RSS

Evangelion: 3.33 – You Can (Not) Redo: Es wird (nicht) alles erklärt

12 Dez

Evangelion_333_BR-PS

Gastrezension von Matthias Holm

Anime-SF // Endlich ist er da! Ein Jahr, nachdem der dritte Evangelion-Film in Japan angelaufen ist, ist er endlich auch in unseren Gefilden fürs Heimkino erhältlich. Deutsche Anime-Fans jubeln, der größere Teil der Bevölkerung kratzt sich am Kopf; zu Recht: Wer die beiden Vorgänger nicht präsent hat und einen 08/15-Roboter-Action-Anime erwartet, der wird stark verwirrt zurückbleiben.

Evangelion_333_04

Shinji (r.) im Gespräch mit Kaworu

Seit den Geschehnissen aus „Evangelion: 2.22 – You Can (Not) Advance“ sind 14 Jahre vergangen. Shinji Ikari war in seiner EVA-Einheit 01 eingesperrt und weiß nicht, was geschehen ist, nachdem er seine Freundin Rei Ayanami aus dem Kern eines Engels gezogen hat. Seine ehemaligen Freunde haben sich gegen NERV gestellt und drohen Shinji, ihn umzubringen, sollte er noch einmal eine EVA-Einheit steuern wollen. Als auch noch plötzlich Rei auftaucht, um ihn zu NERV und somit zu seinem Vater Gendo zu bringen, ist das Chaos perfekt. Shinji folgt Rei und trifft in den Überbleibseln der Geofront Kaworu Nagisa, der mehr über die mysteriösen Ereignisse zu wissen scheint.

Die vier neuen Evangelion-Filme sind eine Neuerzählung der Originalserie von 1995, die unter anderem eine Inspirationsquelle für Guillermo del Toros Sommer-Blockbuster „Pacific Rim“ war. Ihr Erschaffer Hideaki Anno litt an schweren Depressionen, die er sich mit „Neon Genesis Evangelion“ förmlich vom Leib schrieb. Zum Ende hin wurde die Serie immer konfuser, das Finale ließ viele Fans eher wütend zurück. Auch der im Anschluss produzierte Kinofilm „The End of Evangelion“ konnte daran nur geringfügig etwas ändern. Nun stellt die neue Filmreihe, bei den Fans auch als „Rebuild of Evangelion“ bekannt, den dritten Versuch dar, die Geschichte zufriedenstellend abzuschließen.

Evangelion_333_01

Mari sieht dem Ende der Welt gelassen entgegen

Stichwort Geschichte: Selbst als ausgewiesener Neon-Genesis-Evangelion-Experte war man am Ende des zweiten Films etwas überfordert. Was genau ist da passiert? Welches Geheimniss umgibt den Tod von Shinjis Mutter? Und was plant SEELE, eine Art Zukunfts-Illuminaten? All das wird erklärt und aufgelöst, täuscht allerdings nicht über das eine oder andere Logikloch hinweg: Dass die Piloten nicht gealtert sind, einfach mit Hinweis auf den „Fluch der EVAs“ abzutun, ist noch zu verkraften. Allerhand merkwürdige Ereignisse werden hingegen einfach ignoriert und als Wahrheit hingestellt. Wieso ist Lillith auf einmal anderswo? Wie kommt EVA-06 an ihren jetzigen Standort, obwohl sie doch im zweiten Film von Kaworu gesteuert worden ist? Der Zuschauer muss es hinnehmen. Und was genau wieso am Ende so passiert, wie es passiert, wird entweder im vierten Film erläutert, oder Anno führt uns wieder mal an der Nase herum.

Genau da liegt auch der Reiz von „Evangelion“: Nichts ist eindeutig, man kann viel in den gesamten Symbolismus interpretieren, der sich durch die Filme zieht. Wer sich nicht mit dem Thema auseinander setzt, wird „Evangelion“ schnell als lahme Action mit einen nervigen, von Selbstzweifeln zerfressenen Protagonisten abstempeln. Aber für diejenigen, die sich drauf einlassen, eröffnet sich ein riesiger Kosmos, den es zu entdecken gilt.

Evangelion_333_03

Leuchtende Augen verheißen nie etwas Gutes

Ein großes Lob gebührt der deutschen Synchronisation. Selten wurden so gut passende Stimmen für die Figuren ausgewählt. Lediglich Shinijis Stimme wirkt ungewollt komisch – es ist die gleiche wie die von Timmy Turner aus der Nickolodeon-Serie „Cosmo und Wanda – Wenn Elfen helfen“. Der Synchronsprecher Hannes Maurer macht seine Sache immerhin gut. Sogar die japanischen Ansprachen wurden ins Deutsche übernommen – sie werden in der Regel als Suffixe an den Namen angehängt (-kun, -sensei etc.).

Die Blu-Ray sieht hervorragend aus. Die Animationen sind allesamt wunderschön anzuschauen, auch wenn das eine oder andere vielleicht zu offensichtlich am Computer entstanden ist. Einzig beim Ton ist ein kleiner Makel zu erkennen: Mitteilungen über Funk sind um einiges leiser als die Umgebungsgeräusche, weshalb diese Passagen schwer zu verstehen sind. Als Extras gibt es ein paar Trailer, ein Making-of aus Standbildern und ein hübsches Booklet, in dem Charakterzeichnugen abgedruckt sind. Nette Gimmicks, wenn auch nicht weltbewegend.

Evangelion_333_02

Asuka lebt!

Ist der Film nun gut oder schlecht? Ihn zu schauen, hat viel Spaß gemacht. Es gibt großartige Kämpfe, die Figuren entwickeln sich weiter. Gleichzeitig wird eine Erwartungshaltung ans Finale geschürt, die kaum zu erfüllen ist. Wer mit Animes im Allgemeinen und „Evangelion“ im Besonderen nie etwas anfangen konnte, wird durch diesen Film wohl auch nicht bekehrt werden.

Veröffentlichung:
13. Dezember 2013 als Blu-ray und DVD-Steelbook

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Evangerion shin gekijôban: Kyu
JAP 2012
Regie: Hideaki Anno, Mahiro Maeda, Masayuki, Kazuya Tsurumaki
Drehbuch: Hideaki Anno
Zusatzmaterial: Rebuild of Evangelion: 3.33, Teaser Evangelion: 4.0, Japanische Original-Trailer, Teaser, Promoreels & TV-Spots, EVA-EXTRA 08, 52-seitiges Booklet
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2013 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2013 Universum Film

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: