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Katzenmenschen – Nastassja Kinskis blutiges Miau

07 Dez

Katzenmenschen_Cover

Cat People

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein reizvolles Double Feature – wenn auch mit ein paar Stunden Pause dazwischen geschaut: erst das schwarz-weiße 1942er-Original, später das farbige 1982er-Remake von „Katzenmenschen“. Bereits der Vorspann des jüngeren verdeutlicht, dass es zwei völlig unterschiedliche Filme sind: Die Credits erscheinen vor dem Hintergrund rötlichen Wüstensands, der mit menschlichen Knochen gespickt ist. Ein daran anschließender Prolog zeigt, wie Männer eines in alter Zeit in der Wüste lebenden Stammes eine junge Frau an einen Baum binden. Nachts nähert sich ihr ein Panther …

Irena Gallier (Nastassja Kinski) ist nach dem Tod ihrer Eltern im Waisenhaus und bei Pflegeeltern aufgewachsen, nun kommt die junge Frau zu ihrem Bruder Paul (Malcolm McDowell, „Uhrwerk Orange“) nach New Orleans. Bald darauf verschwindet Paul und eine Prostituierte wird in einem Stundenhotel von einem Panther angegriffen. Der Zoologe Oliver Yates (John Heard) kann das Tier fangen und in den Zoo bringen – Beginn einer Kette verstörender Ereignisse, die Irena an die entsetzlichen Grenzen ihrer Identität bringen.

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Oliver und seine Kollegin Alice trauen ihren Augen nicht

Nette Anspielung: Wie in meiner Rezension des Originals erwähnt, gab eine Sequenz des Films einem Effekt den Namen: Lewton Bus. Eine vergleichbare Szene findet sich auch im Remake, gefolgt von einer Swimmingpool-Szene, die ebenfalls eng am Original klebt. Werten wir es weniger als Kopie denn als Hommage, da sich die Neuverfilmung ansonsten stark von der Vorlage löst. Eine Legende von Katzenmenschen ist Grundlage beider Filme – Wesen, die unter gewissen Bedingungen ihre menschliche Gestalt ablegen und zu Panthern werden. Darin erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten.

Regisseur Paul Schrader („Ein Mann für gewisse Stunden“) findet seinen eigenen Ansatz. Der ist deutlicher und drastischer als im Original, was sowohl Gewalt als auch Sex angeht. Verließ sich Jacques Torneur bei seiner Regie 1942 visuell in erster Linie auf das Spiel von Licht und Schatten, so nehmen 1982 nackte Haut, Blut und visuelle Spezialeffekte breiten Raum ein. Es hätte der Swimmingpool-Szene keinen Abbruch getan, wenn Yates dort im Wasser plantschende Kollegin Alice (Annette O’Toole) ein Bikini-Oberteil angehabt hätte, um ein Beispiel zu nennen. Auch das Inzestmotiv des Remakes ist im Original nicht zu finden. Permanentes Zerfleischen sollte niemand erwarten, Gewalt wird eher punktuell gezeigt – dann aber auch mal heftig: Was streckt der Zoowärter auch seinen Arm in den Pantherkäfig?

Tourneurs klassischer Grusel war stilprägender und hat fürs Horrorgenre zweifellos mehr getan als die Neuverfilmung. Die hat in ihrer stylishen 80er-Anmutung aber auch ihre Qualitäten. Ein paar Längen sind zu überbrücken, knapp zwei Stunden hätten es nicht werden müssen. Dennoch fesselt der Film und bietet visuell und inhaltlich durchaus die eine oder andere Überaschung.

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Kann das wirklich Irena sein?

Nastassja Kinski ist in der Rolle der Irena nun erstmals auf Blu-ray zu sehen. Klare Konturen, deutliche Farben, scharfes Bild – der HD-Transfer erscheint gelungen, seine drei Jahrzehnte sieht man dem Film nicht an.

David Bowie steuerte den von Giorgio Moroder komponierten Titelsong „Putting out the Fire (Theme from Cat People)“ bei.

Zur Rezension des 1942er-Originals von „Katzenmenschen“ geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Malcolm McDowell und Ray Wise sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Im „Katzenmenschen“-Remake hat Wise allerdings nur einen Kurzauftritt.

Veröffentlichung: 8. November 2013 als Blu-ray

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Cat People
USA 1982
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Alan Ormsby
Besetzung: Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard, Annette O’Toole, Ruby Dee, Frankie Faison, Ray Wise, Ed Begley Jr.
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Paul Schrader, Interview mit Paul Schrader (10 Min.), intimes Porträt von Paul Schrader von 2000 (25 Min.), Diskussion mit Effektkünstler Tom Burman (11 Min.), visuelle Effekte (3 Min.), Filmemacher Robert Wise über Val Lewton (3 Min.), Deutscher Trailer, US-Trailer, Trailer des Originalfilms „Cat People“ (1942)
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Koch Media

 

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