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Room 237 – Die Akte Shining

18 Sep

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Room 237

Kinostart: 19. September 2013

Dokumentarfilm // Stanley Kubrick war ein Genie auf dem Regiestuhl, einer der visionärsten Filmemacher überhaupt. Es ist eine der großen Entwertungen des Academy Awards, dass Kubrick niemals einen Regie-Oscar erhalten hat, sondern nur einen für die visuellen Effekte von „2001 – Odyssee im Weltraum“ – einen Golden Globe hat er übrigens auch nie bekommen. Was Kubrick an Inhalt, visueller Wucht und vor allem Subtext in seine Filme gepackt hat, darüber zerbrechen sich heute noch etliche Filmschaffende und -koryphäen die Köpfe – und sie kommen am Ende womöglich doch nicht dahinter.

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Der Kinoerfolg wirft Fragen auf

Ein besonderes Objekt der analytischen Begierde durch Filmnerds ist „Shining“. Für die einen ist die Verfilmung des Stephen-King-Romans ein Meisterwerk des Horrorgenres, für andere ein unterdurchschnittlicher Film des Meisters. Für viele Filmfanatiker ist „Shining“ ein nie versiegender Quell von Hinweisen auf schräge Ideen, die Kubrick in seinem Schocker angeblich untergebracht hat. Der Dokumentarfilmer Rodney Ascher hat einige dieser Menschen aufgestöbert und lässt sie in „Room 237“ mittels Voice-over ihre Theorien ausbreiten, während er die betreffenden Szenen einspielt.

Da ist beispielsweise die deutsche Schreibmaschine der Marke Adler, auf der der von Jack Nicholson verkörperte Jack Torrance schreibt. Die These: Die Schreibmaschine nebst einiger weiterer Adler-Motive und des gelegentlichen Auftauchens der Zahl 42 deutet darauf hin, dass Kubrick mit „Shining“ eine Aussage über den Holocaust machen wollte – welche auch immer. Das Jahr 1942 markiert im sogenannten Dritten Reich in der Tat einen Zeitpunkt, zu dem die Judenverfolgung hin zur systematischen Ermordung eskalierte. Auch eine Aussage über die Ureinwohner Amerikas wird in den Film hineingedeutet – etliche indianische Motive seien Hinweis genug.

Andere Details werden weniger gravierend interpretiert, sind dafür aber ungleich amüsanter: Bei der Begrüßung von Jack Torrance durch den Hotelmanager Stuart Ullman (Barry Nelson) wirkt eine Papierablage auf dem Schreibtisch für einen kurzen Moment wie eine – etwas unförmige – Erektion Ullmans. Ob Kubrick das wirklich beabsichtigt hat? Nun ja …

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Haben die indianischen Motive eine Bedeutung?

Eine „Shining“-Expertin weist detailliert nach, dass die Anordnung der Räume des Overlook-Hotels unmöglich ist. Sie hat dafür einen Grundrissplan des Gebäudes erstellt. Ihre Angaben klingen schlüssig, aber ob das eine Nachlässigkeit Kubricks war oder er damit eine versteckte Absicht verfolgte – man weiß es nicht. Auf einer weißen Fläche in Dannys (Danny Lloyd) Zimmer finden sich diverse aufgeklebte Motive, darunter Dopey, der eher schlichte der sieben Disney-Zwerge. Kurz darauf fehlt Dopey. Nur Schlamperei?

Eine überaus beliebte Verschwörungstheorie lautet, dass die US-Regierung und die NASA die Mondlandung mit Hollywoods Hilfe inszeniert und dafür u. a. Requisiten und Bauten von Kubricks „2001 – Odysee im Weltraum“ genutzt haben. Manchen Theoretikern zufolge war es Kubrick selbst, der die Mondlandung inszenierte. Nur logisch, dass er in „Shining“ diverse Hinweise darauf versteckt hat, nicht wahr? Tatsächlich existiert sogar eine Mockumentary mit dem Titel „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“, in der die These verbreitet wird.

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Auch das Teppichmuster ist interessant

Dies sind nur einige der in „Room 237“ vertretenen Theorien. Selbstverständlich rankt sich auch um das titelgebende Hotelzimmer eine äußerst plausible These. Der Rezensent hat „Shining“ mehrfach gesehen, hat derlei nie wahrgenommen, war aber überwältigt von den Möglichkeiten, die der Film bietet. Rodney Ascher macht daraus eine amüsante Doku, die zugleich als liebevolle Hommage an „Shining“, Stanley Kubrick als auch an Film an sich verstanden werden kann.

Nun aber fix mal wieder „Shining“ schauen.

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
USA 2012
Regie: Rodney Ascher
Drehbuch: Rodney Ascher
Mitwirkende: Bill Blakemore, Geoffrey Cocks, Juli Kearns, John Fell Ryan
Verleih: Rapid Eye Movies

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2013 Rapid Eye Movies

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