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Truthähne auf Zeitreise: Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag

03 Feb

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Gastrezension von Matthias Holm

Kinostart: 6. Februar 2014

Computertrick-Abenteuer // Dass Animationsfilme nicht bloß Kinderunterhaltung sind, sollte inzwischen bei so jedem angekommen sein, der gern Filme schaut. Nun versucht mit Reel FX ein neues Animationsstudio, den perfekten Mix aus kindgerechter Story und erwachsenen Themen zu verbinden. Leider stolpert es dabei ein oder zwei Mal zu häufig über seine eigenen Füße.

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Reggie (l.) und Jake haben eine Mission

Truthahn Reggie hat gerade noch mal Glück gehabt: Er wurde vom Präsidenten ausgewählt, an Thanksgiving nicht auf dem Teller zu landen (übrigens mittlerweile eine Publicity-trächtige Tradition im Weißen Haus). Stattdessen lungert er den gesamten Tag in Camp David herum, schaufelt Pizza in sich hinein und guckt schlechte Telenovelas. Doch das hält nicht lange vor: Der muskulöse Jake hat von einer Art Truthahn-Gott den Auftrag bekommen, mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen und das erste Thanksgiving zu verhindern, damit die Truthähne nicht jedes Jahr geschlachtet werden. Und Reggie soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

Diese Prämisse ist so bescheuert, dass sie schon wieder genial ist. Und im Grunde genommen kann man mit „Free Birds“ durchaus seinen Spaß haben, wenn nicht so viele kleine Fehler wären. So werden etwa einfach sämtliche Regeln von Zeitreisen ignoriert. Da stehen sich dann plötzlich vier Reggies gegenüber. Sinn ergibt das wahrlich nicht. Nächstes Beispiel: Um rechtzeitig zu Hilfe zu kommen, beeilt sich Reggie, was die Frage aufwirft: Warum lässt er seine Zeitmaschine nicht einfach zwei bis drei Minuten früher ankommen?

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Psychedelische Zeitmaschine

Nun kann man bei einem spaßigen Film wie „Free Birds“ in puncto Zeitreisen-Logik sicher ein Auge zudrücken. Aber selbst die Figuren sind nicht recht ausgereift. Völlig unverständlich ist, dass Reggie sich mit seinem Entführer Jake anfreundet, obwohl der ohne Zweifel gehörig einen an der Waffel hat. Der Bösewicht ist obendrein so fiese drauf weil … ja warum eigentlich? Dass er Jäger ist, reicht als Begründung heutzutage einfach nicht mehr aus, haben manche Animationsfilme doch sogar Elternkomplexe („Ich – Einfach Unverbesserlich“) oder das Streben nach Anerkennung („Ratatouille“) als Motiv für böse Taten. Nun ja – jedenfalls sind die Küken niedlich gestaltet.

Immerhin passt der Humor, wenn man von einem doofen Running Gag mit dem Auge von Reggies Herzensdame absieht. Reggie kriegt zwar meist eins auf dem Deckel, aber Jakes – oft unzusammenhängende – Kommentare sind schon ziemlich gut geschrieben. Highlight ist ein spontanes Tänzchen, das plötzlich aus militärischen Handzeichen entsteht.

„Free Birds“ geht trotz all seiner Macken völlig in Ordnung. Es ist kein Film, den man sich unbedingt im Kino anzusehen braucht; eher eignet er sich für einen trägen Sonntag-Nachmittag. Einfach auf die Blu-ray oder DVD warten, auf die Couch lümmeln und sich berieseln lassen.

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Nicht lustig …

In der Originalfassung werden Reggie und Jake übrigens von Owen Wilson und Woody Harrelson gesprochen. Als deutsche Synchronsprecher fungieren Rick Kavanian und Christian Tramitz. In der Rolle der Jenny hören die deutschen Zuschauer Nora Tschirner, als künstliche Intelligenz S.T.E.V.E. Oliver Kalkofe.

Abschließend doch noch eine Beschwerde (Vorsicht, SPOILER): Es ist eine Frechheit, dass als Lösung des Problems keine Truthähne mehr geschlachtet werden, sondern Pizza gemampft wird! Und die Pizza im Film ist definitiv nicht vegetarisch. Welche Botschaft dahinter stecken soll, wissen wohl nur die Macher und der Truthahn-Gott …

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Free Birds
USA 2013
Regie: Jimmy Hayward
Drehbuch: Jimmy Hayward, Scott Mosier
Originalstimmen: Owen Wilson, Woody Harrelson, Amy Poehler, George Takei, Colm Meany, Keith David, Dan Fogler,
Verleih: Senator Film Verleih

Copyright 2014 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Senator Film Verleih

 

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