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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty – Ganz großes Kino

30 Dez

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Kinostart: 1. Januar 2014

Ground control to Major Tom
Ground control to Major Tom
Take your protein pills and put your helmet on (David Bowie – „Space Oddity“)

Komödie // Twentieth Century Fox hatte zur weihnachtlichen Preview ins schicke Hamburger Savoy-Kino geladen. Zuvor saßen mein Begleiter und ich beim Kaltgetränk und unterhielten uns über Gott, die Welt und die besten Filme des Jahres. Er hatte „Gravity“ noch nicht gesehen und fragte mich, ob Major Tom darin vorkomme – nicht der von Peter Schilling, sondern der von David Bowie. Dass „Space Oddity“ bei Sandra Bullocks visuell betörendem Weltraumausflug nicht erklingt, sei nur am Rande erwähnt; für ein Lächeln sorgte bei uns beiden wenig später ein feiner kleiner Zufall: Dieser großartige Song ist in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ Thema.

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Walter Mitty ist in Eile

Es ist eine grandiose Szene, die durch die musikalische Untermalung nicht nur Atmosphäre gewinnt, sondern auch inhaltliche Tiefe erhält: Der von Regisseur Ben Stiller verkörperte Titelheld befindet sich in einer Kneipe in Grönland, wo er unsicher ist, ob er ein Wagnis eingehen soll; ein Wagnis, das für seine Mission wichtig ist. Flugs stellt er sich – er kann das – vor, wie seine heimliche Liebe Cheryl (Kristen Wiig) sich selbst mit Gitarre begleitend die ersten Zeilen anstimmt: Ground control to Major Tom … So motiviert sich Walter Mitty, das Risiko einzugehen. Während er es wagt, wird Cheryls Gesang langsam von David Bowies Originalversion überblendet – es ist einer von einigen Gänsehautmomenten im Film.

Ab und zu befindet er sich auf einem anderen Stern, dieser Walter Mitty: Dann klinkt er sich gedanklich aus dem Hier und Jetzt aus und vollführt in seiner Vorstellung zum Beispiel tollkühne Taten voller Heldenmut. Die Realität holt ihn schnell wieder ein: Walter ist ein schüchterner Geselle, der sich mit Müh und Not getraut hat, einer Kollegin – besagter Cheryl – auf einer Online-Dating-Plattform einen Anstups-Klick zu übermitteln. Das hat aus technischen Gründen nicht geklappt, was einen Anruf bei der Support-Hotline erforderlich macht (ein Telefonat, das sich als feiner Running Gag durch den Rest des Films zieht). Mensch, die gibt’s ja tatsächlich: eHarmony. Gönnen wir ihr das Product Placement.

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Seine heimliche Liebe: die entzückende Cheryl

Walter arbeitet im Fotoarchiv des renommierten Life-Magazins. Das ist gerade verkauft worden, die Hiobsbotschaft folgt auf dem Fuße: Die Druckausgabe wird eingestellt, das Magazin soll nur online überleben, was etliche Kollegen den Job kosten wird. Ein Titelfoto für die letzte Ausgabe muss her, etwas Außergewöhnliches, versteht sich. Starfotograf Sean O’Connell (Sean Penn) hat glücklicherweise gerade eine Fuhre Negative geschickt, von denen eines – Nr. 25 – seinem Begleitschreiben zufolge die Essenz und den Geist des Magazins perfekt abbildet. O’Connells Worte sind Gesetz, dumm nur, dass Negativ Nr. 25 in der Lieferung nicht enthalten ist. So bleibt dem verhuschten Büromenschen Walter Mitty nichts anderes übrig, als O’Connell persönlich aufzusuchen. Nur wo mag er sich befinden? Grönland scheint ein guter Startpunkt für die Suche zu sein …

„Viel Spaß beim Rezensieren“, raunte mir mein Kumpel etwa nach einer Viertelstunde des Films grinsend zu. Etwas später wiederholte er die Äußerung. Zu dem Zeitpunkt war es in der Tat bisweilen schwierig zu unterscheiden, was Walter Mitty gerade wirklich passierte und was er sich vorstellte. Das gibt sich aber, weil der Gute auf seiner Suche nach O’Connell so Abenteuerliches erlebt, dass er seine Fantasie gar nicht mehr bemühen muss. Oder ist auch das alles nur Einbildung? Ab ins Kino zum Selbst-Herausfinden – es lohnt sich!

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Der verhuschte Büromensch …

Während des Films durchfuhr mich ein erschreckender Gedanke: Die werden doch hoffentlich nicht so fies sein, den Zuschauern das gesuchte Foto am Ende vorzuenthalten!? Man verzeihe mir den kleinen Spoiler: Das Foto wird gezeigt – auf eine sehr schöne Weise. Das abgebildete Motiv ist ganz großes Kino und beweist, wie perfekt Hollywood bisweilen auf der Gefühlsklaviatur spielen kann. Ich jedenfalls bekomme in diesem Moment während des Schreibens erneut Gänsehaut – genau wie beim Rekapitulieren der „Space Oddity“-Sequenz (siehe oben) und diverser anderer Szenen. Das liegt nicht zuletzt sicher auch am tollen Soundtrack, der unter anderem mit den famosen Arcade Fire bestückt ist.

Obgleich Walter Mittys Abenteuer randvoll mit überbordender Fantasie und wunderbaren Ideen sind, ist der Film doch in vielen Momenten ganz nah am Leben. Wer einmal eine Redaktionsauflösung am eigenen Leib mitbekommen hat – wie der Schreiber dieser Zeilen – oder vergleichbare berufliche Einschnitte hinnehmen musste, kann sich sofort in die Stimmung in den Büroräumen des Life-Magazins hineinversetzen, so überspitzt-satirisch die Szenen auch sein mögen. Der für den Personalabbau verantwortliche Manager Ted Hendricks (Adam Scott) ist zwar mit seinem sonderbaren Bart und ebensolchen Gebaren klar als Karikatur gezeichnet. Aber – es gibt diese Karikaturen auch im wahren Berufsleben!

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… wird zum Gefahrensucher …

„Schöne Nase“ – noch so eine Bemerkung, die mir mein Kumpel während des Films zuflüsterte (nein, er redet sonst im Kino nicht so viel). Er meinte die Nase von Kristen Wiig und hat damit recht, greift aber zu kurz: Die ganze Frau ist einfach zauberhaft und verleiht als alleinerziehende Mutter der zarten Romanze mit Walter eine wunderbare Natürlichkeit. Auch die familiäre Situation von Walter ist glaubwürdig inszeniert. Lobend erwähnt seien die aus „Crossing Jordan“ bekannte Kathryn Hahn als Walters Schwester Odessa und – na klar – die große Shirley MacLaine als Walters Mutter Edna Mitty (wann kommt endlich „Das Apartment“ als Blu-ray auf den Markt?).

Bei Filmen mit Ben Stiller bin ich gemeinhin vorsichtig – er ist mir oft etwas zu albern („Voll auf die Nüsse“, „Starsky & Hutch“, „Nachts im Museum“, die „Fockers“-Filme). Wem es ähnlich geht: Keine Sorge! Stiller nimmt seinen klamaukigen Humor und seine Mimik deutlich zurück. Turbulent geht’s in der einen oder anderen Szene natürlich dennoch zu, aber das ist ausgewogen. Regisseur Stiller weiß seinen Hauptdarsteller Stiller jedenfalls am übermäßigen Grimassieren zu hindern.

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… und springt sogar in den kalten Atlantik.

Der Film basiert auf James Thurbers Kurzgeschichte „The Secret Life of Walter Mitty“, die 1939 im US-Magazin „The New Yorker“ erschienen ist. Die Story steht mittlerweile auf der Internetpräsenz der Zeitschrift zur Lektüre bereit. Erstmals verfilmt wurde sie 1947 mit Danny Kaye in der Titelrolle.

Mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist Ben Stiller ein großer Wurf gelungen. Dass ein am Neujahrstag in den Kinos startender Film mir als Kandidat für den Film des Jahres auffällt, macht Hoffnung auf ein tolles Kinojahr 2014.

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Endlich gefunden: Fotograf O’Connell (r.)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sean Penn sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: The Secret Life of Walter Mitty
USA 2013
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steve Conrad, nach einer Kurzgeschichte von James Thurber
Besetzung: Ben Stiller, Kristen Wiig, Adam Scott, Jon Daly, Kathryn Hahn, Shirley MacLaine, Sean Penn, Ólafur Darri Ólafsson
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2013 by V. Beautifulmountain

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Twentieth Century Fox

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2 Kommentare

Verfasst von - 2013/12/30 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Das erstaunliche Leben des Walter Mitty – Ganz großes Kino

  1. Leah

    2014/01/09 at 19:05

    Werde mir morgen diesen grandiosen Film ansehen! Deine Rezension hat mich überzeugt – DANKE!

     
  2. Marco

    2013/12/30 at 12:17

    Wow. Die beste Rezension bisher auf dieser – an guten Rezensionen weiß Gott nicht armen – Seite. Großes Kino! Danke.

     

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