regimes agieren, bleibt offen. „White House Down“ beschert uns gleich eine nukleare Bedrohung, gar einen bevorstehenden Weltenbrand. Wer dahinter steckt, sei an dieser Stelle offengelassen, um nicht zu viel zu verraten. In punkto Glaubwürdigkeit der Szenarien schenken sich beide Filme nichts, will sagen: Beide sind komplett unglaubwürdig, aber damit kann man in dem Genre leben. Interne Verräter gibt’s hüben wie drüben, in „White House Down“ sind sie bedeutsamer und deshalb auch absurder. Einmal mehr somit: Punkt für „Olympus Has Fallen“.

Die Action: „Over the top“ und in einzelnen Sequenzen atemraubend inszeniert. Der Angriff aufs Weiße Haus fordert in beiden Fällen viele Opfer – Beteiligte auf beiden Seiten ebenso wie Unbeteiligte. Das wirkt durchaus nach. Remis.

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Black Hawk Down vor White House Down

Das Pathos: Das Weiße Haus unter Beschuss, der US-Präsident muss Ruhe bewahren, das Volk bangt. Klar, dass derlei Filme nicht ohne US-Pathos auskommen. Aber weshalb muss ausgerechnet der Deutsche Roland Emmerich noch ’ne Schippe drauflegen? Bisweilen kann man sich der Wirkung als Zuschauer nicht ganz entziehen, dennoch: Was zu viel ist, ist zu viel. Punktabzug für „White House Down“.

Die Nebendarsteller: Morgan Freeman, Dylan McDermott, Angela Bassett, Radha Mitchell und Cole Hauser bereichern die Besetzung von „Olympus Has Fallen“ nicht zu knapp. „White House Down“ bietet mit Maggie Gyllenhaal, James Woods und Richard Jenkins etwas weniger Prominenz auf, aber keine geringere. Da es sich jedoch ohnehin nicht um Schauspielerfilme handelt, sondern um Action-Blockbuster, ist das nur von marginaler Bedeutung. Punkt für beide.

Die Spannung: in beiden Filmen vorhanden. „Olympus Has Fallen“ ist mit 120 Minuten gut zehn Minuten kürzer. Ob’s daran liegt, dass „White House Down“ bei aller Rasanz im Vergleich etwas zu lang wirkt? Armlehnenkraller-Szenen sind eher bei Antoine Fuquas Regiearbeit zu bemerken, daher Punktgewinn für „Olympus Has Fallen“.

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Secret-Service-Frau Finnerty ist im Stress

Fazit: Auch ohne Rechenkünste lässt sich ein klarer Punktsieg für „Olympus Has Fallen“ konstatieren. Der ist nun schon aus den Kinos raus und ab 15. November fürs Heimkino erhältlich. Somit abschließend zu „White House Down“: Wer Roland Emmerichs Filme mag, wird den Kauf des Kinotickets nicht bereuen. Wer ihnen skeptisch gegenübersteht, wird die üblichen Emmerich-Kritikpunkte bemerken bzw. sollte sich überlegen, den Kinogang zu meiden. Keine Frage, das ist routiniert inszeniertes Blockbuster-Kino; leider aber auch etwas uninspiriert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jamie Foxx in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 131 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
USA 2013
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: James Vanderbilt
Besetzung: Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal, James Woods, Jason Clarke, Richard Jenkins, Nicholas Wright
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

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5 Kommentare

Verfasst von - 2013/09/02 in Film, Kino, Rezensionen

 

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5 Antworten zu “White House Down vs. Olympus Has Fallen – Duell des Terrors

  1. Barbara

    2014/01/20 at 14:09

    Präsident in OHF: knallhart? von wegen, er gibt seinen Mitarbeitern Befehl die Cerberus-codes zu verraten. Und schaut danach dumm aus der Wäsche. Wie rechtschaffen soll das den sein, wenn er bereit ist für eine Handvoll Leute Millionen Andere sterben zu lassen.
    Präsident in WHD: er weigert sich den Code zu geben, auch auf die Gefahr hin das ein Mädchen stirbt. Es tut ihm leid, aber er kann nicht anders, er folgt seinem Eid. Das ist knallhart!
    OHF=0
    WHD=1

    Der Held in OHF: als einziger Held gibt er den Einsatzkommandos und dem Speaker Befehle wie es weiter gehen soll und er kennt – nachdem er monatelang nicht mehr für den Secret Service im Weissen Haus arbeitet – immer noch alle geheimen Zugangscodes? Wie realistisch ist das denn?! Ansonsten ist er eben ein Held.
    Der Held in WHD: mutig wirft er sich, wie alle Helden der Filmindustrie, ins Getümmel. Und hat sogar etwas Witz dabei.
    OHF=0
    WHD=1

    Terroristen (Nordkorea) in OHF: Koreanische Terroristen greifen das Herz der USA an. Mit Bombern und zu Panzern umgebaute Müllwagen und das Verteidigungsministerium hat nichts bemerkt. HAHA Warum sich ein Secret Service Mitarbeiter mit denen verbündet um sein Arbeitgeber (den Präsidenten und die USA) in einer nuklearen Katatsrophe schicken will, erschließt sich mir nicht wirklich.
    Terroristen (Rednecks/Politiker) in OHF: Die Rednecks wollen Geld (von einer nuklearen Katastrophe wissen die nichts) und die Männer hinter den Rednecks wollen Macht. Der Plan ist nachvollziehbar. Hier zumindestens kann ich die Motivation verstehen.
    OHF=0
    WHD=1

    Kind in OHF: ein süßer kleiner Bengel der das Weisse Haus wie seine Westentasche kennt. Mehr gibt es nicht zu sagen.
    Kind in WHD: ein süßes kleines Mädchen, die das Weisse Haus wie ihre Westentasche kennt. Sie filmt mit ihrem Handy die Bösewichte. Am Ende des Films mit der Präsidentenflagge in der Hand, verhindert sie, das die Kampfjets das Gebäude den Erdboden gleich machen. Beide Darsteller sind halbwegs Glaubwürdig.
    OHF=1
    WHD=1

    Nebenfiguren in OHF: Ich mag M.Freeman, aber hier hat er permanent nur ein Gesichtsausdruck. Nämlich das eines Fragezeichens. Laaangweilig…
    Nebenfiguren in WHD: Der Speaker, der für alle Anwesenden fragwürdige und brutale Entscheidung trifft, aber dafür Gründe hat. Nachvollziehbar
    OHF=0
    WHD=1

    Pathos: Muss in so Filmen einfach sein, wer den nicht mag und ein Brechreiz beim gucken bekommt sollte lieber keinen der beiden Filme anschauen. Aber wenn schon Pathos dann richtig und konsequent. Selbst das Mädchen in WHD ist bereit fürs Vaterland zu sterben. Daher mein Punkvergabe:
    OHF=0
    WHD=1

    Ergebnis:
    OHF 1
    WHD 6

     
    • Fatherleft

      2016/09/28 at 11:58

      Dem kann ich voll zustimmen, ausserdem war White House Down definitiv der bessere Film um ihn mit seiner 15 Jährigen Tochter anzusehen. Vater/Kind-Geschichten kann Emmerich einfach besser. Auch wenn ich Antoine Fuquas übrige Filme sehr nett schätze. Allein die Übernahme des Weißen Hauses durch von aussen kommende Terroristen konnte eigentlich nur durch das absurde Szenario in „London has Fallen“ getoppt werden. Da war der Insiderjob in „White House Down“ durchauch plausibler.

       
  2. Angelika Vollmer

    2013/10/28 at 08:23

    White House Down hat allerdings gelegentlich Witz, was mir jetzt besser gefallen hat. Olympus has fallen ist teils doch recht „blutig“. Nichts desto trotz finde ich beide sehenswert.

     
  3. Steven W.

    2013/10/19 at 12:54

    Ich kann mich mit dem engen Rating bei IMDB auch nicht anfreunden… weil ich White House Down um Klassen besser fand. Hm. Ist in dem Fall wohl wirklich eine Frage der angelegten Kriterien. Ich fand den Präsidenten in „Olympus has Fallen“ ziemlich bescheuert, wie er erst seinen Untergebenen befiehlt, die Cerberus-Codes herauszurücken, und nachher nur dumm aus der Wäsche gucken kann, wenn der dritte Code geknackt wird. Alle Atomsprengköpfe noch in den Silos zur Detonation bringen… ja klar, der Film ist ja so realistisch. Das Cerberus-System ist hirnrissig gefährlich. Hingegen fand ich die Story rund um den „Nuclear Football“ (den Aktenkoffer des Präsidenten) bei White House Down noch besser, da es diesen in Wirklichkeit gibt.

     
  4. Lona

    2013/09/24 at 19:48

    Ich fand Olympus Has Fallen auch deutlich authentischer und besser gemacht als White House Down.
    Warum das rating bei IMDb so eng ausfällt ist mir völlig schleierhaft (z.Z. Olympus Has Fallen 6,5/10 & White House Down 6,4/10)

     

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