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RoboCop – Der Remake-Wahn findet kein Ende

06 Feb

RoboCop-Plakat

RoboCop

Kinostart: 6. Februar 2014

Von Volker Schönenberger

SF-Action // FSK 12!? Beim Remake eines wegen seiner expliziten Gewaltdarstellung lange Zeit auf dem Index befindlichen Actionklassikers!? Was soll man davon erwarten? Handzahme Hochglanz-Action für die ganze Familie? Ganz so schlimm ist es nicht geworden; die eine oder andere Actionsequenz ist durchaus deftig geraten, wenn auch blutarm. Regisseur José Padilha wollte Paul Verhoevens „RoboCop“ (1987) offenbar nicht kopieren, sondern das Remake als eigenständigen Film inszenieren. Die Brutalität des Originals zu erreichen oder gar zu übertreffen, hätte am Ende vielleicht auch selbstzweckhaft gewirkt.

ROBOCOP

Erinnerung an schöne Zeiten: Murphy mit seiner Clara

Der in Schweden geborene US-Schauspieler Joel Kinnaman („Easy Money“) spielt den aufrechten Polizisten und Familienvater Alex Murphy, der durch einen Bombenanschlag auf sein Auto aufs Übelste verstümmelt wird. Vom Technologie-Konzern OmniCorp wird Murphy daraufhin zum unbesiegbar wirkenden RoboCop umoperiert und -gebaut. OmniCorp möchte auch in den USA mit seinen militärischen Drohnen und Robotern Kasse machen – sie werden schon in überseeischen Krisenherden erfolgreich eingesetzt. Gesetzeslage und Stimmung im Volk verhindern allerdings, dass schwerbewaffnete kybernetische Wesen die US-Straßen sicherer (oder unsicherer?) machen, auch wenn der einflussreiche TV-Moderator Pat Novak (Samuel L. Jackson) unermüdlich und lautstark für OmniCorps Projekt wirbt. Da kommt RoboCop gerade recht, denn in ihm steckt eben noch ein Mensch und damit eine Seele – oder das, was davon übrig ist.

Etwas unausgegoren wirkt die Figur des Dr. Dennett Norton (Gary Oldman), seines Zeichens Chefwissenschaftler der zum OmniCorp-Konzern gehörenden Omni Foundation. Norton wird als empathischer Mensch eingeführt, er ist kein skrupelloser Forscher. Im Falle von Alex Murphy allerdings geht er ohne Hemmungen vor – unkritisch und pflichtschuldig folgt er den Anweisungen von Konzernboss Raymond Sellars (Michael Keaton), manipuliert mit Computerchips sogar am Bewusstsein Murphys herum, um Fehleranfälligkeit zu reduzieren. Schade drum – gerade mit einem Schauspieler der Klasse Oldmans wäre die Figur hervorragend geeignet gewesen, Fragen nach der Verantwortung des Forschers und der Wissenschaft aufzuwerfen. Das blitzt aber zu selten auf. Keatons Top-Manager Sellars hingegen ist von vornherein eindimensional angelegt, ihm geht es in erster Linie um Gewinnstreben für OmniCorp. Das funktioniert auf einfache Weise, um Kritik am Wirtschaftssystem geht es in „RoboCop“ ohnehin nur am Rande.

RoboCop-09

RoboCop demonstriert seine Fähigkeiten

Was ein Actionfilm sein soll, braucht sehr lange, bis es endlich einmal kracht. Regisseur José Padilha wollte offenbar eine gute Portion Drama hinzufügen, die Tragik von Murphys Figur anhand seiner verzweifelten Ehefrau Clara (Abbie Cornish) und dem gemeinsamen Sohn David (John Paul Ruttan) abbilden. Das gelingt nur in einzelnen Szenen, insgesamt lässt das Schicksal der Familie den Zuschauer eher kalt.

Ein eiskaltes Gefühl hinterlässt „RoboCop“ in einer Szene, in der Murphy Dr. Norton nötigt, ihm den menschlichen Rest seines Körpers im Spiegel zu zeigen, indem er Panzerung und Ausstattung der Mensch-Maschine entfernt. In dem Moment erinnert Murphys bitteres Los ein wenig an das Schicksal des von Jake Gyllenhaal verkörperten Colter Stevens in „Source Code“ (2011). Für eine Nachwirkung über das Ende des Films hinaus reicht das aber nicht.

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Dr. Norton (l.) folgt den Anweisungen seines Chef Sellars

Wenn schon der dramatische Inhalt nicht recht überzeugt, muss wenigstens die Action beeindrucken. Leider dauert es dafür zu lange. Und wenn’s dann endlich losgeht, ist das zwar rasant und laut, aber auch etwas zu glatt und poliert. Vom Regisseur von „Tropa de Elite“ (2007) und dessen 2010er-Fortsetzung war mehr zu erwarten gewesen. Bleibt als Fazit: Der 2014er-„RoboCop“ ist ansehnlich und keineswegs völlig missraten, letztlich aber nur ein weiteres Remake, auf das die Welt nicht gewartet hat.

Zur Rezension von Paul Verhoevens Original von 1987 geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: RoboCop
USA 2014
Regie: José Padilha
Drehbuch: Joshua Zetumer
Besetzung: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Samuel L. Jackson, Zach Grenier
Verleih: Studiocanal

Copyright 2014 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Studiocanal

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