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Flesh + Blood – Endlich in ungeschnittener Pracht bei uns

07 Sep

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Flesh + Blood

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Im Mai 1989 indiziert – im März 2013 runter vom Index. Paul Verhoevens düsteres Spätmittelalter-Gemälde bestätigt den Trend, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ihre Kriterien bei Neuprüfungen veränderten Sehgewohnheiten anpasst. Voraussetzung ist, dass jemand die Streichung von der Liste beantragt – meist der Rechteinhaber, der eine ungeschnittene Neuveröffentlichung anstrebt. Im Falle von „Flesh + Blood“ ist das der Vertrieb Koch Media, der den Verhoeven-Fans u. a. eine schöne Mediabook-Edition präsentiert.

Anno Domini 1501 erobert Fürst Arnolfini (Fernando Hilbeck) seine ihm zuvor entrissene Burg zurück. Um seine Truppen zu verstärken, hatte er einige skrupellose Söldner angeheuert, doch er betrügt sie um die Beute, die er ihnen zugesagt hatte. Unter ihrem Anführer Martin (Rutger Hauer) rotten sich die Söldner zusammen, lauern einem Treck Arnolfinis auf und entführen die holde Agnes (Jennifer Jason Leigh), die der Fürst für seinen Sohn als Gemahlin auserkoren hatte.

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Die Söldner sind ein wüster Haufen

Krieg, Sex, Vergewaltigung, religiöser Wahn, Mordlust, die Pest – „Fleisch und Blut“, so der bundesdeutsche Verleihtitel von 1987, skizziert ein ebenso düsteres wie grausames Bild des Spätmittelalters. Ob der Film wirklich einer der realistischsten Filme über jene Epoche ist, wie ein anderer Rezensent mutmaßt, vermag „Die Nacht der lebenden Texte“ nicht einzuschätzen. Immerhin verzichtet der Film auf romantisierendes Ritterlichkeitsgebaren und zeigt stattdessen eine gnadenlose Zeit, in der ein Menschenleben nichts gilt und man sich als Söldner/Soldat Frauen nimmt, wann immer man Lust verspürt, sei es gegen Bezahlung oder mit Gewalt.

Dass die entführte Agnes selbst ein eher liederliches und kalkulierendes Frauenzimmer ist, führt zu einigen bizarren Szenen. Eine romantische Knutscherei unter zwei baumelnden und bereits verwesenden Gehenkten – wer’s mag. Die seinerzeitige Indizierung von „Flesh + Blood“ verwundert nicht, aber ihn Erwachsenen heute frei zugänglich zu machen, ist völlig in Ordnung und lobenswert: Das Abenteuer hat es verdient, gesehen zu werden. Ist es das „blutrünstige Sex-and-Crime-Spektakel“, als das es auch bezeichnet wird? Sicher doch. Müssen wir uns daran stören? Sicher nicht.

Regisseur Verhoeven und sein Star Rutger Hauer hatten zuvor schon mehrfach zusammengearbeitet. Doch bei den Dreharbeiten zu „Flesh + Blood“ gerieten sie oft aneinander, wie der Regisseur später im Interview bekannte. Verhoevens erster englischsprachiger Film markiert bis heute die letzte Zusammenarbeit der beiden, obwohl Verhoeven fast unmittelbar im Anschluss nach Hollywood ging, wo sich Hauer dank seiner Rolle in „Der Blade Runner“ (1982) bereits etabliert hatte.

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Agnes gibt sich Martin hin

Der 1938 in Amsterdam geborene Paul Verhoeven gehört zu den kontroversesten Regisseuren Hollywoods. Seine Gewaltdarstellung und Bildsprache sind oft drastisch und exploitativ. Schon mit einigen in den Niederlanden inszenierten Filmen machte er auf sich aufmerksam, darunter „Soldaat van Oranje“ (1977) und „Der vierte Mann“ (1983), bevor er seine Heimat in Richtung Hollywood verließ. Mittlerweile ist er allerdings als Filmemacher wieder in europäischen Gefilden anzutreffen: „Black Book“ (2006) mit Carice van Houten und Sebastian Koch wirft einen kritischen Blick auf die Niederlande zur Zeit der Besetzung durch Nazi-Deutschland. Das bislang nur angekündigte Drama „De stille Kracht“ soll die Kolonialzeit der Niederlande thematisieren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Paul Verhoeven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Rutger Hauer in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 30. August 2013 als Blu-ray und DVD, 13. September als Mediabook (1 Blu-ray, 2 DVDs)

Länge: 128 Min. (Blu-ray), 123 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Flesh + Blood
SP/USA/NL 1985
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven
Besetzung: Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Jack Thompson, Susan Tyrell
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Paul Verhoeven, deutscher und englischer Kinotrailer, Bildergalerie, nur Mediabook: Booklet von Autor Christoph Huber, Interview „In the Flesh“ mit Paul Verhoeven (23 Min.), Interview mit Drehbuchautor Gerard Soeteman (40 Min.), Audiointerview mit Rutger Hauer (24 Min.), Interview mit Second Unit Manager Walter Saxer (26. Min.), „Die Filmmusik“ (12 Min.)
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Koch Media

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