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Archiv für den Monat Januar 2014

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit: Wer war der Mensch hinter dem Mythos?

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Kinostart: 30. Januar 2014

Historiendrama // Stellt euch vor, Ihr könntet einen geliebten Menschen für eine Weile nicht berühren! Vielleicht eine Tochter, die sich eine Woche lang anderswo aufhält, eine Lebensgefährtin oder einen Lebensgefährten, die oder der sich für eine Weile auf Dienstreise befindet. Oder eine ganz frische Beziehung, bei der man einander vielleicht mal ein paar Tage nicht sehen kann. Schlimm? Wohl kaum – der Schmerz ist süß und zu ertragen, die nächste Berührung abzusehen. Nelson Mandela hingegen musste 21 Jahre lang warten, bis er seine geliebte Ehefrau Winnie überhaupt nur an die Hand nehmen und sie umarmen durfte. In der Szene dieser ersten Berührung und anderen kleinen Momenten von „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ ist der Zuschauer ganz nah dran am Leid, das der Freiheitskämpfer für sein Volk auf sich nahm. Eine weitere grausame Auflage der Haft: Seine Töchter durften ihn erst im Alter von 16 Jahren besuchen. Die erste Begegnung mit Zindzi nach 13 Jahren wird gezeigt, der Gedanke ist kaum zu ertragen.

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Protest: Mandela verbrennt seinen Pass

Wie konnte der von Idris Elba überzeugend verkörperte Nelson Mandela trotz dieser Behandlung nach seiner Entlassung diesen außergewöhnlichen Versöhnungskurs fahren? Dass es das Richtige war und Südafrika ansonsten vielleicht in einem blutigen Rache-Bürgerkrieg versunken wäre, der Gedanke mag rational gefasst werden. Aber wie konnte Mandela emotional so sehr seine Leidensgeschichte bewältigen, wie er es getan hat?

Diese Frage zu beantworten, ist für einen Film zweifellos schwierig. Leider unternimmt „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ gar nicht erst den Versuch. Dabei macht der Film auf den ersten Blick vieles richtig: Anhand wichtiger Ereignisse sowohl in Südafrika als auch im Leben Mandelas entfaltet sich eine chronologische Darstellung seiner Biografie. Diese hier nachzuerzählen, ist überflüssig, sie kann allerorten nachgeschlagen werden, sei es im Mandela-Eintrag bei Wikipedia oder in Nelson Mandelas Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“, auf der das Drehbuch beruht.

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Mandela (stehend rechts) und seine Mitstreiter werden zu langer Haft verurteilt

Der Film zeigt das Leben des am 5. Dezember 2013 verstorbenen Nelson Mandela auf seriöse und sorgfältige bis behutsame Weise – vielleicht etwas zu behutsam, obwohl seine Anfälligkeit für die Reize der Frauen durchaus thematisiert wird. Außer Elba verstehen auch die anderen Darsteller ihr Handwerk. Naomie Harris gibt glaubwürdig Winnie Madikizela, die große Liebe in Mandelas Leben. Ihre Radikalisierung und Verbitterung bilden einen guten Kontrast zum Versöhnungskurs ihres Mannes. Dort hätte Regisseur Justin Chadwick vielleicht einhaken und den Versuch wagen können, Mandelas Gefühlswelt zu untersuchen. Es ist schade, dass der Film in der Hinsicht an der Oberfläche bleibt. So ist „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ eine schöne und sehenswerte filmische Erinnerung an einen großen Mann und dessen Lebensleistung. Letztlich mangelt es dem Werk aber an Tiefenwirkung. Zum Verständnis von Mandelas Wesen trägt es nicht allzu viel bei.

Für ihren Filmsong „Ordinary Love“ wurden U2 bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Auch für die Oscar-Verleihung am 2. März kann sich die irische Band Hoffnung machen. Angesichts der eher durchschnittlichen Qualität des Lieds sind Auszeichnung und Nominierung wohl eher Anerkennung des langjährigen politischen Engagements – auch gegen das Apartheid-Regime Südafrikas. Die Band setzt sich seit langer Zeit auch für die Nelson Mandela Foundation ein.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Naomie Harris haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Länge: 147 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Mandela – Long Walk to Freedom
GB/RSA 2013
Regie: Justin Chadwick
Drehbuch: William Nicholson, nach Nelson Mandelas Autobiografie
Besetzung: Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Fana Mokoena, Jamie Bartlett, Deon Lotz
Verleih: Senator Film Verleih

Copyright 2014 by V. Beautifulmountain

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Senator Film Verleih

 

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Anchorman – Die Legende kehrt zurück: Der Schwachsinn geht weiter

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Anchorman 2 – The Legend Continues

Kinostart: 30. Januar 2014

Von Matthias Holm

Komödie // Er ist wieder da, der wohl schönste Schnurrbart, den die Nachrichten je gesehen haben. Will Ferrell ist nach zehn Jahren wieder in seiner Paraderolle als Ron Burgundy unterwegs und macht dieses Mal noch weniger Gefangene als im ersten Film.

Das Newsteam um Ron Burgundy verschlägt es in den 80ern von San Diego nach New York. Dort will ein neuer Sender ein revolutionäres Konzept an den Markt bringen: 24 Stunden Nachrichten. Durch eine glorreiche Eingebung gelingt es Ron, den Sprecherplatz in den 20-Uhr-Nachrichten zu ergattern. Der Erfolg steigt ihm bald zu Kopf …

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Anzug und Schnurrbart sind bereit für den ersten 24-Stunden-Newssender

Ja, mehr Story gibt es nicht. Der lose Handlungsfaden dient vielmehr lediglich dazu, einigermaßen sinnvoll zu erläutern, warum sich Ron und seine Kollegen Brian Fantana (Paul Rudd), Champ Kind (David Koechner) und Brick Tamland (Steve Carell) nun dort aufhalten, wo sie gerade sind. Alles andere ist typischer Will-Ferrell-Humor in seiner besten Form. Es ist wirklich lange her, dass ich im Kino so gelacht habe.

Der erste Anchorman-Film genießt einen gewissen Kultstatus. Es war der erste Film, in dem Will Ferrell richtig vom Leder ziehen konnte. Das hatte allerdings zur Folge, dass es einige Gags gab, die nicht ganz so gezündet haben, wie sie es sollten. Dieses Problem ist auch im zweiten Film zu bemerken – er leistet sich ein paar Längen. Sie fallen jedoch deutlich seltener auf als im Erstling. Die Trefferquote der Gags ist erstaunlich hoch, fast jede Szene ist zum Brüllen komisch – allerdings nur, wenn man Unsinn lustig findet. Wer zum Lachen in den Keller geht oder etwas intellektuelleren Humor bevorzugt, ist definitiv an der falschen Adresse. Hier haben wir es mit Schwachsinn in seiner witzigsten Form zu tun, und das ist auch gut so!

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Romantisch: Ein Date im Waschsalon

Wie schon im ersten Film sind die Schauspieler köstlich besetzt. Der komplette Cast aus dem ersten Film ist wieder dabei und wirkt so eingespielt, als ob seit dem ersten Film nicht mal ein Monat vergangen ist. Will Ferrell trägt als Ron Burgundy den Film ganz allein; seine Nebendarsteller schmeißen ihn die Pointen aber so gekonnt zu, dass es eine wahre Freude ist. Nur einer lässt sich das nicht ganz gefallen: Carell kriegt als tumber Wettermann deutlich mehr Screentime als im ersten Film und sogar eine eigene kleine Nebenstory – eine Romanze mit Kristen Wiig („Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“), die sich ebenso herrlich überzogen gebärdet wie Carell. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn Brick Tamland auf der Leinwand erschien, denn man konnte nie wissen, was als Nächstes passiert. Und auch wenn es hier und da gar zu verrückt wird, stiehlt Carell so ziemlich allen die Show. Es lohnt sich, nach dem Film einen Blick auf die erweiterte Besetzung zu werfen. Wie schon beim Vorgänger gibt es so viele Gastauftritte berühmter Persönlichkeiten, dass man unmöglich alle beim ersten Mal mitbekommt.

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Es naht ein weiterer überraschender Cameo-Auftritt – in 3, 2, 1 …

„Anchorman – Die Legende kehrt zurück“ ist ein seltener Vertreter seiner Art: Es ist eine Fortsetzung, die dem ersten Film in jeder Hinsicht überlegen ist. Die beliebtesten Szenen wurden wieder mit eingebaut (es gibt wieder ein Flötensolo und einen News-Team-Showdown), allerdings ist er auch ohne diese Sequenzen unfassbar lustig. Ich wage eine kleine Prognose: „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“ wird vermutlich nicht mein Lieblingsfilm des Jahres – aber er wird sehr wahrscheinlich meine Lieblingskomödie 2014. In diesem Sinne: Don’t have a good night. Have an american night.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Marion Cotillard und Kristen Wiig sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Jim Carrey, Will Ferrell, Harrison Ford, James Marsden, Will Smith und Vince Vaughn in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Anchorman 2 – The Legend Continues
USA 2013
Regie: Adam McKay
Drehbuch: Will Ferrell, Adam McKay
Besetzung: Will Ferrell, Paul Rudd, Steve Carell, David Koechner, Christina Applegate, Kristen Wiig, James Marsden, Meagan Good, Greg Kinnear, Josh Lawson, Dylan Baker, Marion Cotillard, Will Smith, Sacha Baron Cohen, Harrison Ford, Kirsten Dunst, Jim Carrey, Tina Fey, Vince Vaughn, Kanye West
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2014 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Paramount Pictures Germany

 

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Der große Treck – Geburt eines Weltstars

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The Big Trail

Von Volker Schönenberger

Western-Abenteuer // Marion Robert Morrison – schon mal gehört? Unter diesem – seinem echten – Namen verdingte sich ab Mitte der 20er-Jahre ein blutjunger Schauspieler in Komparsen- und Kleinstrollen beim Film. 1930 inszenierte Raoul Walsh „Der große Treck“, für dessen Hauptrolle anfangs Gary Cooper vorgesehen war. Daraus wurde nichts, weshalb Walsh seinen Regisseurskollegen John Ford nach einem geeigneten Darsteller fragte. Ford empfahl Morrison, dem Walsh kurzerhand einen Künstlernamen verpasste: John Wayne!

Wayne spielt den Treckführer Breck Coleman, der eine Schar Siedler aus Missouri über den Oregon Trail gen Westen führt. Das unwegsame Gebiet und das Wetter machen die Reise in den Planwagen zu einem schwierigen Trip. Gefahr droht zudem durch feindselige Indianer und Schurken in den eigenen Reihen.

„Der große Treck“ gilt als erster epischer Western des Tonfilms. Seinerzeit war dem prachtvollen Abenteuer allerdings kein Erfolg beschieden, seinen Status als großes Epos über die Strapazen eines solchen Trecks erhielt der aufwändig an Originalschauplätzen gedrehte Film erst im Lauf der Jahre. Ein Blick auf die Drehorte offenbart diesen Aufwand: Gedreht wurde in den US-Staaten Arizona, Kalifornien, Montana, Utah und Wyoming.

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Breck Coleman führt die Siedler nach Westen

Eine vorherige Heimkino-Veröffentlichung des Films ist mir nicht bekannt, ob auf VHS oder DVD. „Der große Treck“ liegt jedenfalls erstmals auf Blu-ray vor, wenn auch ohne deutsche Synchronisation, die anscheinend überhaupt nicht existiert. Das Schwarz-Weiß-Bild wirkt kräftig und klar, dennoch sieht man ihm das Alter an, was aber zu begrüßen ist – mit modernerem Bild würde das Werk einiges an Charme einbüßen.

Walsh drehte den Film parallel in einer 35-Millimeter- und einer 70-Millimeter-Grandeur-Widescreen-Fassung, die beide in der „Masterpieces of Cinema“-Edition enthalten sind, die Koch Media veröffentlicht hat. Vergleicht man beide Fassungen, sind außer der unterschiedlichen Bildgröße zudem in verschiedenen Szenen unterschiedliche Blickwinkel zu bemerken. Darüber hinaus inszenierte der Regisseur vier weitere Varianten des Stoffs für den internationalen Markt – mit anderen Darstellern: Es existieren eine deutsche, eine italienische, eine französische und eine spanische Version.

Der kommerzielle Misserfolg des Films brachte John Waynes gerade erst beginnende Karriere als Hauptdarsteller ins Stocken. Erst neun Jahre später machte ihn ein weiterer Western zum Topstar: „Höllenfahrt nach Santa Fé“, Originaltitel „Stagecoach“. Damit schloss sich ein Kreis: Regie führte John Ford, unter dem John Wayne in der Folge mehrfach drehte und dem er einige seiner besten Rollen verdankte.

Die Reihe „Masterpieces of Cinema“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Wayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 6. Dezember 2013 als Blu-ray inkl. 2 DVDs

Länge: 122 Min. (Blu-ray Widescreen-Fassung), 108 Min. (Blu-ray 35mm-Vollbildfassung), 117 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Big Trail
USA 1930
Regie: Raoul Walsh, Louis R. Loeffler
Drehbuch: Hal G. Evarts
Besetzung: John Wayne, Marguerite Churchill, El Brendel, Tully Marshall, Tyrone Power Sr., David Rollins, Frederick Burton, Ian Keith
Zusatzmaterial: 35mm-Fassung in 1,37:1, Audikommentar, Bildergalerie, Featurettes, Making-of, John Waynes Anfänge, Trailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Koch Media

 

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