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Archiv für den Monat Januar 2014

RoboCop – Action-Klassiker in blutiger Pracht

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SF-Action // Es wurde aber auch Zeit! Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat zum Jahresende 2013 endlich Paul Verhoevens ebenso beinharten wie bissigen SF-Actionklassiker „RoboCop“ vom Index gestrichen. Eine Neuprüfung durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft ergab erwartungsgemäß die Einstufung „Keine Jugendfreigabe“ – auch für den Director’s Cut. So nutzt Twentieth Century Fox Home Entertainment die Gunst der Stunde, die Blu-ray mit Verhoevens brutaler Regiefassung rechtzeitig vor dem Februar-Kinostart des Remakes in die Regale zu stellen und dem Film auch in Deutschland eine adäquate Veröffentlichung zu gönnen. Ein guter Grund, den DVD-Player einzumotten und sich ein Blu-ray-Abspielgerät zuzulegen – auf DVD erscheint „RoboCop“ erst gar nicht.

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Neue Partner: Anne Lewis und Murphy

Tod eines menschlichen Versuchsobjekts

Vielleicht ruft endlich jemand einen Arzt! Köstlich – gerade hat der neuartige Polizei-Android ED-209 bei einer Management-Präsentation des OCP-Konzerns den Oberkörper eines menschlichen Versuchskaninchens voll Blei gepumpt, der unglückliche Angestellte liegt tot und zerfetzt auf dem Tisch – und ein Kollege glaubt ernsthaft, ein Arzt könne helfen. Diese Szene ist in all ihrer Brutalität ein Paradebeispiel für die satirische Absicht, die Verhoeven mit seiner überzeichneten Dystopie eines kriminellen Detroit verfolgte. In der Kinofassung stark gekürzt, wurde die Szene erst im Director’s Cut in ihrer ganzen gewalttätigen Pracht gezeigt.

Die gnadenlose Hinrichtung von Murphy

Auch die Hinrichtung von Police Officer Alex J. Murphy (Peter Weller) war seinerzeit fürs Kino ebenso übel verstümmelt worden wie der Körper des bedauernswerten Polizisten in der Szene. Erst der Director’s Cut bringt die zynische Gnadenlosigkeit der Verbrecher um ihren Boss Clarence J. Boddicker (Kurtwood Smith) voll zur Geltung – und damit die Kehrseite der Medaille, dass eine Großstadt einem mächtigen gewinnorientierten Konzern die Polizeiarbeit übertragen will.

Mit dieser auch nach heutigen Maßstäben außerordentlich drastischen Gewaltdarstellung wollte Verhoeven den Zuschauern obendrein die Identifikation mit dem erst kurz zuvor in die Handlung eingeführten Murphy erleichtern. In der im Bonusmaterial enthaltenen Doku „Fleisch und Stahl: Die Entstehung von RoboCop“ gibt Verhoeven Auskunft über weitere Aspekte, auch christliche Symbolik, die er mit der Figur des ermordeten und von den Toten auferstandenen Polizisten abgebildet hat.

Berechtigter Klassikerstatus für „RoboCop“

„RoboCop“ ist ganz sicher nichts für Minderjährige, aber ein großartiger Film, der in all seiner Überzogenheit völlig zu Recht Klassikerstatus genießt. Der OCP-Konzern baut den in Stücke geschossenen Murphy zum Superpolizisten um, doch der letzte Rest von Murphys Bewusstsein lässt sich nicht ausradieren. Die ausufernden Schießereien platzieren „RoboCop“ in der Reihe der 80er-Actionfilme ganz weit vorn, die Darstellung der skrupellosen OCP-Manager passt auch in die heutige Zeit; und dass die Titelfigur uns nicht als seelenloser Roboter kaltlässt, dafür sorgen die kurzen Sequenzen mit Murphys Polizeipartnerin Anne Lewis (Nancy Allen). Umso schöner, dass die Bundesprüfstelle nun offenbar den Gehalt hinter der Gewalt erkannt hat.

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RoboCop räumt auf

Kaufempfehlung für die neue Blu-ray?

Wer als deutscher Filmsammler seine Augen auch auf den internationalen Markt richtet, hat womöglich schon die englische Blu-ray im Regal stehen (für den Verfasser dieser Zeilen gilt das jedenfalls). Lohnt sich der Kauf der deutschen Blu-ray, sofern man schon die alte englische hat? Der alte HD-Transfer hatte Kritik verursacht. Es ist allerdings ein mit 80er-Technik gedrehter 80er-Film – eine gewisse Körnigkeit ist auch in der neuen Abtastung zu bemerken. Die Farben sind ein wenig kräftiger, Details kommen ein wenig besser zur Geltung – das sind Feinheiten.

Dies ist zweifellos die beste verfügbare Fassung des Films. Grund genug, die alte englische Blu-ray zu ersetzen? Wer „RoboCop“ zu seinen Action-Favoriten zählt, mag das bejahen, zumal die englische Disc keine deutsche Tonspur enthält. Apropos: Ob die deutsche Synchronisation und englische Originalfassung höchsten Surround-Ansprüchen genügen, darüber kann ich derzeit mangels geeigneter technischer Heimkino-Ausstattung leider keine Auskunft geben – die Tonhöhe der deutschen Synchronisation hatte bei früheren Veröffentlichungen Anlass zur Kritik gegeben. Steelbook-Fans müssen allerdings einmal mehr nach Großbritannien ausweichen und damit auf die deutsche Synchronisation verzichten.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Paul Verhoeven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 31. Januar 2014 als Blu-ray

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Holländisch, Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch u. a.
USA 1987
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: Edward Neumeier, Michael Miner
Besetzung: Peter Weller, Nancy Allen, Ronny Cox, Kurtwood Smith, Miguel Ferrer, Ray Wise
Zusatzmaterial: Diskussion mit den Machern vom Film, Fleisch und Stahl: Die Entstehung von RoboCop, Featurette: Die Dreharbeiten (1987), Featurette: Making-of (1987), Storyboards mit Kommentar von Animator Phil Tippett, entfallene Szenen, Die Schurken des alten Detroits, Spezialeffekte damals und heute, RoboCop: Die Entstehung einer Legende, Paul Verhoevens Cameo-Auftritt, Audiokommentar von Regisseur Paul Verhoeven, Autor Ed Neumeier und geschäftsführendem Produzenten Jon Davison, Original Kinotrailer, TV-Spot, Wendecover
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Geschwisterliebe: A Tale of Two Sisters – Der Fluch der zwei Schwestern

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Gastrezension von Matthias Holm

Horrordrama // Die beiden Schwestern Su-Mi (Lim Su-jeong) und Su-Yeon (Moon Geun-young) kehren nach dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Heilanstalt in ihr Elternhaus zurück. Doch die Familie ist zerrüttet. Der Vater (Kim Kap-su) kapselt sich ab und die Stiefmutter mäandert in ihrem Verhalten zwischen hysterisch-freundlich und wutentbrannt-böse. Als in der ersten Nacht nach Ankunft der Mädchen auch noch unheimliche Gestalten das Haus unsicher machen, steht eine Frage im Raum: Was ist in dieser Familie geschehen?

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Die Schwestern kehren zurück

Es ist gut, dass dieser Film etwa ein Jahrzehnt nach Erscheinen auf Blu-Ray herauskommt. Denn diese zentrale Frage lässt sich nach der ersten Sichtung des Films nicht wirklich beantworten. Um alle Geschehnisse einzuordnen, wird der Rezensent den Film sicherlich noch ein bis zwei Mal gucken müssen.

Das liegt allerdings nicht an einer schlampigen Storyausführung oder Logiklöchern. Vielmehr ist die Art des Erzählens recht speziell. Am ehesten vergleichbar ist „A Tale Of Two Sisters“ wohl mit den Werken von David Lynch. Auch beim Regisseur von Filmen wie „Mulholland Drive“ und „Lost Highway“ verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung. Wer nicht zu hundert Prozent bei der Sache ist, verliert vermutlich schnell den Überblick über das Geschehen.

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Was geschieht nur um Su-Mi?

Die Komplexität des Stoffes wird auch anhand des obligatorischen US-Remakes deutlich: Der Schlusstwist von „Der Fluch der zwei Schwestern“ (2009) kommt im koreanischen Original bereits nach knapp einer Stunde und ist erst der Auftakt zu einer Achterbahnfahrt, an deren Ende sowohl die Figuren als auch die Zuschauer nicht mehr wissen, wo unten und oben ist.

Wer einen astreinen Horrorstreifen mit vielen „Jump Scares“ und literweise Blut erwartet, wird enttäuscht sein. Zwar hat der Film seine übernatürlichen Elemente, doch die stehen hintenan. Im Fokus liegen die Familie und ihre Geschichte. Wer denkt, dass eine reale Familie nicht Horror genug sein kann, wird am Ende des Films eines Besseren belehrt.

Die Blu-Ray wartet mit interessanten Extras auf. So analysiert zum Beispiel der Regisseur Kim Jee-won selbst die Erzählstruktur seines Films. Obendrein erläutert ein Psychiater innerhalb von fünf Minuten, was den Film so besonders macht. Bild und Tonspur sind makellos – so soll es auf einer Blu-Ray sein.

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Erinnert ein wenig an „Shining“

Wer keine Angst vor Filmen hat, die die Hirnwindungen verdrehen, ist mit „A Tale of Two Sisters“ wunderbar bedient. Also schließt die Vorhänge und taucht in die Gedankenwelt von Kim Jee-won ein!

Veröffentlichung: 23. Januar 2014 als Blu-ray

Länge: 114 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Janghwa, Hongryeon
KOR 2003
Regie: Kim Jee-won
Drehbuch: Kim Jee-won
Besetzung: Kim Kap-su, Yum Jung-ah, Lim Su-jeong, Moon Geun-young, Lee Seung-bi, Park Mi-Hyun
Zusatzmaterial:Making-of (OmdU, ca. 54 Min.), Interviews mit den Darstellern (OmdU, / ca. 46 Min.), Der Film aus der Sicht eines Psychiaters (ca. 5 Min.), Regisseur Kim-Jee-woon zur Faszination des Horrorfilms (OmdU, ca. 16 Min.), Analyse der Erzählstruktur des Films durch Regisseur Kim Jee-woon (OmdU, ca. 10 Min.), nicht verwendete Szenen mit Audiokommentar von Regisseur Kim Jee-woon (OmdU, ca. 28 Min.), Erinnerungen an die Dreharbeiten von Darstellerin Moon Geun-young (OmdU, ca. 9 Min.), Erinnerungen an die Dreharbeiten von Darstellerin Lim Su-jeong (OmdU, ca. 5 Min.), Bildergalerie mit Artwork und Fotos vom Set, deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

 

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Drug War – Keine Macht den Drogen

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Gastrezension von Matthias Holm

Thriller // Der Dealer Timmy Choi (Louis Koo) gerät durch eine Explosion in seiner Drogenküche in die Hände des Ermittlers Zhang Lei (Honglei Sun). Um nicht im Todestrakt zu landen, lässt er sich auf einen Deal ein: Er soll Zhang helfen, den größten Drogenboss der Region dingfest zu machen. Doch kann sich Zhang wirklich auf den Kriminellen verlassen?

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Choi in Bedrängnis

Johnnie To ist bekannt als Regisseur des Triaden-Gangsterdramas „Election“ und dessen Fortsetzung. Auch in „Drug War“ widmet er sich dem kriminellen Milieu. Für den Kampf der Polizei gegen die Drogen findet To vor allem am Anfang kraftvolle Bilder; besonders der menschenverachtende Umgang mit den Schmugglern schockiert und bleibt im Gedächtnis. Eine weitere starke Szene ist die Todesweihe der stummen Drogenhersteller: Während sich die Polizisten untereinander Geld leihen müssen, verbrennen die Gangster davon gerade haufenweise.

Die Geschichte lebt von der Spannung zwischen den Figuren: Hat der Mittelsmann herausgefunden, dass sein Gegenüber ein Undercover-Agent ist? Für wen arbeitet Choi wirklich? Sehr viel davon wird über kleine Blicke und Gesten transportiert. Auch der fast vollkommene Verzicht auf Score trägt zur Spannung bei. Manchmal ist es eben besser, nicht wie bei „I, Frankenstein“ andauernd große Töne zu spucken. Dank der Stille kann sich der Zuschauer ganz auf die Handlung konzentrieren, was die Intensität ungemein steigert.

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Zhang (M.) ermittelt mit rigorosen Methoden

Diese Intensität trägt den Film über weite Strecken, leider geht sie aber im Finale verloren. Das eine oder andere Klischee kennt man an sich eher aus Hollywood. Auch mit vier bis fünf Kugeln im Körper können da Polizisten und Gangster noch fröhlich herumballern, ohne nachzuladen. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen. Dennoch ist „Drug War“ ein äußerst spannender Thriller geworden. Wer auf laute Action verzichten kann ist, wird damit sehr gut bedient

Veröffentlichung:
17. Januar 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Du zhan
CHN/HK 2012
Regie: Johnnie To
Drehbuch: Ryker Chan, Kai-Fai Wai, Nai-Hoi Xi Yu
Besetzung: Louis Koo, Honglei Sun, Yi Huang, Ka Tung Lam, Suet Lam, Michelle Ye
Zusatzmaterial:
Vertrieb: Koch Media

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Gleich wird die Drogenküche gestürmt

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

 

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