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Der Butler – Viel hilft viel?

09 Okt

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The Butler

Kinostart: 10. Oktober 2013

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Im November 2008, unmittelbar nachdem Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt worden war, veröffentlichte der Journalist Wil Haygood in der Washington Post unter dem Titel „A Butler Well Served by This Election“ das Porträt von Eugene Allen. Der Afroamerikaner hatte seit den 1950er- bis in die 1980er-Jahre hinein als Butler im Weißen Haus gearbeitet und dabei sieben Präsidenten gedient. Haygoods Artikel wurde zur Grundlage eines fiktionalen Drehbuchs, das Lee Daniels („Precious – Das Leben ist kostbar“) nun verfilmt hat.

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Butler Cecil bewahrt stets Haltung

Als Kind arbeitet Cecil Gaines mit seiner Familie auf einer Baumwollplantage im US-Süden. Er muss ansehen, wie ein weißer Herrenmensch,der zuvor Cecils Mutter (Mariah Carey) vergewaltigt hat, seinen Vater erschießt. Die greise Gutsherrin (Vanessa Redgrave) holt den Jungen als „Hausnigger“ von der Plantage ins Gebäude. Einige Jahre später haut Cecil ab. Seine beruflichen Fähigkeiten als Hausdiener bringen ihn bis nach Washington, wo Cecil (nun Forest Whitaker) zunächst Butler in einem Hotel, dann sogar im Weißen Haus wird. Es ist die Ära von Dwight D. Eisenhower (Robin Williams). Der 34. US-Präsident sieht sich 1957 gezwungen, Soldaten nach Little Rock in Arkansas zu entsenden, um den dunkelhäutigen Little Rock Nine den Besuch der Central High School der Stadt zu ermöglichen.

Im Hotel hat Cecil seine künftige Frau Gloria (Oprah Winfrey) kennengelernt. Mit ihr wird er zwei Söhne großziehen. Doch während sein Sohn Louis (David Oyelowo) sein Leben dem Kampf der Schwarzen um ihre Bürgerrechte widmet, bleibt Cecil viele Jahre lang unpolitisch.

Keine Frage, „Der Butler“ verströmt große Schauspielkunst von kleinen Nebenrollen bis zur Titelfigur. Es wäre verwunderlich, würde die Academy of Motion Picture Arts and Sciences Forest Whitaker für die 2014er-Oscar-Verleihung nicht mit einer Nominierung bedenken. Auch Oprah Winfrey wird ihrer 1986er-Nominierung für „Die Farbe Lila“ womöglich eine zweite hinzufügen können. Ohnehin bietet „Der Butler“ Oscar-Preisträger auf wie kaum ein anderer Film: Außer Whitaker („Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht“) sind mit Vanessa Redgrave („Julia“), Cuba Gooding Jr. („Jerry Maguire – Spiel des Lebens“), Robin Williams („Good Will Hunting – Der gute Will Hunting“) und Jane Fonda („Klute“, „Sie kehren heim“) vier weitere mit dem höchsten Filmpreis geehrte Schauspielgrößen zu sehen.

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Präsident Kennedy begrüßt seine Angestellten

Große Namen bis in kleinste Nebenrollen – das setzt sich fort und ist nicht unbedingt dienlich. Alan Rickman als Ronald Reagan ist eine Augenweide, verblüffend die Ähnlichkeit. Dennoch: Es tummeln sich zu viele Topstars, außer den bereits erwähnten Darstellern auch noch John Cusack (als Richard Nixon), Lenny Kravitz (als Butlerkollege), Liev Schreiber (als Lyndon B. Johnson) und James Marsden (als John F. Kennedy), zumal es im Einzelfall bei Miniauftritten bleibt, etwa bei Vanessa Redgraves Part oder dem von Popstar Mariah Carey. Dafür hätte man keine großen Schauspielerinnen benötigt (hoppla – das ist Carey ja auch gar nicht). Insofern bleibt von der Besetzung her der etwas schale Beigeschmack, Zeuge einer Casting-Leistungsschau geworden zu sein.

„Der Butler“ will viel, bisweilen etwas zu viel. Da ist einerseits das biografische Drama eines Mannes, der über seine beruflichen Pflichten seine Familie vernachlässigt, andererseits die Absicht, die Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen über diverse Präsidentschaften hinweg abzubilden. Dies geschieht über den Handlungsstrang von Cecils Sohn Louis, der zum Studieren nach Tennessee geht und sich dort den Bürgerrechtlern anschließt. Er wird zu einem Freedom Rider und schließt sich Martin Luther King an. Der Zwang, viel unterzubringen, tut dem Film nicht immer gut, zumal auch das Kennedy-Attentat und der Vietnamkrieg Raum beanspruchen.

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Glamouröse Gastgeber: Präsident Ronald Reagan und seine Ehefrau Nancy

Weshalb zwei Präsidenten überhaupt nicht (Gerald Ford) bzw. nur mit einer kurzen Archivaufnahme (Jimmy Carter) vorkommen, bleibt offen, geht Cecil Haines doch erst in der Amtszeit von Ronald Reagan in den Ruhestand. Aber sei’s drum, der überambitionierte Film ist mit 130 Minuten lang genug. Ob die Handlungen und Motivationen der einzelnen Präsidenten stets akkurat dargestellt sind, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Der Sohn von Ronald Reagan beispielsweise versah „Der Butler“ bereits mit harscher Kritik. Das sorgfältig ausgestattete Epos übernimmt sich zwar etwas, bietet aber sowohl große Schauspielkunst als auch einen Abriss der US-Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In den USA erzielt „Der Butler“ formidable Einspielergebnisse, was bei der patriotischen Thematik und der Vielzahl an Stars nicht verwundert. Die eine oder andere Oscar-Nominierung wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit herausspringen. Ob das Werk auch den europäischen Filmmarkt dominieren kann?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Cusack, Alan Rickman, Forest Whitaker und/oder Robin Williams sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Butler
USA 2013
Regie: Lee Daniels
Drehbuch: Danny Strong
Besetzung: Forest Whitaker, Oprah Winfrey, Cuba Gooding Jr., Lenny Kravitz, David Oyelowo, Alan Rickman, Jane Fonda, John Cusack, Robin Williams, James Marsden, Liev Schreiber, Vanessa Redgrave, Mariah Carey
Verleih: Prokino Filmverleih GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Prokino Filmverleih GmbH

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