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Betört und verwirrt: The Congress

10 Sep

Filmbanner

The Congress

Kinostart: 12. September 2013

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // „Die Welt stand dir offen, Robin. Die Königin des Kinos mit 24! Alle großen Studios kamen angekrochen. Und du hast alle offenen Türen zugeschlagen und alle Träume sind geplatzt.“ Eine Frau sitzt am Tisch. Sichtlich mitgenommen hört sie sich an, wie ein Mann ihr vorwirft, ihre Karriere weggeworfen zu haben. Die Frau, das ist die Schauspielerin Robin Wright (gespielt von Robin Wright), der Mann ihr Agent Al (Harvey Keitel). Al weiß von einem letzten Angebot, das die 44-Jährige vom großen Miramount-Studio erhalten soll. Wie genau es aussieht, das weiß auch er nicht.

Im Büro von Studioboss Jeff (Danny Huston) hören sich die beiden das bizarre Angebot von Miramount an: „Wir wollen dich scannen – alles: deinen Körper, dein Gesicht, deine Gefühle, dein Lachen, deine Tränen. Wir wollen dich samplen, konservieren und wir wollen es besitzen – dieses Ding namens Robin Wright.“ Sie als computeranimierte, niemals alternde Figur, mit der das Studio machen kann, was es will? Robin ist schockiert, ihr erster Impuls: totale Ablehnung. Aber schließlich setzt sie ihre Unterschrift unter einen Vertrag, der dem Studio 20 Jahre lang erlaubt, die gescannte Robin im Film einzusetzen, und es ihr verbietet, je wieder zu schauspielen.

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Robin lässt sich scannen

Klingt nach einer intelligenten Reflexion über die Mechanismen Hollywoods? Ist es zu Beginn auch, nicht zuletzt wegen der Idee, eine Schauspielerin sich selbst spielen zu lassen. Nachdem Robin eingescannt ist, nimmt „The Congress“ eine Wendung sondergleichen: Der Film springt 20 Jahre in die Zukunft. Robin ist im Auto unterwegs zum Futurologischen Kongress, zu dem sie eingeladen ist. Am Ortseingang nimmt sie eine Ampulle entgegen, trinkt die Flüssigkeit und fährt weiter. Plötzlich wird aus der realen Umgebung eine comichafte Computertrickwelt.

Futurologischer Kongress? Da war doch was … Genau: „The Congress“ übernimmt Motive aus Stanislaw Lems visionärem Roman „Der futurologische Kongress“ und mixt daraus einen surreal-traumhaften, bisweilen verwirrenden Reigen mit einigen popkulturellen Anspielungen und Figuren. Welche Elemente des Romans es in „The Congress“ geschafft haben – der Kenner des Buchs lasse sich überraschen. Dass die Wahrnehmung der Realität ein zentraler Bestandteil ist, so viel sei verraten. Der Film wirft Fragen auf, deren Beantwortung er dem Zuschauer überlässt, was sowohl für die erwähnte Hollywood-Reflexion zu Beginn als auch für die Comicwelt 20 Jahre später gilt. Schauspiel- und Zeichenkunst sind betörend, zusätzlich zu den genannten Akteuren sei Nebendarsteller Paul Giamatti als Arzt lobend erwähnt.

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Ist das die Realität oder nur ein Drogentrip?

Der israelische Drehbuchautor und Regisseur Ari Folman machte 2008 mit seinem hochgelobten autobiografischen Computertrick-Doku-Drama „Waltz with Bashir“ auf sich aufmerksam, in dem er seine Erinnerungen an den Libanonkrieg 1982 verarbeitete. „The Congress“ ist verspielter, obgleich das Werk ebenfalls bedrückende Elemente enthält. Der Film hat Aufmerksamkeit verdient und wird sie hoffentlich auch bekommen – ein außergewöhnliches Werk, das womöglich mehrfach gesehen werden muss, um es in seiner Tragweite zu erfassen. Beim Fantasy Filmfest jedenfalls, wo „The Congress“ heuer in Anwesenheit von Folman als Eröffnungsfilm fungierte, zeigte sich das Publikum nach der Vorstellung sehr angetan.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
ISR/D/POL/LUX/F/BEL 2013
Regie: Ari Folman
Drehbuch: Ari Folman, nach einem Roman von Stanislaw Lem
Besetzung: Robin Wright, Harvey Keitel, Paul Giamatti, Danny Huston, Jon Hamm
Verleih: Pandora Film Verleih

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Titelbanner: © 2013 Pandora Film Verleih

 

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