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Liebe über 40 in Los Angeles: Genug gesagt

18 Dez

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Kinostart: 19. Dezember 2013

Gastrezension von Dirk Ottelübbert

Komödie // Los Angeles: Masseurin Eva (Julia Louis-Dreyfus) schleppt nicht nur ihren Massagetisch von Kundin zu Kundin, sondern trägt auch einigen emotionalen Ballast auf ihren Schultern – eine Scheidung etwa. Der Glaube an die Liebe? Längst futsch. Mit ihrer wohlhabenden, leicht spinnerten und ebenfalls geschiedenen Kundin Marianne (Catherine Keener) tauscht sie sich denn auch lang und breit über Ex-Männer aus. Vor allem Marianne lässt an ihrem alten männlichen Anhängsel kein gutes Haar.

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Läster-Arien über die Männer: Eva (l.) und Marianne

Dann – ja, dann lernt Eva auf einer Party Albert (wunderbar: James Gandolfini) kennen. Irgendwie gefällt ihr der bullige und etwas tapsige Archivar. Und aus der gegenseitigen Anziehung wird bald deutlich mehr. Als Eva eines Tages sieht, wie Albert – einer seiner Ticks – die Zwiebeln aus seinem Guacamole-Schälchen fischt, stutzt sie: Marianne hatte ihr kurz zuvor erzählt, ihr blöder Ex habe das immer gemacht. Sind Albert und jener Versager etwa ein und dieselbe Person?

Die Liebe in New York

Regisseurin Nicole Holofcener (53) ist ein New Yorker Gewächs und siedelte ihre bisherigen Beziehungsfilme stets in der Ostküsten-Metropole an, etwa „Freunde mit Geld“ (2006) und „Please Give“ (2010), jeweils auch mit Catherine Keener besetzt. Für „Enough Said“ wechselt Holofcener den Biotop und verlegt die reichlich mit Verwicklungen gespickte Handlung nach L. A. Ihrer Linie bleibt sie treu und versammelt ein Arsenal leicht neurotischer Existenzen, die versuchen, ihr Leben (wieder) in den Griff zu kriegen.

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Eva und Albert finden zueinander

Holofcener gelingt eine gewitzte, tragikomisch angehauchte Großstadtkomödie darüber, wie die Liebe belastet wird, ja zerstört werden kann von eigenen Erwartungen – und den Meinungen der anderen, wenn man sich die zu sehr zu Herzen nimmt. Viele Momente – nach Geschmack des Gastbloggers zu viele – sind in Schauspielstil und Timing sehr dem Sitcom-Genre verhaftet. Julia Louis-Dreyfus, die einst die Elaine in „Seinfeld“ (1989 – 1998) spielte, lässt ihre Gesichtszüge ein ums andere Mal entgleisen – die Augenbrauen zu hoch, das Lächeln zu sehr verrutscht. Das ist manchmal der Todesstoß für die doch offenbar angestrebte Lakonie und fügt etlichen Szenen, die anrühren sollen, einen Misston bei. Die Golden-Globe-Nominierung sei ihr dennoch gegönnt. James Gandolfini hingegen legt seinen Albert mit wohltuend viel Understatement an.

Ach, Gandolfini. Ein bisschen Wehmut kommt schon auf: „Genug gesagt“ war der letzte Film des großen James, der am 19. Juni dieses Jahres 51-jährig verstarb. Unsterblich ist er natürlich dennoch: Der wuchtige Mann aus New Jersey, der oft Gestürzte, Unsympathen und abgefeimte Schurken spielte, wurde als Mafia-Familienvater Tony Soprano in „The Sopranos“ zur Legende. Irgendwie schön, dass er sich mit einer kleinen Fourty-Something-Liebesgeschichte verabschiedet. Auch wenn’s kein echter Trost ist.

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK ab 6
Originaltitel: Enough Said
USA 2013
Regie: Nicole Holofcener
Drehbuch: Nicole Holofcener
Besetzung: James Gandolfini, Julia Louis-Dreyfus, Tony Collette, Catherine Keener
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

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Kommt Eva zurück? Albert ist nicht sicher

Copyright 2013 by Dirk Ottelübbert
Filmplakat & Fotos: © 2013 Twentieth Century Fox

 

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