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Archiv für den Monat November 2013

Die Tribute von Panem – Catching Fire: Girl on Fire

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Kinostart: 21. November 2013

Von Matthias Holm

SF-Action // Sie brennt wieder. Nach ihrem Oscargewinn für „Silver Linings“ schlüpft Jennifer Lawrence zum zweiten Mal in die Rolle, die sie bei einem breiteren Publikum bekannt machte: Katniss Everdeen, das Mädchen, das in Flammen steht. Die Verfilmung des ersten Panem-Buches aus der Feder von Suzanne Collins wurde nicht nur von den Fans gefeiert, auch die Kritiker sahen, dass die Dystopie, in der Jugendliche sich bis zum Tod bekämpfen müssen, mehr als nur eine plumpe „Battle Royale“-Kopie war. Der zweite Film knüpft nun nahtlos an den starken Vorgänger an – offenbart aber bei der Inszenierung leider ein paar Schwächen.

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Katniss ist bereit für den Kampf

Katniss muss zurück in die Arena

Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) es mit einem Trick geschafft hat, dass sowohl sie als auch ihr Mitstreiter Peeta Mellark (Josh Hutcherson) die 74. Hungerspiele gewinnen, lebt sie zusammen mit ihrer Familie weiter in Distrikt 12 und wird von den Ereignissen in der Arena heimgesucht. Auf der „Tour der Sieger“, bei der die Gewinner Reden auf die gefallen Tribute der einzelnen Distrikte halten sollen, wird Katniss klar, dass sie etwas angestoßen hat: Die Menschen trauen sich, dem übermächtigen Kapitol Widerstand zu leisten. Das sieht allerdings auch der Herrscher von Panem, Präsident Snow (Donald Sutherland). Um zu demonstrieren, dass sich niemand ungestraft gegen das Kapitol stellt, schmiedet er mit dem neuen obersten Spielmacher Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) einen Plan. Bei der nächsten Ausgabe der Hungerspiele werden die Teilnehmer der Distrikte aus den bisherigen Siegern ausgelost – und so muss Katniss zurück in die Arena.

Kenner des Buches können beruhigt sein: Dem neuen Regisseur Francis Lawrence („I Am Legend“) gelingt es, die Welt von Panem ebenso hervorragend auf die Leinwand zu übertragen wie sein Vorgänger Gary Ross. Ob die dreckigen und heruntergekommen Distrikte, der prunkvolle Präsidentenpalast oder die tropische Arena – die Schauwerte sind einem Blockbuster dieser Größe angemessen.

Die „Love Interests“ bleiben blass

Auch die schauspielerischen Leistungen stimmen. Jennifer Lawrence zeigt wieder mal, dass sie eine der talentiertesten Schauspielerin der Traumfabrik ist, Woody Harrelson sorgt als versoffener Mentor Haymitch erneut für trockene One-Liner und Donald Sutherland gibt Präsident Snow genau die Portion Arroganz, die die Rolle benötigt. Auch die Neuzugänge spielen überzeugend, allen voran Philip Seymour Hoffman als undurchschaubares Superhirn hinter der neuen, noch tödlicheren Arena sowie Sam Claflin als charismatischer Tribut aus Distrikt 4, Finnick Odair (auch wenn seine Synchronstimme nicht so richtig zu ihm passen will). Die einzigen Darsteller, die da ein wenig abfallen, sind ausgerechnet die beiden „Love Interests“ von Katniss: Liam Hemsworth hat wie schon im ersten Film einfach zu wenig Leinwandzeit, um seiner Figur Profil zu verleihen, Josh Hutcherson bleibt als Peeta weiterhin der verliebte Milchbubi, der super malen kann.

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Präsident Snow, der Mann für die großen Gesten

Da die Tribute wissen, dass sie vom Kapitol betrogen wurden, halten sie sich nicht lange mit der im ersten Film noch recht elementaren Suche nach Sponsoren auf, die ihnen während der Spiele helfen können. Stattdessen suchen sie Verbündete und versuchen, die Spiele zu sabotieren. In der berühmten Talkshow mit Caesar Flickerman (Stanley Tucci) vor den Spielen halten alle Teilnehmer mehr oder weniger offensichtliche Hasstiraden gegen das Kapitol und die Ungerechtigkeit, wieder in die Arena zu müssen. Regisseur Lawrence nimmt sich genügend Zeit, um die neuen Kandidaten des Todesspiels vorzustellen und zu charakterisieren. Das ist auch bitter nötig, denn sobald die Arena betreten wird, soll das Gemetzel losgehen.

Bedrohliche Paviane

So zumindest war es beim ersten Film. Auch wenn die Wackelkamera teilweise genervt hat, war man auf diese Weise doch ein wenig näher am Geschehen, konnte die Panik der Teilnehmer beinahe spüren. Auch in den Sterbeszenen gab es da kein Pardon: Wenn jemand von einem Speer oder Pfeil durchbohrt wurde, hat man das recht deutlich gesehen. Lawrence scheint vor dieser Art der Gewaltdarstellung Angst zu haben. Da geht schnell eine Tür zu, wenn ein alter Mann exekutiert wird, oder es wird fix zu einem anderen Zweikampf geschnitten, bevor man als Zuschauer überhaupt die Chance hat, sich zu vergewissern, ob der gerade beschossene Tribut nun tot ist oder nicht. Damit nimmt Lawrence seinem Film einiges an Wirkung. Denn gerade die Todesszenen haben einen schwer schlucken lassen und zum Nachdenken über die Sinnlosigkeit der Hungerspiele angeregt. Was ihm allerdings hervorragend gelingt sind die Fallen der Arena. Noch nie waren Paviane so bedrohlich, giftige Nebelschwaden so unheimlich.

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Gale wird von Friedenswächtern verhaftet

Am Ende fühlt sich der Film trotz seiner fast zweieinhalbstündigen Laufzeit fast ein wenig gehetzt an. Er ist im Grunde genommen viel zu schnell vorbei und am Ende werden wichtige Storyelemente fast beiläufig erklärt. Trotzdem ist „Catching Fire“ ein sehr guter Blockbuster mit tollen Schauspielern. Wer den ersten Film noch nicht gesehen hat: Am besten nachholen und ab ins Kino!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jennifer Lawrence sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Woody Harrelson, Donald Sutherland und Stanley Tucci unter Schauspieler.

Länge: 146 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Hunger Games – Catching Fire
USA 2013
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael Arndt, nach dem Roman von Suzanne Collins
Besetzung: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Lenny Kravitz, Philip Seymour Hoffman, Stanley Tucci, Donald Sutherland, Jeffrey Wright, Amanda Plummer, Sam Claflin
Verleih: Studiocanal

Copyright 2013 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Studiocanal

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2013/11/28 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Iron Sky – Director’s Cut: Die Mond-Nazis kommen

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Iron Sky

Von Volker Schönenberger

SF-Action-Parodie // Mit der Kinofassung war Regisseur Timo Vuorensola etwas unzufrieden. Der Film sei 2012 erst 48 Stunden vor der Premiere bei der Berlinale fertig geworden, diverse noch nicht fertiggestellte Szenen seien dem Zeitdruck zum Opfer gefallen, berichtete Vuorensola anlässlich der Premiere des Director’s Cuts bei der 2013er-Berlinale. Die neue Fassung sei 20 Minuten länger und dadurch epischer, der Film nun so, wie er ihn von Anfang an haben wollte.

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Mond-Nazis auf der Lauer

Die Handlung ist irrwitzig: Eine US-Mondmission entdeckt im Jahr 2018 auf der dunklen Seite des Monds eine deutsche Kolonie. Die Nazis waren 1945 nach dem Ende des zweiten Weltkriegs dorthin ausgewandert. Einer der Astronauten wird sogleich erschossen, den anderen nimmt der SS-Offizier Klaus Adler (Götz Otto) fest, um ihn seinem Führer Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) vorzuführen. Der Amerikaner James Washington (Christopher Kirby) entpuppt sich als Schwarzer. Das liefert dem Nazi-Forscher Professor Richter (Tilo Prückner) eine gute Gelegenheit, sein Albinisierungs-Serum auszuprobieren, das Washingtons Haut bleicht.

Das den überdimensionalen Großcomputer der Nazis mit seiner Rechenleistung in den Schatten stellende Smartphone des US-Astronauten weckt Begehrlichkeiten. So bricht bald eine von Adler geführte Expedition vom Mond zur Erde auf. Ihn begleitet u. a. seine Verlobte, die Englischlehrerin Renate Richter (Julia Dietze). Auch der ohne sein Wissen nun weißhäutige Washington ist mit von der Partie.

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Auch auf dem Mond marschiert sich’s gern

„Iron Sky“ strotzt als grotesker Trashfilm vor bizarren Ideen. Charlie Chaplins Meisterwerk „Der große Diktator“ ist von den Nazis auf dem Mond zur Täuschung der Untertanen zu einem zehnminütigen Kurzfilm zusammengeschnitten worden, der Chaplins Traum illustriere, eines Tages werde der Führer die gesamte Welt in seinen weisen Händen halten. Die US-Präsidentin erinnert – wohl kaum zufällig – an Sarah Palin und hat die Mondmission als PR-Aktion zum Zweck ihrer Wiederwahl geplant. An Zeppeline erinnernde Raumschiffträger enthalten Reichsflugscheiben, die zwecks Invasion der Erde ausschwärmen. Ein US-Raumschiff trägt den Namen „George W. Bush“. Als sich die Invasionsflotte der Mond-Nazis der Erde nähert, stellt sich heraus, dass alle Raumfahrtnationen entgegen ihrer Beteuerungen ihre Raumstationen und sonstigen Weltall-Flugkörper mit Waffen bestückt haben, nur die Finnen nicht. Darüber hinaus ist der Film gespickt mit Anspielungen und Filmzitaten, die es zu entdecken gilt (nein, an dieser Stelle gibt’s dafür keine Hilfe).

Einen Teil des Gesamtbudgets von 7,5 Millionen Euro hatten die Produzenten mittels Crowdfunding zusammengetragen. Für die vergleichsweise geringen finanziellen Mittel sieht „Iron Sky“ sehr gut aus. Die visuellen Effekte, die Nazisiedlung auf dem Mond, die Raumfahrzeuge und Weltraumschlachten – optisch gibt’s nichts auszusetzen. Die handelnden Figuren sind eindimensionale Karikaturen, was wohl auch so vorgesehen war und seinen Zweck erfüllt.

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SS-Offizier Klaus Adler erkundet die Erde

Um an „Iron Sky“ Gefallen zu finden, ist ein gewisser Sinn für absurden Humor erforderlich. Ist man damit ausgestattet, funktioniert das trashige Epos aber tatsächlich – als Nazi-Verarschung sowieso. Die Sichtung der Kinofassung liegt zu lange zurück, um sie mit dem Director’s Cut vergleichen zu können. Jedenfalls ist die Langfassung zu keinem Zeitpunkt langweilig. Beseitigt sie Logiklöcher? Wohl kaum, ein solcher Film lebt doch von Logiklöchern! „Iron Sky“ ist zweifellos eher ausgelassener Spaß als seriöse Satire – macht aber nichts. Das Werk polarisiert, keine Frage. Für den einen ist’s eine langweilige, platte und mutlose Klamotte, für den anderen ganz großes Trash-Vergnügen. Ich schließe mich dem zweiten Urteil an.

Veröffentlichung: 29. November 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Iron Sky
FIN/D/AUS 2012
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Johanna Sinisalo, Jarmo Puskala, Michael Kalesniko, Timo Vuorensola
Besetzung: Udo Kier, Götz Otto, Julia Dietze, Christopher Kirby, Tilo Prückner
Zusatzmaterial: Featurette, Interviews, Berlinale-Special, Galerie, neues Making-of, Trailer Director’s Cut
Vertrieb: splendid film GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 splendid film GmbH

 
 

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Gambit – Der Masterplan: Ein Remake wird Schachmatt gesetzt

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Gastrezension von Florian Schneider

Gaunerkomödie // Ein Gambit ist ein Begriff aus dem Schach, der ein Scheinopfer bezeichnet, also ein Opfer, das einem höheren Ziel gilt, beispielsweise der Verbesserung der eigenen Stellung oder einem Tempogewinn. Damit ist auch klar, dass der Plan des englischen Kunstkurators Harry Deane (Collin Firth), seinem despotischen Chef Lionel Shabandar (Alan Rickman) einen gefälschten Monet unterzuschieben, eine Hintertür hat. Diese wird dem Zuschauer natürlich erst am Ende des Filmes offenbart werden. Bis dahin darf fröhlich herumgealbert werden, auch unter tatkräftiger Mithilfe von Cameron Diaz, die als Cowgirl PJ Puznowski dem fiesen Shabandar seine Grenzen aufzeigt.

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Wird sich Shabandar von Rodeoreiterin PJ Puznowski hinters Licht führen lassen?

Die Coens, die das Drehbuch zu „Gambit“ verfassten, aber nicht Regie führten, gehören zweifellos zu den Großmeistern des postmodernen Kinos. Doch auch sie sind nicht unfehlbar. Bereits 2004 wagten sie sich mit „The Ladykillers“ an ein Remake eines Komödienklassikers – mit mäßigem Erfolg. Und auch bei „Gambit“ zünden die Gags nicht richtig, wirkt die Geschichte vorhersehbar, teilweise albern und uninspiriert. Anschauen kann man sich das trotzdem, auch dank des großartigen Alan Rickman, doch dass aus diesem Remake eines Klassikers ebenfalls ein Klassiker werden wird, ist eher unwahrscheinlich. Dass so etwas möglich ist, haben die Coens 2010 mit „True Grit – Vergeltung“ selbst bewiesen.

„Gambit – Der Masterplan“ ist das Remake des Gaunerkomödienklassikers „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (1966) mit Shirley MacLaine, Michael Caine und Herbert Lom. Im Original funktionieren das Drehbuch und damit die Geschichte deutlich besser und auch das Darstellertrio agiert charmant und überzeugend. Abgesehen vom sinnlosen deutschen Filmtitel also ein klarer Sieg für das Original.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Colin Firth, Alan Rickman und Stanley Tucci haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 12. November 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, nur Blu-ray: Deutsche Hörfilmfassung für Sehgeschädigte
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gambit
USA 2012
Regie: Michael Hoffman
Drehbuch: Ethan & Joel Coen
Besetzung: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Stanley Tucci, Tom Courtenay
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2013 by Florian Schneider
Foto & Packshot: © 2013 Concorde Home Entertainment

 

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