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Weg in die Wildnis – Lonesome Dove: Western in Perfektion

03 Okt

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Lonesome Dove

Von Volker Schönenberger

TV-Western-Miniserie // Sie sind zwei Haudegen vom alten Schlag: Die beiden ehemaligen Texas Ranger Augustus „Gus“ McCrae (Robert Duvall) und Woodrow F. Call (Tommy Lee Jones) haben sich im Grenzstädtchen Lonesome Dove als Viehhändler niedergelassen. Als ihr Ex-Kollege Jake Spoon (Robert Urich) nach zehn Jahren Abwesenheit auftaucht und ihnen von Montana vorschwärmt, beschließen die beiden, eine Herde Rinder dorthin zu treiben. Die Tiere besorgen sich Gus und Woodrow in Mexiko, indem sie Viehdieben kurzerhand deren Beute entwenden. Mit einigen Getreuen und einem Team von Cowboys geht’s in Richtung Montana – ein langer Treck voller Gefahren, den nicht alle Teilnehmer überleben werden.

Ende der 80er-Jahre war das Westerngenre nicht gerade auf dem aufsteigenden Ast. Clint Eastwoods „Pale Rider – Der namenlose Reiter“ und Lawrence Kasdans „Silverado“ (beide 1985) hatten trotz ihrer Qualitäten keine Renaissance ausgelöst; Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) und Eastwoods „Erbarmungslos“ (1992) waren noch nicht auf der Bildfläche aufgetaucht. Da erschien es als waghalsiges Unterfangen, dass CBS gleich eine Miniserie mit vier anderthalbstündigen Episoden in Auftrag gab, auch wenn sie auf einer hochgelobten Vorlage beruhte (siehe unten). Doch der Erfolg gab dem Fernsehsender Recht – „Lonesome Dove“ erzielte hervorragende Quoten und erhielt diverse Preise, darunter zwei Golden Globes (beste TV-Produktion sowie bester Schauspieler in einer TV-Produktion für Robert Duvall) und sieben Emmys.

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Hure Lorena hat’s Gus angetan

Larry McMurtrys Romanvorlage „Lonesome Dove“ wurde 1986 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Für sein Drehbuch zu „Brokeback Mountain“ erhielt McMurtry mit seiner Ko-Autorin Diana Ossana u. a. einen Oscar und einen Golden Globe. Von McMurtry stammt auch die Romanvorlage zum 1984 fünffach Oscar-prämierten Melodram „Zeit der Zärtlichkeit“. „Wildes Land – Return to Lonesome Dove“, die 1993er-Fortsetzung von „Weg in die Wildnis“, soll im Februar bei uns veröffentlicht werden. Die Miniserie „Dead Man’s Walk – Weg der Verdammten“ von 1996 erzählt die Vorgeschichte. Auch eine zwei Staffeln und 43 Episoden umfassende Serie beruht auf der Vorlage: „Lonesome Dove – The Series“ bzw. – für die zweite Staffel – „Lonesome Dove – The Outlaw Years“. Im deutschen Fernsehen lief „Weg in die Wildnis“ seinerzeit unter dem Titel „Der Ruf des Adlers“.

Der Zynismus der Italo-Western geht der Miniserie ab, dennoch kommt der Tod lakonisch und allgegenwärtig daher. Ein Menschenleben zählt nicht viel. „Weg in die Wildnis“ ist ganz klassischer Western – und was für einer: sechs Stunden voll Hochspannung, Pioniergeist, Heldenmut, tapferer Recken, finsterer Schurken, schöner Frauen und naiver Nachwuchs-Cowboys. Freundschaft und Liebe kommen ebenfalls nicht zu kurz, auch wenn ein ganzer Kerl seine Gefühle nicht zeigt. Auch Indianer tauchen auf, vergleichsweise undifferenziert, aber ein Western muss nicht immer politisch korrekte Geschichtsstunde sein. Die Drehorte in Texas und New Mexico sind fein in Szene gesetzt. Westernstädtchen-Kulissen, Saloons, staubige Landschaften, heikle Flussüberquerungen – die Macher haben ihre Western-Hausaufgaben gemacht.

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Gus und Woodrow ziehen ins Abenteuer

„Weg in die Wildnis“ ist herausragend besetzt, zweifellos ein weiterer Grund für den Erfolg. Robert Duvall und Tommy Lee Jones bilden als zwei knorrige Buddys ein unschlagbares Team – während Duvalls Gus Röcken hinterherläuft oder den lieben Gott einen guten Mann sein lässt, stürzt sich sein Partner Woodrow gern in Arbeit.

Auch in den Nebenrollen tummeln sich prominente Namen: Robert Urich war als vielbeschäftigter Serienstar – etwa „Vegas“ und „Spenser“ – ein gern gesehenes Gesicht auf US-Fernsehbildschirmen. Danny Glover war kurz zuvor mit „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ zum Topstar geworden und hatte auch im bereits erwähnten „Silverado“ mitgewirkt. Auch Diane Lane („Untreu“) als Hure und Anjelica Huston („Die Ehre der Prizzis“) als Gus’ alte Liebe haben „Weg in die Wildnis“ ihren Stempel aufgedrückt. Chris Cooper („American Beauty“) und Steve Buscemi („Boardwalk Empire“) standen damals noch am Anfang ihrer großen Karrieren, trugen aber auch ihren Teil bei. Obwohl Duvall und Jones eindeutig als Hauptdarsteller identifizierbar sind, gewinnt die Miniserie ihre hohe Qualität nicht zuletzt aufgrund des gesamten Ensembles.

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Indianerangriff!

Als überaus gelungen kann der HD-Transfer bezeichnet werden. Das Blu-ray-Bild sieht klasse aus und bildet Kontraste und Konturen sehr gut ab. Zusammenfassend ist zu konstatieren: Wer Western im Allgemeinen und dem klassischen Western im Besonderen etwas abgewinnen kann, für den ist „Weg in die Wildnis“ Pflichtprogramm. Besser kann man das Genre kaum inszenieren – und das, obwohl die Blütezeit des klassischen Westerns zum Zeitpunkt des Drehs schon lange vorbei war. Respekt!

Die Serie besteht aus vier Episoden:

1. Leaving
2. On the Trail
3. The Plains
4. Return

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Simon Wincer sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Steve Buscemi, Robert Duvall und Tommy Lee Jones unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 27. September 2013 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 373 Min. (Blu-ray), 358 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Lonesome Dove
USA 1989
Regie: Simon Wincer
Drehbuch: William Dale Wittliff, nach dem Roman von Larry McMurtry
Besetzung: Robert Duvall, Tommy Lee Jones, Danny Glover, Diane Lane, Robert Urich, Chris Cooper, Anjelica Huston, Steve Buscemi
Zusatzmaterial: Making-of, Interview mit Romanautor Larry McMurtry, Wendecover
Vertrieb: Winkler Film (Al!ve AG)

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Winkler Film (Al!ve AG)

 

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