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Gravity (3D) – Der Weltraum, unendliche Weiten

02 Okt

De pub Teaserplakat GVTY

Kinostart: 3. Oktober 2013

SF-Drama // Angst vor den Weiten des Weltraums? Wer diese Frage bejaht, möge um „Gravity“ einen großen Bogen machen. Näher dran am Gefühl eines schwerelosen Weltraumspaziergangs kann man mit einem Film nicht sein als bei „Gravity“. Wenn die von Sandra Bullock verkörperte Wissenschaftlerin Dr. Ryan Stone hilflos herumwirbelt oder verzweifelt versucht, irgendwo außen an der International Space Station Halt zu finden, dürften etliche Abdrücke schweißnasser Hände auf den Armlehnen der Kinositze garantiert sein. Gelungene 3D-Effekte unterstützen die visuelle Wucht des Films.

GRAVITY

Stone (l.) und Kowalski – Mechaniker im All

Stone befindet sich auf ihrer ersten Space-Shuttle-Mission und gemeinsam mit dem erfahrenen Astronauten Matt Kowalski (George Clooney) sowie einem weiteren Kollegen außerhalb des Raumgleiters „Explorer“. Ihr erster Weltraumspaziergang dient dem Zweck, einige Reparaturen am Weltraumteleskop „Hubble“ vorzunehmen. Doch dann erreichen Trümmerteile eines zerstörten Satelliten das Team, durchschlagen „Hubble“ und die „Explorer“. Stone wird abgetrennt und schwebt hilflos im All. Nach einiger Zeit findet immerhin Kowalski seine Kollegin. Mithilfe von Kowalskis Raumanzugs-Antrieb gelingt den beiden die Rückkehr zur „Explorer“, doch sie sind die einzigen Überlebenden. Rettung kann einzig der Flug zur Internationalen Raumstation bringen – zu zweit und nur per Raumanzug ein Unterfangen mit völlig ungewissem Ausgang.

Einen Ritterschlag erhielt „Gravity“ von Kino-Titan James Cameron, dem Regisseur Alfonso Cuarón („Children of Men“) eine frühe Sichtung des Films ermöglichte: „Das ist der beste Weltraumfilm, der je gedreht wurde, und der Film, den ich schon eine schrecklich lange Zeit unbedingt sehen wollte“, wird der „Avatar“-Regisseur zitiert. Ganz so weit will sich „Die Nacht der lebenden Texte“ nicht aus dem Fenster lehnen, völlig frei von Kritik ist „Gravity“ nicht. Wenn sich bis zum Ende permanent noch ein und noch ein Problem nach dem anderen auftut, wirkt das nach einiger Zeit etwas übertrieben, auch wenn die Spannungskurve dadurch ungeahnte Höhen erreicht – insofern ein zweischneidiges Schwert. Als hervorragender Schachzug erweist sich dabei die Entscheidung, Zerstörungsszenen akustisch korrekt umzusetzen – geräuschlos, da schon zu Beginn des Films Physik gelehrt wird: „600 Kilometer über der Erde gibt es nichts, das den Schall leitet – keinen Luftdruck, keinen Sauerstoff.“

GRAVITY

Die rettende Luke ist schwer zu erreichen

Wer als Schauspieler neben derart sensationellen und intensiven Bildern bestehen will, muss einiges auf dem Kasten haben. Sowohl George Clooney als auch der lange Zeit allein agierenden Sandra Bullock gelingt es vorzüglich, ihren Figuren Tiefe zu geben. Clooney hat’s da etwas leichter – sein erfahrener Kowalski ist glücklich im All und nimmt die Katastrophe mit nahezu stoischem Gleichmut und pragmatischer Suche nach Rettungsmöglichkeiten auf. Bullocks Dr. Stone hingegen hyperventiliert, schwankt unstet zwischen Panik und überlegtem Denken. Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung kommen beim Zuschauer geradezu körperlich spürbar an. Die nächste Oscar-Nominierung winkt.

Eine Hommage an zwei große Weltraumfilme erlaubt sich der Film mit der Mini-Personalie Ed Harris: Der Darsteller aus „Der Stoff aus dem die Helden sind“ (1983) und „Apollo 13“ (1995) ist allerdings nie zu sehen, sondern lediglich in der Original-Sprachfassung als Sprecher der NASA Mission Control zu hören – zudem denkbar kurz.

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Stone kämpft ums Überleben

„Gravity“ gelingt das Kunststück, in der endlosen Kulisse des Alls kammerspielartige Szenen zu präsentieren. Die Kamera wechselt auch mal ins Subjektive, der Zuschauer schaut quasi mit den Augen von Dr. Stone, was die Intensität des Filmerlebnisses verstärkt. Die Geschichte mag schlicht vom Überlebenskampf in einer Katastrophe handeln, die Bildgewalt macht „Gravity“ zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Für solche Filme gehen wir ins Kino – in den Saal mit der ganz großen Leinwand.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sandra Bullock sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit George Clooney und/oder Ed Harris in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
USA/GB 2013
Regie: Alfonso Cuarón
Drehbuch: Alfonso Cuarón, Jonás Cuarón
Besetzung: Sandra Bullock, George Clooney, nur Stimme: Ed Harris, Eric Michels, Basher Savage
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2013 by Volker Schönenberger



Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc.

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4 Kommentare

Verfasst von - 2013/10/02 in Film, Kino, Rezensionen

 

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4 Antworten zu “Gravity (3D) – Der Weltraum, unendliche Weiten

  1. Hari

    2013/11/15 at 18:31

    „Für solche Filme gehen wir ins Kino – in den Saal mit der ganz großen Leinwand.“
    100 Prozent Zustimmung. Genau das war mein erster Gedanke als der Abspann lief. Der Film hat im Fernsehen später auch nichts verloren.

     
  2. mrmitte

    2013/10/15 at 08:52

    Kritik an der relativ überschaubaren Story von Gravity ist aus meiner Sicht fehl am Platz – Schafft es Gravity, wie schon lange kein anderer Film mehr, Kino in seiner reinsten Form darzubieten und jedem Kinogänger deutlich zu machen, wie sehr es sich lohnt ins Kino zu gehen, statt einfach nur einen abgefilmten Film mit Mic-Ton übers Netz zu streamen. Diesen Verdienst kann man Cuaron doch gar nicht hoch genug anrechnen.

     
  3. MTR

    2013/10/11 at 19:13

    „Für solche Filme gehen wir ins Kino – in den Saal mit der ganz großen Leinwand“

    V. Beautifulmountain

    Mag sein. Aber was passiert, wenn man das „Pech“ hat, „Gravity“ in einem Provinzkino auf einer relativ kleinen Leinwand zu sehen? Was passiert, wenn man den Film im Fernsehen ohne 3-D Effekte anschaut? Was bleibt dann übrig?
    Ich, der ich nunmehr seit mehr als 45 Jahren Kinofan bin, habe selten einen Film gesehen, dessen Wirkung auf den Zuschauer so sehr von der Technik abhängt, wie diesen. In einem Imax-Kino dürfte er rein visuell vermutlich tatsächlich überwältigend sein. Aber in einem Imax-Kino ist, wie ich aus zahlreichen eigenen Erfahrungen weiß, jeder Film extrem beeindruckend. Thema/Inhalt/Story sind dabei völlig egal.
    Und genau darin liegt meiner Meinung nach das große Problem von „Gravity“. Er ist zwar wunderschön anzuschauen (selbst auf einer eher kleinen Leinwand), aber wenn sich die Zuschauer nach der Vorstellung ausschließlich über die Optik des Films und eben nicht über den Inhalt/die Story unterhalten, dann hat das Gründe.

    Der Hauptgrund besteht darin, dass es sich bei „Gravity“ , nüchtern betrachtet, um einen typischen Katastrophen-Film handelt und seine Handlung daher, zumindest für erfahrene Kinogänger, leicht vorhersehbar ist. Bis in Einzelheiten hinein. Wer nach spätestens 10 Minuten nicht weiß, was mit Matt passieren wird und wie es passieren wird, muß noch ziemlich jung sein. Den Dialog zwischen Matt und Ryan in der „Trennungsszene“ habe ich so oder fast genau so, schon dutzendfach gehört. Wirklich kreativ ist das nicht. Cuaron mag ein begabter Regisseur sein, ein origineller Drehbuchautor ist er definitiv nicht.
    Deshalb dauert „Gravity“ auch nur knapp 90 Minuten. Der Story und auch den beiden Charakteren mangelt es, zumindest meiner Meinung nach, ganz gewaltig an Tiefe. Die Figur des Matt ist, zumal so wie Clooney sie spielt (supercool und stoisch), fast schon eine Karikatur und Ryan hat mich mehr und mehr irgendwie an Ripley in “ Alien1″ erinnert. Motto: Frau wächst an ihren Aufgaben und am Ende über sich selbst (und jede Logik) hinaus. Ich bin mir ziemlch sicher : Cuaron kennt „Alien“ in und auswendig und Sandra Bullock hat sich sehr genau angeschaut, wie Sigourney Weaver die Rolle der Ripley interpretiert hat. 1979 war ein weiblicher „action-hero“ eine echte Novität, aber heute…?
    Sollte Sandra Bullock tatsächlich den Oscar für ihre Rolle bekommen (was ich mir ehrlich gesagt kaum vorstellen kann), dann sollte sie fairerweise Frau Weaver in ihrer Dankesrede erwähnen, denn etwas wirklich neues ist ihr zum Thema „Frau allein im All und in big trouble“ nun wirklich nicht eingefallen. Sie liefert einen ordentlichen Job ab. Mehr aber auch nicht. Heftig atmen, erschrocken dreinschauen und ein paar 3D Tränen ergeben zusammen noch keine große Schauspielkunst.

    Die Story läßt aber auch, wie ich einräumen muß, nicht mehr zu. Cuaron packt in die kurze Laufzeit des Films so viel Action, dass überhaupt keine Zeit bleibt, den Figuren echten Tiefgang zu verleihen. Aber ich glaube, dass dies auch gar nicht die Absicht von Cuaron war. Zumal der eigentliche Hauptdarsteller ohnehin unsere gute alte Erde ist.
    Ich hege den Verdacht, dass Cuaron uns Zuschauern weder irgendeine Message vermitteln, noch uns großartig zum Nachdenken anregen wollte. Story und Figuren sind nur die Aufhänger, die er braucht, um sein visuelles Feuerwerk abzubrennen. Es geht nicht um den Inhalt, sondern um die Form. Warum also hätte er sich großartig Gedanken über die Entwicklung seiner Figuren machen sollen?
    „Gravity“ hat eine wunderschöne, glänzende Oberfläche, unter der sich leider aber nichts verbirgt. You get, what you see. Nothing more.

    Genau darin besteht der große Unterschied zu einem wahren Meisterwerk wie Kubrick’s „2001“. Visuell beeindruckend sind beide Filme, aber im Gegensatz zu „Gravity“ hat „2001“ eben weit mehr als tolle Bilder zu bieten. Kubrick begnügte sich halt nicht damit die Zuschauer zu unterhalten, nein er wollte sie zum Nachdenken anregen, sie verstören, ja vielleicht sogar auch provozieren. Deshalb gilt sein Film auch nach 45 Jahren nach wie vor als Genre-Referenz. Ich wage zu bezweifeln, dass man dies irgendwann in der Zukunft auch über „Gravity“ sagen wird.

    Cuaron geht, im Gegensatz zu Kubrick 1968, bei „Gravity“ keinerlei Risiken ein. Sein Film ist ein Musterbeispiel für den Bauplan nach dem heute in Hollywood Blockbuster-Movies zusammengebastelt werden. Alle nötigen Bausteine sind vorhanden: 2 große Namen (Clooney, Bullock),massenweise state-of-the art Spezialeffekte, 3-D, sehr viel Action, intensiver Soundtrack, etwas fürs Herz ( Ryan’s verstorbene Tochter), good guys (Matt und Ryan)/bad guys ( Russen) und eine Story, die so einfach ist, dass sie von jedem ab 12 verstanden werden kann.
    Aber vielleicht ist angesichts der enormen Produktionskosten solcher Filme und den damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken für die Studios, es schlicht notwendig auf Nummer sicher zu gehen. Ein Film wie „2001“, der seine Zuschauer intellektuell extrem fordert, wäre heute vermutlich gar nicht mehr realisierbar. Leider.

    Mein Fazit: „Gravity“ ist ein visuell sehr beeindruckender Aktion/Katastrophen-Film, der in Sachen Spezialeffekte und 3-D neue Maßstäbe setzt. Great entertainment. Mehr jedoch nicht.

    MTR

     
    • V. Beautifulmountain

      2013/10/11 at 19:36

      Danke für die fundierte Erwiderung – fast zu schade als schnöder Kommentar, is‘ ja ’ne eigene Rezension.

       

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