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Peter Gabriel – Live in Athens 1987: Kolossale Konzertkonserve

20 Sep

Von Volker Schönenberger

Konzert // Wie meinen? Das soll ein Konzert von 1987 sein? Die Bildqualität erweckt eher den Eindruck, es sei im vergangenen Jahr aufgenommen worden. Aber das Erscheinungsbild der Künstler und die furchtbaren Klamotten machen klar: Es war tatsächlich in den 80ern. Ein Lob den fürs Mastering verantwortlichen Technikern!

1986 erscheint Peter Gabriels Album „So“, das die Zeit zu seinem Opus magnum machen wird. Mit seinem experimentellen Rock-Pop hatte sich Peter Gabriel erfolgreich von seiner Ex-Band Genesis gelöst, dabei aber zweifellos viele Fans mitgenommen. „So“ ist radiotauglicher als seine vorherigen Soloalben, ohne ins Banale abzugleiten, und startet deshalb richtig durch.

Die im selben Jahr beginnende Welttournee führt Gabriel zum Abschluss im Oktober 1987 für mehrere Abende ins Freilichttheater auf dem Athener Stadtberg Lykabettus. Feine Sache, dass es der Anheizerauftritt von Youssou N’Dour und seiner Begleitband Le Super Étoile de Dakar ebenfalls auf die Veröffentlichung geschafft hat. Der Senegalese wird von Peter Gabriel persönlich angekündigt und bringt das griechische Publikum eine Dreiviertelstunde lang gut in Stimmung.

PG Face-credit Armando GalloGleich zu Beginn des eigenen Auftritts stellt Peter Gabriel seine versierte Band vor: den Gitarristen David Rhodes, den Keyboarder David Sancious, vormals Mitglied von Bruce Springsteens E Street Band, Manu Katché, dessen Schlagzeug nach dem Erfolg von „So“ auf zahlreichen erfolgreichen Pop- und Rockalben zu hören sein wird, und last not least Tony Levin am Bass, Gabriels langjährigen Weggefährten seit Beginn seiner Solokarriere.

Fünf der neun Titel von „So“ bekommen die Zuschauer an diesem Abend geboten, beginnend mit dem Konzerteröffner „This Is the Picture – Excellent Birds“. Kongenial: die wunderbare Ballade „Mercy Street“ in einer langen Version, bei der Gabriel zu Beginn am Boden liegend singt. Den Song hat er über die Dichterin Anne Sexton und ihre inneren Dämonen geschrieben. Ein Höhepunkt in der Mitte des Konzerts.

Bei „Don’t Give Up“ singt Gabriel solo, Kate Bush fehlt ein wenig, aber das ist Jammern auf höchstem Niveau. Der sehr langsame Song bringt bedächtig-besinnliche Stimmung, die kurz darauf dank seiner Debütsingle „Solsbury Hill“ ins Ausgelassene umschlägt. Bei „Lay Your Hands on Me“ lässt er sich rücklings ins Publikum fallen und wird zum Crowdsurfer. Dass dabei seine Jacke verloren geht – egal. Danach: der Monster-Hit „Sledgehammer“, gefolgt von „Here Comes the Flood“ vom Solodebüt, einem seiner schönsten Songs, mit zurückgenommenem Arrangement interpretiert, wie er es bei dem Titel meist handhabt.

Peter and band_credit Armando GalloIm Anschluss verlassen Gabriel und Band kurz die Bühne, um für zwei Zugaben mit Youssou N’Dour zurückzukehren. „In Your Eyes“ hatte N’Dour ohnehin schon fürs „So“-Album mit eingesungen, seine hohe Stimme bringt eine willkommene Klangfarbe in das Lied. „Biko“ schließlich beendet den Abend. Gleichzeitig Gedenken an den südafrikanischen Bürgerrechtler Stephen Biko wie auch flammende Anklage gegen das verbrecherische Regime, hat der Song auch heute, lange nach dem Ende der Apartheid, nichts von seiner Eindringlichkeit verloren.

Wer damals den Weg auf den Lykabettus genommen hat, wird Peter Gabriels Auftritt auch ein Vierteljahrhundert danach zu seinen schönsten Konzerterinnerungen zählen. Der Gig war bislang nur als DVD und Doppel-CD im sündhaft teuren 25th Anniversary Deluxe Box Set des Albums „So“ erhältlich, ohne DVD auch in der 25th Anniversary 3CD Special Edition. Der Konzertfilm „POV“ gar war nur in grauer Vorzeit auf VHS erschienen. Weshalb die Blu-ray nicht schon 2012 für die Jubiläumsbox produziert worden ist, erschließt sich nicht; immerhin hat das Gabriel selbst in der Kontroverse um den Inhalt als Fehler bezeichnet.

Peter Gabriel on stage_credit Armando Gallo_q10Wer 2012 so viel Geld nicht ausgeben wollte, kommt nun deutlich günstiger und in HD an den Auftritt – Youssou N’Dours Auftritt war zuvor ohnehin nicht enthalten. Als zusätzlicher Kaufanreiz liegt sowohl der Blu-ray als auch der DVD die einzeln im Handel vergriffene Sammlung der Videos „Play – The Videos“ bei. Die treue Fangemeinde mag die DVD schon im Regal stehen haben, für alle anderen ist das ein willkommener Bonus.

Setlist Konzert:

Youssou N’Dour:

01. Immigres
02. Kocc Barma
03. Nelson Mandela
04. Ndobine
05. Sama Dome / My Daughter

Peter Gabriel:

01. This Is The Picture
02. San Jacinto
03. Shock The Monkey
04. Family Snapshot
05. Intruder
06. Games Without Frontiers
07. No Self Control
08. Mercy Street
09. Family And The Fishing Net
10. Don’t Give Up
11. Solsbury Hill
12. Lay Your Hands On Me
13. Sledgehammer
14. Here Comes The Flood
15. In Your Eyes
16. Biko
17. Quiet & Alone

PGBikosalute-2

Tracklist Play – The Videos:

01. Father, Son
02. Sledgehammer
03. Blood Of Eden
04. Games Without Frontiers
05. I Don’t Remember
06. Big Time
07. Lovetown
08. Red Rain
09. In Your Eyes
10. Don’t Give Up
11. The Barry Williams Show
12. Washing Of The Water
13. Biko
14. Kiss That Frog
15. Mercy Street
16. Growing Up
17. Shaking The Tree
18. Shock The Monkey
19. Steam
20. The Drop
21. Zaar
22. Solsbury Hill
23. Digging In The Dirt

Band:

Peter Gabriel (vocals and keyboards)
Tony Levin (bass)
Manu Katché (drums)
David Rhodes (guitar, backing vocals)
David Sancious (keyboards)

Special Guest:

Youssou N’Dour and Le Super Étoile de Dakar

Veröffentlichung: 13. September 2013 als Blu-ray (inkl. Bonus-DVD) und Doppel-DVD

Länge Konzert: Youssou N’Dour 42 Minuten, Peter Gabriel 116 Minuten
Länge Play – The Videos: 141 Minuten
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Tonformat Blu-ray: DTS-HD Master Audio, LPCM Stereo
Tonformat DVD: DTS Surround Sound, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital Stereo
Zusatzmaterial Alive in Athens: Paul Gambaccini interviewt Peter Gabriel (11 Minuten, 1986), Video Sledgehammer in Dolby Digital 5.1
Zusatzmaterial Play – The Videos: Games without Frontiers (live 2004), Modern Love, The Nest that Sailed the Sky, Trailer Family Portrait, Trailer Growing Up Live, Trailer Secret World Live
Untertitel (nur Interviews und Vorstellungen): Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch
Vertrieb: eagle vision / Edel Germany GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Konzertfotos: © 2013 eagle vision

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3 Antworten zu “Peter Gabriel – Live in Athens 1987: Kolossale Konzertkonserve

  1. drozda

    2016/11/06 at 09:12

    Ich war dabei und es war geil

     
  2. Loretta Cosgrove

    2013/09/20 at 17:27

    Merci für den Hinweis auf diese Veröffentlichung! Das Stuttgarter Konzert dieser Tour zählt nach wie vor zu den ungeschlagenen Highlights meiner Liveerfahrungen, da wird die BD eine großartige Zeitreise werden. Nie war der Gabriel besser… *hachz*

     

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