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Iron Sky – Director’s Cut: Die Mond-Nazis kommen

28 Nov

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Iron Sky

Von Volker Schönenberger

SF-Action-Parodie // Mit der Kinofassung war Regisseur Timo Vuorensola etwas unzufrieden. Der Film sei 2012 erst 48 Stunden vor der Premiere bei der Berlinale fertig geworden, diverse noch nicht fertiggestellte Szenen seien dem Zeitdruck zum Opfer gefallen, berichtete Vuorensola anlässlich der Premiere des Director’s Cuts bei der 2013er-Berlinale. Die neue Fassung sei 20 Minuten länger und dadurch epischer, der Film nun so, wie er ihn von Anfang an haben wollte.

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Mond-Nazis auf der Lauer

Die Handlung ist irrwitzig: Eine US-Mondmission entdeckt im Jahr 2018 auf der dunklen Seite des Monds eine deutsche Kolonie. Die Nazis waren 1945 nach dem Ende des zweiten Weltkriegs dorthin ausgewandert. Einer der Astronauten wird sogleich erschossen, den anderen nimmt der SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) fest, um ihn seinem Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) vorzuführen. Der Amerikaner James Washington (Christopher Kirby) entpuppt sich als Schwarzer. Das liefert dem Nazi-Forscher Professor Richter (Tilo Prückner) eine gute Gelegenheit, sein Albinisierungs-Serum auszuprobieren, das Washingtons Haut bleicht.

Das den überdimensionalen Großcomputer der Nazis mit seiner Rechenleistung in den Schatten stellende Smartphone des US-Astronauten weckt Begehrlichkeiten. So bricht bald eine von Adler geführte Expedition vom Mond zur Erde auf. Ihn begleitet u. a. seine Verlobte, die Englischlehrerin Renate Richter (Julia Dietze). Auch der ohne sein Wissen nun weißhäutige Washington ist mit von der Partie.

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Auch auf dem Mond marschiert sich’s gern

„Iron Sky“ strotzt als grotesker Trashfilm vor bizarren Ideen. Charlie Chaplins Meisterwerk „Der große Diktator“ ist von den Nazis auf dem Mond zur Täuschung der Untertanen zu einem zehnminütigen Kurzfilm zusammengeschnitten worden, der Chaplins Traum illustriere, eines Tages werde der Führer die gesamte Welt in seinen weisen Händen halten. Die US-Präsidentin erinnert – wohl kaum zufällig – an Sarah Palin und hat die Mondmission als PR-Aktion zum Zweck ihrer Wiederwahl geplant. An Zeppeline erinnernde Raumschiffträger enthalten Reichsflugscheiben, die zwecks Invasion der Erde ausschwärmen. Ein US-Raumschiff trägt den Namen „George W. Bush“. Als sich die Invasionsflotte der Mond-Nazis der Erde nähert, stellt sich heraus, dass alle Raumfahrtnationen entgegen ihrer Beteuerungen ihre Raumstationen und sonstigen Weltall-Flugkörper mit Waffen bestückt haben, nur die Finnen nicht. Darüber hinaus ist der Film gespickt mit Anspielungen und Filmzitaten, die es zu entdecken gilt (nein, an dieser Stelle gibt’s dafür keine Hilfe).

Einen Teil des Gesamtbudgets von 7,5 Millionen Euro hatten die Produzenten mittels Crowdfunding zusammengetragen. Für die vergleichsweise geringen finanziellen Mittel sieht „Iron Sky“ sehr gut aus. Die visuellen Effekte, die Nazisiedlung auf dem Mond, die Raumfahrzeuge und Weltraumschlachten – optisch gibt’s nichts auszusetzen. Die handelnden Figuren sind eindimensionale Karikaturen, was wohl auch so vorgesehen war und seinen Zweck erfüllt.

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SS-Offizier Klaus Adler erkundet die Erde

Um an „Iron Sky“ Gefallen zu finden, ist ein gewisser Sinn für absurden Humor erforderlich. Ist man damit ausgestattet, funktioniert das trashige Epos aber tatsächlich – als Nazi-Verarschung sowieso. Die Sichtung der Kinofassung liegt zu lange zurück, um sie mit dem Director’s Cut vergleichen zu können. Jedenfalls ist die Langfassung zu keinem Zeitpunkt langweilig. Beseitigt sie Logiklöcher? Wohl kaum, ein solcher Film lebt doch von Logiklöchern! „Iron Sky“ ist zweifellos eher ausgelassener Spaß als seriöse Satire – macht aber nichts. Das Werk polarisiert, keine Frage. Für den einen ist’s eine langweilige, platte und mutlose Klamotte, für den anderen ganz großes Trash-Vergnügen. Ich schließe mich dem zweiten Urteil an.

Veröffentlichung: 29. November 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Iron Sky
FIN/D/AUS 2012
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Johanna Sinisalo, Jarmo Puskala, Michael Kalesniko, Timo Vuorensola
Besetzung: Udo Kier, Götz Otto, Julia Dietze, Christopher Kirby, Tilo Prückner
Zusatzmaterial: Featurette, Interviews, Berlinale-Special, Galerie, neues Making-of, Trailer Director’s Cut
Vertrieb: splendid film GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 splendid film GmbH

 
 

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Eine Antwort zu “Iron Sky – Director’s Cut: Die Mond-Nazis kommen

  1. Wortman

    2013/12/01 at 20:13

    Iron Sky ist doch erstklassiger Trash. Ich hab mich köstlich amüsiert beim Schauen 😉

     

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