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Die Tribute von Panem – Catching Fire: Girl on Fire

28 Nov

CatchingFire

Kinostart: 21. November 2013

Von Matthias Holm

SF-Action // Sie brennt wieder. Nach ihrem Oscargewinn für „Silver Linings“ schlüpft Jennifer Lawrence zum zweiten Mal in die Rolle, die sie bei einem breiteren Publikum bekannt machte: Katniss Everdeen, das Mädchen, das in Flammen steht. Die Verfilmung des ersten Panem-Buches aus der Feder von Suzanne Collins wurde nicht nur von den Fans gefeiert, auch die Kritiker sahen, dass die Dystopie, in der Jugendliche sich bis zum Tod bekämpfen müssen, mehr als nur eine plumpe „Battle Royale“-Kopie war. Der zweite Film knüpft nun nahtlos an den starken Vorgänger an – offenbart aber bei der Inszenierung leider ein paar Schwächen.

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Katniss ist bereit für den Kampf

Katniss muss zurück in die Arena

Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) es mit einem Trick geschafft hat, dass sowohl sie als auch ihr Mitstreiter Peeta Mellark (Josh Hutcherson) die 74. Hungerspiele gewinnen, lebt sie zusammen mit ihrer Familie weiter in Distrikt 12 und wird von den Ereignissen in der Arena heimgesucht. Auf der „Tour der Sieger“, bei der die Gewinner Reden auf die gefallen Tribute der einzelnen Distrikte halten sollen, wird Katniss klar, dass sie etwas angestoßen hat: Die Menschen trauen sich, dem übermächtigen Kapitol Widerstand zu leisten. Das sieht allerdings auch der Herrscher von Panem, Präsident Snow (Donald Sutherland). Um zu demonstrieren, dass sich niemand ungestraft gegen das Kapitol stellt, schmiedet er mit dem neuen obersten Spielmacher Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) einen Plan. Bei der nächsten Ausgabe der Hungerspiele werden die Teilnehmer der Distrikte aus den bisherigen Siegern ausgelost – und so muss Katniss zurück in die Arena.

Kenner des Buches können beruhigt sein: Dem neuen Regisseur Francis Lawrence („I Am Legend“) gelingt es, die Welt von Panem ebenso hervorragend auf die Leinwand zu übertragen wie sein Vorgänger Gary Ross. Ob die dreckigen und heruntergekommen Distrikte, der prunkvolle Präsidentenpalast oder die tropische Arena – die Schauwerte sind einem Blockbuster dieser Größe angemessen.

Die „Love Interests“ bleiben blass

Auch die schauspielerischen Leistungen stimmen. Jennifer Lawrence zeigt wieder mal, dass sie eine der talentiertesten Schauspielerin der Traumfabrik ist, Woody Harrelson sorgt als versoffener Mentor Haymitch erneut für trockene One-Liner und Donald Sutherland gibt Präsident Snow genau die Portion Arroganz, die die Rolle benötigt. Auch die Neuzugänge spielen überzeugend, allen voran Philip Seymour Hoffman als undurchschaubares Superhirn hinter der neuen, noch tödlicheren Arena sowie Sam Claflin als charismatischer Tribut aus Distrikt 4, Finnick Odair (auch wenn seine Synchronstimme nicht so richtig zu ihm passen will). Die einzigen Darsteller, die da ein wenig abfallen, sind ausgerechnet die beiden „Love Interests“ von Katniss: Liam Hemsworth hat wie schon im ersten Film einfach zu wenig Leinwandzeit, um seiner Figur Profil zu verleihen, Josh Hutcherson bleibt als Peeta weiterhin der verliebte Milchbubi, der super malen kann.

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Präsident Snow, der Mann für die großen Gesten

Da die Tribute wissen, dass sie vom Kapitol betrogen wurden, halten sie sich nicht lange mit der im ersten Film noch recht elementaren Suche nach Sponsoren auf, die ihnen während der Spiele helfen können. Stattdessen suchen sie Verbündete und versuchen, die Spiele zu sabotieren. In der berühmten Talkshow mit Caesar Flickerman (Stanley Tucci) vor den Spielen halten alle Teilnehmer mehr oder weniger offensichtliche Hasstiraden gegen das Kapitol und die Ungerechtigkeit, wieder in die Arena zu müssen. Regisseur Lawrence nimmt sich genügend Zeit, um die neuen Kandidaten des Todesspiels vorzustellen und zu charakterisieren. Das ist auch bitter nötig, denn sobald die Arena betreten wird, soll das Gemetzel losgehen.

Bedrohliche Paviane

So zumindest war es beim ersten Film. Auch wenn die Wackelkamera teilweise genervt hat, war man auf diese Weise doch ein wenig näher am Geschehen, konnte die Panik der Teilnehmer beinahe spüren. Auch in den Sterbeszenen gab es da kein Pardon: Wenn jemand von einem Speer oder Pfeil durchbohrt wurde, hat man das recht deutlich gesehen. Lawrence scheint vor dieser Art der Gewaltdarstellung Angst zu haben. Da geht schnell eine Tür zu, wenn ein alter Mann exekutiert wird, oder es wird fix zu einem anderen Zweikampf geschnitten, bevor man als Zuschauer überhaupt die Chance hat, sich zu vergewissern, ob der gerade beschossene Tribut nun tot ist oder nicht. Damit nimmt Lawrence seinem Film einiges an Wirkung. Denn gerade die Todesszenen haben einen schwer schlucken lassen und zum Nachdenken über die Sinnlosigkeit der Hungerspiele angeregt. Was ihm allerdings hervorragend gelingt sind die Fallen der Arena. Noch nie waren Paviane so bedrohlich, giftige Nebelschwaden so unheimlich.

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Gale wird von Friedenswächtern verhaftet

Am Ende fühlt sich der Film trotz seiner fast zweieinhalbstündigen Laufzeit fast ein wenig gehetzt an. Er ist im Grunde genommen viel zu schnell vorbei und am Ende werden wichtige Storyelemente fast beiläufig erklärt. Trotzdem ist „Catching Fire“ ein sehr guter Blockbuster mit tollen Schauspielern. Wer den ersten Film noch nicht gesehen hat: Am besten nachholen und ab ins Kino!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jennifer Lawrence sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Woody Harrelson und Donald Sutherland unter Schauspieler.

Länge: 146 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Hunger Games – Catching Fire
USA 2013
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael Arndt, nach dem Roman von Suzanne Collins
Besetzung: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Lenny Kravitz, Philip Seymour Hoffman, Stanley Tucci, Donald Sutherland, Jeffrey Wright, Amanda Plummer, Sam Claflin
Verleih: Studiocanal

Copyright 2013 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Studiocanal

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2 Kommentare

Verfasst von - 2013/11/28 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Die Tribute von Panem – Catching Fire: Girl on Fire

  1. Matthias

    2013/12/04 at 19:19

    So viel mehr geben die Spiele auch aus dem Buch nicht wirklich her. Ich für meinen Teil fand auch den „politik-lastigen Teil“, wie du ihn nennst, deutlich spannender, weil die Gefahr da eher unterschwellig war. Zum Thema Storyelemente: Meine Begleitperson im Kino hat am Ende zum Beispiel, wie einige andere Kinogänger auch, nicht mitbekommen, dass Katniss am Ende in Distrikt 13 ist, der gar nicht mehr existieren dürfte. Das ist im Buch aber ein relativ wichtiger Teil, der hin und wieder aufgegriffen wird, aber im Film nicht ein Mal. Auch hätte man die Zerstörung von Distrikt 12 ruhig zeigen können, anstatt es einfach zu behaupten. Allerdings hoffe ich, dass Herr Lawrence sich das für den nächsten Teil aufspart 🙂

     
  2. Guest

    2013/12/01 at 12:24

    Insgesamt guter Kommentar, allerdings muss man meiner Meinung nach den Film aufteilen. Zum einen in den langatmigen, politik-lastigen Teil bis zu den Spielen und in den weitaus spannenderen Teil der Spiele. Ich als Nichtkenner des Buches finde, man hätte den ersten Teil der Story etwas kürzen können und dafür die Spiele ausführlicher zeigen können.

    Wie gesagt, ich kenne das Buch nicht, daher wüsste ich gerne, welche „wichtigen“ Storyelemente deiner Meinung nach nur beiläufig erwähnt wurden.

     

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