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Drecksau

16 Okt

drecksau-plakat

Filth

Kinostart: 17. Oktober 2013

Von Volker Schönenberger

Psychodrama // Gleich mit seinem Debütroman „Trainspotting“ wurde der Schotte Irvine Welsh zum Bestsellerautor und Enfant terrible der Literaturszene. Die Verfilmung des Buchs entwickelte sich gar zum Kultfilm (dieses inflationär verwendete Attribut ist in diesem Fall angebracht). Seine in der Regel in Edinburgh angesiedelten Werke handeln von Drogenkonsum, Gewalt und Kriminalität, so auch „Drecksau“, dessen Verfilmung nun ins Kino kommt.

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Auf der Weihnachtsfeier gibt Bruce den großen Zampano

Detective Sergeant Bruce Robertson (James McAvoy) ist ein korrupter und intriganter Mistkerl – eine Kokain schnupfende und misanthropische Drecksau. Die offene Position des Detective Inspector will er unbedingt ergattern, damit seine Frau zu ihm zurückkehrt. Also hetzt er die Kollegen gegeneinander auf, schmäht den einen hinter dessen Rücken als schwul, vögelt die Frau des anderen, obwohl er sie verachtet und auch so behandelt. Den jüngsten Mordfall darf Robertson immerhin schon mal kommissarisch als leitender Ermittler bearbeiten. Seine Ausfälle nehmen allerdings überhand, nach und nach wird sein Verhalten immer wahnwitziger.

„Die Hauptrolle musste mit einem Allroundtalent besetzt werden, weil sie einem Schauspieler alle Extreme zwischen Komödie, Tragödie, Gewalt, Sex und Wahnsinn abverlangen würde. Wer auch immer den Part bekommen sollte, er würde den ganzen Einsatz zeigen müssen. Denn Bruce Robertson taucht in jeder Szene auf.“ So äußert sich Regisseur John S. Baird im Presseheft zum Film. Er berichtet auch von seiner Annahme, James McAvoy sei wohlbehütet in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, bis dieser ihm beim ersten Treffen erzählt habe, dass das gar nicht der Fall gewesen ist. Tatsächlich ist McAvoy in einfachen Verhältnissen in Glasgow aufgewachsen.

Jedenfalls äußert Baird, McAvoy sei für ihn der perfekte Bruce Robertson. Nun mag das keine überraschende Aussage eines Regisseurs sein, der seinen Film vermarkten will, schon gar nicht in einem Presseheft, das letztlich nichts weiter ist als ein PR-Produkt. Es sei auch eingestanden, dass James McAvoy dem Rezensenten anfangs in erster Linie in den schauspielerisch eher anspruchslosen „Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia“ und „Wanted“ aufgefallen ist. Aber „Der letzte König von Schottland“, „X-Men – Erste Entscheidung“ und jüngst „Trance – Gefährliche Erinnerung“ offenbarten vielseitige Qualitäten, die der 1979 geborene Schotte nun als „Drecksau“ voll ausspielt. Seine beeindruckende Darstellung trägt den Film, obwohl auch die Nebenrollen gut besetzt und gespielt sind, u. a. mit Jamie Bell („King Kong“), Eddie Marsan („The World’s End“), Imogen Poots („28 Weeks Later“) und Oscar-Preisträger Jim Broadbent („Iris“).

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Bladesey (l.) und Bruce machen den Hamburger Kiez unsicher

„Drecksau“ ist ein schmutziger Trip ins finstere Herz einer kranken Seele und Schauspielerkino par excellence. Es gibt leise Momente der Hoffnung, etwa mit der Witwe eines Mannes, dem Robertson vergeblich das Leben zu retten versucht hat, doch sie halten nicht lange vor. Mit solchen Rollen kann sich McAvoy in Gefilde begeben, in denen man wichtige Filmpreise gewinnt.

Länge: 97 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Filth
GB 2013
Regie: John S. Baird
Drehbuch: John S. Baird, nach einem Roman von Irvine Welsh
Besetzung: James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Jim Broadbent, David Soul, Eddie Marsan
Verleih: Ascot Elite / 24 Bilder

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2013 Ascot Elite / 24 Bilder

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