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Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London: Kinski, Blut und nackte Haut

23 Sep

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Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London

Von Volker Schönenberger

Thriller // Psychopathen, Wahnsinnige, Exzentriker – solche Figuren konnte Klaus Kinski fürwahr spielen. Ob’s daran lag, dass seine Persönlichkeit selbst irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn lavierte? Wie auch immer, jedenfalls lag es nahe, dass Vielfilmer Jess Franco ihn als Jack the Ripper besetzte. In Francos Version verbirgt sich der irre Schlitzer hinter dem Arzt Dennis Orloff (Kinski), dem seine Magd Frieda (Nikola Weisse) dabei hilft, die zerstückelten Überreste seiner Opfer zu beseitigen.

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Entsetzte Huren: Erneut ist eine der Ihren dem Schlitzer zum Opfer gefallen

Der spanische Filmemacher Jess Franco starb am 2. April 2013 im Alter von 82 Jahren. Seine vor Blut, Gewalt und Sex strotzenden Werke sind im Bereich des B-Films angesiedelt, bisweilen auch etwas darunter. Francos Version des Jack-the-Ripper-Mythos gehört zu seinen besseren Filmen, trotz oder wegen Klaus Kinski, dem von manchen Kritikern eine gewisse Lustlosigkeit in der Darstellung bescheinigt worden ist. Kinski hat in seiner Autobiografie bestätigt, dass es offenbar nicht seine wichtigste Rolle war: „Ich drehe den Scheiß in acht Tagen herunter. Den Rest der Zeit spiele ich Tennis“, wird er gern zitiert. Dennoch gibt Kinski auch den Jack the Ripper mit seinem ganz speziellen Charisma, das er auch dann nicht verbergen kann, wenn er eine Rolle routiniert bis lustlos herunterspult (was Kinski zweifellos oft getan hat).

Zürich spielt das viktorianische London

Für das viktorianische London hielt der Drehort Zürich her – kann man machen. Ausstattung und Kostüme sind in Ordnung, es ist nun mal kein Big-Budget-Film. Einige Figuren überzeugen, andere weniger. Offen bleibt beispielsweise, weshalb die Magd ihrem Arbeitgeber bei der Beseitigung der Leichen hilft. Auch das unvermittelte Ende des Films ist unbefriedigend. Aber wie es sich für einen zünftigen Exploitationfilm gehört, gibt es eine gehörige Portion Sex und Gewalt zu bewundern. Nackte Haut und zerstückelte Frauenkörper – die Kamera hält drauf. Das ist nichts für Zartbesaitete, auch wenn Franco härtere Arbeiten abgeliefert hat. „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ bietet viel für Anhänger groben Filmguts.

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Voller Hass beugt sich Jack the Ripper über eine Dirne

Francos Jack-the-Ripper-Variante sieht auf Blu-ray vorzüglich aus. Ascot Elite Home Entertainment hat sich mit der Neuveröffentlichung sichtlich Mühe gegeben. Mit der Blu-ray bzw. DVD beginnt der Vertrieb eine Reihe mit dem Titel „Jess Franco Golden Goya Collection“. Für denselben Erscheinungstermin war auch die Veröffentlichung von „Die Marquise von Sade“ in ungeschnittener Form geplant. Der Skandalfilm enthält allerdings in der Langfassung einige Hardcore-Pornoszenen und erhielt von der Juristenkommission der SPIO keine Freigabe; er wird daher in der Form lediglich im etwas freizügigeren Österreich und in der Schweiz erscheinen. Francos Filmographie als Regisseur umfasst laut IMDb 199 Einträge. Man darf gespannt sein, welche die Reihe bereichern sollen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jess Franco sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, die mit Klaus Kinski in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 24. September 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch
Untertitel: Niederländisch, Finnisch, Griechisch, Japanisch, Chinesisch
Originaltitel: Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London
CH/BRD 1976
Regie: Jesús Franco
Drehbuch: Jesús Franco
Besetzung: Klaus Kinski, Josephine Chaplin, Andreas Mankopff, Herbert Fux, Lina Romay, Nikola Weisse
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich, Audio-Interview mit Jess Franco (Zürich, Hotel Gregory, 17. Juni 1976), Interview mit Andreas Mannkopff (Schauspieler / „Inspektor Selby“), entfernte Szene, Erwin C. Dietrichs Hommage an Jess Francos JACK THE RIPPER, Werkstattbericht zur Restauration, Fotogalerie (Production Stills), Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Ascot Elite Home Entertainment

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