RSS

Buddy – Humor, der wehtut

23 Dez

Buddy_Plakat

Kinostart: 25. Dezember 2013

Komödie // Selten hab’ ich mich im Kino so unwohl gefühlt wie bei der Pressevorführung des neuen Bully-Herbig-Streichs. Etliche der Gags oder vermeintlichen Gags taten mir fast körperlich weh, sodass ich das Gesicht verzog. Nein, nicht wegen vor Lachen schmerzenden Zwerchfells – im Gegenteil: Die Pointen gingen schlicht nach hinten los. Ab und zu fuhr mir zudem ein unangenehmer Gedanke durch den Kopf: Was ist, wenn die Zuschauer ab dem Ersten Weihnachtstag in Scharen in die Komödie strömen und das Gelächter nur so aus den Kinosälen schallt? Habe ich mich dann endgültig als humorloser Tropf entlarvt und selbst ins Griesgram-Abseits gestellt? Zu meiner Entlastung sei erwähnt, dass mir „Der Schuh des Manitu“ einigermaßen gefallen hat. Aber das ist lange her.

Buddy_07

Nur Eddie (r.) kann Buddy (M.) sehen

Es ist nicht nur der fehlzündende Humor, der aus „Buddy“ einen miesen Film macht. Handlungsprämissen ergeben keinen Sinn, Löcher tun sich auf, Figuren fallen hindurch. Weshalb in aller Welt sucht sich der von Michael „Bully“ Herbig verkörperte titelgebende Buddy ausgerechnet diesen Unsympathen Eddie Weber (Alexander Fehling) aus? Was soll das, ihm als für alle anderen unsichtbarer Schutzengel zur Seite zu stehen und ihn mit der aparten Altenpflegerin Lisa (Mina Tander) zu verkuppeln? Weshalb gehorcht Eddie aufs Wort und versucht mit Buddys Hilfe, bei Lisa zu landen, obwohl sie ihm doch eher gleichgültig ist? Was führt dazu, dass sie ihm bald darauf nicht mehr gleichgültig ist? Umgekehrt wird ebenso ein Schuh draus: Weshalb verliebt sich Lisa in den Vollpfosten, für den sie ihn anfangs zu Recht hält? Er entwickelt sich im Verlauf der Handlung weniger vom Unsympathen zum Supertyp, sondern vom Unsympathen zum Trottel. Auf all diese Fragen habe ich während des Films keine Antworten gefunden.

Liegt’s an Hauptdarsteller Alexander Fehling, der über weite Strecken nur wie ein Til Schweiger für Arme wirkt? Immerhin singt Schweiger selbst nicht gerade das Hohelied der Schauspielkunst. Aber Fehling hat doch 2007 in „Am Ende kommen Touristen“ und 2010 als „Goethe!“ einige Lorbeeren eingeheimst, kann’s also offenbar!? Nun ja, „Buddy“ ist ganz sicher kein Schauspielerfilm, Bully Herbig ganz sicher kein Regisseur, der seine Akteure zu Filmpreis-reifen Höchstleistungen führt. Also selbst schuld, Herr Fehling – Augen auf bei der Rollenwahl! Ob in der deutschen Komödienlandschaft Raum für einen zweiten Til Schweiger ist?

„Buddy“ will rasant sein und wirkt doch nur hektisch – hektisch in den Schnitten, hektisch in den Dialogen. Der Film spielt in Hamburg und setzt die markanten Ecken der Hansestadt so in Szene, dass Ortskundige die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wenn Eddie und Lisa aus dem Dockland-Gebäude treten und sich nach wenigen zu Fuß und streitend zurückgelegten Metern in der HafenCity befinden … aber egal. Ich gebe zu: Als Hamburger bin ich da kleinlich, der Lokalkolorit wird in andernorts gefilmten Produktionen sicher nicht schlüssiger eingebaut, ob in Berlin, Köln, München oder gar in Hollywood-Produktionen.

Buddy_06

Lisa soll verkuppelt werden

Ein paar Worte zum Inhalt gefällig? Eddie gibt als Erbe eines schwerreichen Softgetränke-Herstellers den Lebemann und vernachlässigt seinen Job als Chef des Unternehmens. Die Sprudel Factory GmbH plant gerade die Markteinführung eines Energydrinks für Senioren, was den Bogen zu dem Altenheim schlägt, in dem Lisa arbeitet. Dass Schutzengel Buddy nur für Eddie sichtbar ist, führt vielerorts zu hochgezogenen Augenbrauen ob Eddies seltsamen Gebarens. Im Klartext: Man hält ihn für einen Spinner.

Was ist noch erwähnenswert? Sky du Mont nebst Gemahlin Mirja dürfen einmal durchs Bild wandern. Wer’s braucht … Olli Dittrich hat einen Kurzauftritt als Zeitungsleser, den Eddie irrtümlich anspricht – auch keine Szene, die sich durch außerordentliche Komik auszeichnet. Als Running Gag fungieren zwei Streifenpolizisten (Tim Wilde, Siegfried Terpoorten), denen Eddie hin und wieder begegnet und die ihn für einen – richtig! – Spinner halten. Zum Finale kommt es zu einem Gesangs-Flashmob am Flughafen, der die Fremdschäm-Latte hoch und die Latte des Niveau-Limbos niedrig legt.

Gibt es überhaupt etwas Positives über den Film zu schreiben? Mal überlegen … intensiv nachdenken … am Kopf kratzen … Stop! Da ist was: Ein Bewohner des Altenheims berichtet Pflegerin Lisa von seiner verlorenen großen Liebe. Diese kleine Szene nebst ihrer Fortsetzung im späteren Verlauf ist tatsächlich anrührend, melancholisch und warmherzig. Und ausgerechnet die letzte Szene des Films ließ mich ebenfalls lächeln. Sie bringt in einer – vielleicht minimal vorhersehbaren – Wendung eine Erklärung für Buddys Agieren und damit einen feinen Abgang. Rausreißen tun beide Sequenzen – nichts.

Buddy_05

Bei Lisa läuft für Eddie einiges schief

Die den Kinostart vorbereitende Sitcom „Bully macht Buddy“ im Privatfernsehen ist bislang an mir vorbeigegangen. Ob die Sichtung des Films mich motiviert hat, dort hineinzuschauen, darf sich jeder Leser dieser Zeilen an den fünf Fingern ausrechnen.

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
D 2013
Regie: Michael Herbig
Drehbuch: Michael Herbig
Besetzung: Alexander Fehling, Michael Herbig, Mina Tander, Christian Berkel
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2013 by V. Beautifulmountain

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Warner Bros. Ent.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: