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Ernest & Célestine – Das Hohelied der Freundschaft

11 Dez

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Ernest et Célestine

Von Volker Schönenberger

Zeichentrick-Abenteuer // Ein Bär und eine Maus als beste Freunde – Ernest und Célestine sind ein ungewöhnliches Paar. Die Kinderbuchreihe der belgischen Malerin und Autorin Gabrielle Vincent erfreut sich im französischsprachigen Raum großer Beliebtheit. In Deutschland sind die Bände in den 80er- und 90er-Jahren unter dem Titel „Mimi und Brumm“ erschienen. 2008 und 2009 hat der Tulipan VerlagWeihnachten bei Ernest und Celestine“ bzw. „Ernest und Celestine suchen Simon“ veröffentlicht.

Die Verfilmung des Kennenlernens von Bär Ernest und Maus Célestine wurde mehrfach prämiert, u. a. mit einem César. In Deutschland kam der liebevoll per Hand animierte Zeichentrickfilm gar nicht erst ins Kino; immerhin lief er beim Filmfest München im Rahmen des Kinderfilmfests, wo er den Publikumspreis zugesprochen bekam. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist „Ernest & Célestine“ nun auf Blu-ray und DVD erschienen.

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Ein starkes Team: Maus Célestine und Bär Ernest

Célestine ist eine aufgeweckte Maus und glaubt nicht so recht den Schauergeschichten über Bären und deren Heißhunger auf Mäuse, die die Aufseherin im Waisenhaus abends zum Besten gibt. Vorwitzig, wie sie ist, unternimmt Célestine gern Ausflüge in die Welt der Bären. Dort trifft sie eines Tages auf Ernest, der in der Tat hungrig ist und die Maus anfangs gern verschlingen möchte. Das kann Célestine zum Glück verhindern, sonst wäre der Film zu schnell vorbei. Ein wenig dauert es aber noch, bis die beiden Außenseiter Freunde werden. Diese Freundschaft wird von ihren Mitmenschen – Verzeihung: Mitmäusen und Mitbären – misstrauisch beäugt. Schließlich landet Ernest gar im Mäusegefängnis, Célestine kommt in den Knast der Bären.

Im Pixar-Zeitalter aufwändiger Computertrickfilme mit überbordenden Einfällen und voller popkultureller Anspielungen ist es schön, dass es auch noch derart im besten Sinne altmodische Zeichentrick-Kunstwerke gibt. „Ernest & Célestine“ überzeugt mit feinem Pinselstrich als das animierte Kinderbuch, das es ist. Es ist ein Familienfilm in dem Sinne, dass Eltern ihn gemeinsam mit ihren Kindern schauen können und sollen. Erwachsene ohne kindliche Mitzuschauer werden sich eher langweilen. Die Botschaft ist politisch korrekt – der Ausdruck ist in diesem Fall positiv gemeint. Vorurteile sind schädlich, Freundschaft ist auch über Artengrenzen hinweg möglich, Fremdenfeindlichkeit somit abzulehnen. Das ist universell gültig und in eine herzerwärmende Geschichte verpackt.

Bei der einen oder anderen Szene hab’ ich genau auf die mit mir den Film schauenden Kinder geachtet (zwei eigene Töchter, zwei ihrer Kita-Freundinnen), ob es ihnen denn nicht zu gruselig wird: Wenn die Waisenhaus-Aufseherin ihren kleinen Schützlingen Angst macht und dabei verzerrte Schatten an die Wand wirft, ist das durchaus angetan, ein ängstliches Gemüt kurzzeitig in Furcht zu versetzen. Das gilt ebenfalls – wenn auch noch kürzer – in der Szene, in der Ernest und Célestine erstmals aufeinandertreffen und der hungrige Bär die Maus als schmackhaftes Häppchen ansieht, bevor sie ihn freundlich begrüßt. Auch zwei Albtraumszenen – einmal träumt Célestine, kurz darauf Ernest – lösen sich auf warmherzige Weise auf, bevor sich Kinder ängstigen können. Die anwesenden vier Mädchen jedenfalls hatten mit diesen Szenen keine Probleme. Die FSK-Freigabe ab sechs Jahren erscheint sinnvoll, eine Freigabe ohne Altersbeschränkung wäre unangemessen gewesen. Eltern, die gemeinsam mit ihren Vier- oder Fünfjährigen schon Langfilme schauen, sei der Film ebenfalls ans Herz gelegt. Die Entscheidung darüber muss aber individuell je nach Kind erfolgen, eine allgemeine Empfehlung kann hier nicht ausgesprochen werden.

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Zusammen fühlen sich die beiden geborgen

„Wem hat der Film gefallen?“ Auf diese Frage reckten sich bei vier anwesenden Mädchen drei Arme nach oben. Ob die Quote von 75 Prozent repräsentativ ist, sei dahingestellt. Allerdings hat die vierte kleine Zuschauerin im Anschluss eingeräumt, ihr habe der Film tatsächlich gefallen. Die eine oder andere Szene war aber offenbar dann doch etwas zu gruselig. „Ernest & Célestine“ ist auf jeden Fall etwas fürs Herz – fürs Kinderherz.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Forest Whitaker sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 3. Dezember 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ernest et Célestine
F 2012
Regie: Stéphane Aubier, Vincent Patar, Benjamin Renner
Drehbuch: Daniel Pennac, nach den Kinderbuchvorlagen von Gabrielle Vincent
Originalstimmen: Forest Whitaker, Paul Giamatti, Lambert Wilson, Pauline Brunner, Lauren Bacall, William H. Macy, Mackenzie Foy, Megan Mullally, Jeffrey Wright
Zusatzmaterial: Making-of, Interview, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2013 Ascot Elite Home Entertainment

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