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Theater des Grauens – Mord nach Shakespeare

19 Dez

Theater-des-Grauens-PS

Theatre of Blood

Von Volker Schönenberger

Horror // Todesszenarien aus den Schauspielen von William Shakespeare – auf diese Weise rächt sich ein gealterter Theater-Schauspieler für mangelnde Anerkennung durch die Kritikergilde. Aus dieser originellen Grundidee schuf Regisseur Douglas Hickox eine intelligente Reflexion übers Horrorgenre und den Bühnenbetrieb, fein gewürzt mit schwarzem Humor und blutigen Ideen. Ein Kritiker stirbt wie einst „Julius Cäsar“ an den Iden des März, an einem 15. März mit etlichen Messerstichen niedergemetzelt. Einen anderen durchbohrt ein Speer, anschließend zerrt ihn ein Pferd durch den Staub, wie es einst Hektor in „Troilus und Cressida“ geschah. Es bleiben nicht die einzigen Opfer der Vergeltung von Edward Lionheart.

Vincent Price gibt den rachsüchtigen Shakespeare-Darsteller, er tut es mit diabolischer Freude an der Durchtriebenheit. Eine weitere Mordmethode nach Shakespeare-Machart schlägt dabei einen schönen Bogen zum Karrierebeginn von Price: das Ertränken eines Kritikers in einem Weinfass – so starb in „Richard III.“ der Duke of Clarence. In seinem vierten Film, „Der Henker von London“ (1939) mit Boris Karloff, spielte Price selbst den Duke, der auch dort in einem Weinfass zu Tode kommt.

Ist man mit Vincent Price eher aus seinen klassischen Rollen der 50er- und 60er-Jahre vertraut, so wirkt sein Auftreten im modernen London Anfang der 70er-Jahre anfangs ungewohnt. Aber wenn er Shakespeare deklamiert und von einem Kostüm ins nächste schlüpft, um seine sinistren Pläne zu verwirklichen, ist das eine wahre Freude. Mit Ausnahme der zweifachen Verkörperung des Dr. Phibes 1971 und 1972 hat Price ab Beginn der 70er-Jahre kaum eine grandiosere Rolle mehr gespielt. Auch die übrige Besetzung agiert mit Elan und Spielfreude, darunter Diana Rigg („Mit Schirm, Charme und Melone“) als Lionhearts Tochter Edwina, Ian Hendry („Ekel“) als Vorsitzender der Kritikervereinigung und Robert Morley („African Queen“) als weiterer Kritiker. Der IMDb zufolge ist „Theater des Grauens“ sowohl für Vincent Price als auch für Diana Rigg jeweils der persönliche Favorit ihrer Filmografie. Das kann man ohne Stirnrunzeln im Raum stehen lassen.

Bei den Dreharbeiten hat’s geknistert: Eins von Lionhearts Opfern wird von Coral Browne gespielt, die bald darauf zu Vincent Prices dritter Ehefrau werden sollte. Sie blieb es bis zu ihrem Krebstod 1991.

Regisseur Douglas Hickox inszenierte bald nach „Theater des Grauens“ den John-Wayne-Actionkrimi „Brannigan – Ein Mann aus Stahl“ sowie „Auf der Fährte des Adlers“ mit James Coburn. Später war er in erster Linie fürs Fernsehen tätig. Sein Sohn Anthony trat in seine Fußstapfen und debütierte als Regisseur sogleich mit der Genreperle „Waxwork“ (1988), deutscher Titel: „Reise zurück in der Zeit“.

MGM hatte „Theater des Grauens“ bei uns zuletzt 2007 aufgelegt, im Handel ist er vergriffen. Der Film passt gut in die „Horror Cult Uncut“-Reihe, in der nun die Neuauflage erscheint. Probleme mit verstümmelten Schnittfassungen oder dem Jugendschutz gab’s allerdings nie.

Die letzten Worte des Films sind liebevoll gewählt, können sie doch als Kommentar sowohl zu Edward Lionheart als auch zum ihn verkörpernden Vincent Price verstanden werden: „Yes, it was a fascinating performance. But, of course he was madly overacting as usual. But you must admit he did know how to make an exit.“ In der deutschen Synchronisation: „Ja, es war eine faszinierende Aufführung. Aber er hat wieder wie üblich maßlos übertrieben. Doch eins muss man ihm lassen: Er versteht es, seinen Abgang zu inszenieren.“

Vincent Price bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Fliege (1958)
House on Haunted Hill (1959)
Schrei, wenn der Tingler kommt (1959)
Die Verfluchten (1960)
Das Pendel des Todes (1961)
Die Maske des Roten Todes (1964)
Stadt im Meer (1965)
Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)
Die Rückkehr des Dr. Phibes (1972)
Theater des Grauens (1973)
Das Haus der langen Schatten (1983)

Die Filme der Reihe „Horror Cult Uncut“ – erschienen am 11. Januar 2013:

01. Audrey Rose – Das Mädchen aus dem Jenseits
02. Carrie – Des Satans jüngste Tochter
03. Chucky – Die Mörderpuppe
04. Amityville Horror
05. Der Affe im Menschen
06. Das Ding aus dem Sumpf
07. Die Frösche
08. Die Körperfresser kommen
09. Lifeforce – Die tödliche Bedrohung
10. Lord of Illusions
11. Return of the Living Dead
12. Ravenous – Friss oder stirb

Veröffentlichung 6. Dezember 2013:

13. Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley
14. Das Pendel des Todes
15. Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes
16. Die Rückkehr des Dr. Phibes
17. Theater des Grauens
18. Vindicator

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch
Originaltitel: Theatre of Blood
GB 1973
Regie: Douglas Hickox
Drehbuch: Anthony Greville-Bell
Besetzung: Vincent Price, Diana Rigg, Ian Hendry, Robert Morley, Harry Andrews, Jack Hawkins
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2013 Twentieth Century Fox Home Entertainment

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