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American Hustle – Gauner im Dienst des FBI

11 Feb

American_Hustle-Plakat

Kinostart: 13. Februar 2014

Krimidrama // Schon die ersten Szenen lassen auf großes Schauspielerkino hoffen: Irving Rosenfeld (Christian Bale) richtet sich vor einem Hotelzimmer-Spiegel das Toupet, klebt es unbeholfen auf seine Glatze. In seiner Lächerlichkeit wirkt er dabei fast rührend, zumal er bald darauf eine stattliche Plauze präsentiert. Nach erfolgter Toupet-Befestigung muss sich Rosenfeld auch noch die Sticheleien von Richie DiMaso (Bradley Cooper) gefallen lassen. FBI-Agent DiMaso nötigt den Trickbetrüger Rosenfeld und dessen Spießgesellin und Geliebte Sydney Prosser (Amy Adams) 1978 zur Teilnahme an einer fingierten Bestechungsaktion, um Carmine Polito (Jeremy Renner) der Korruption zu überführen. Der großspurige, aber sympathische Polito ist Bürgermeister von Camden, New Jersey.

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Haarteil und Wampe – Irving Rosenfeld gibt alles

In Rückblenden erfahren wir, wie es zu der ungewöhnlichen Zusammenarbeit von FBI und Trickbetrüger-Pärchen gekommen ist: Rosenfeld und Prosser lernen einander kennen und lieben, auch wenn Rosenfeld seine Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence) nebst Stiefsohn wohl nie verlassen wird. Die aus der Provinz stammende Sydney mutiert zur englischen Lady Edith – so zieht das Paar arglosen Schuldnern mit falschen Krediten das Geld aus der Tasche und handeln mit gestohlenen oder gefälschten Kunstwerken. Bis eines Tages das FBI in Gestalt von DiMaso auf der Matte steht. Der überführt die beiden und schlägt ihnen einen Deal vor: Statt Knast Zusammenarbeit. Bürgermeister Polito scheint bald am Haken zu zappeln, doch DiMaso wird gierig: Es winken größere Fische.

In den Jahren 1978 bis 1980 unternahm das FBI mit Unterstützung eines verurteilten Trickbetrügers eine großangelegte Operation gegen Korruption in New Jersey. Mit der sogenannten Abscam-Operation überführte die Behörde diverse hochrangige Politiker der Bestechlichkeit. „American Hustle“ basiert in Grundzügen auf den Ereignissen der Abscam-Operation.

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Feines Gaunerpärchen: Sydney und Irving

Mit dem Film beendet David O. Russell eine thematisch leicht zusammenhängende Trilogie, die er 2010 mit „The Fighter“ begann und 2012 mit „Silver Linings“ fortführte. Im Presseheft zu „American Hustle“ äußert der Regisseur seine Gedanken zu diesen drei Filmen: Diese Filme handeln von Menschen, deren Leben nicht so verlaufen sind, wie sie es sich vorgestellt oder geplant haben. Diese Typen sind zwar extrem liebenswert, aber sie haben auch etwas Herzzerreißendes an sich. Sie sind auf der Suche nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens und nach Liebe. Das Selbstbild dieser Figuren ist ein einziger Scherbenhaufen. Sie fragen sich nicht nur, was noch kommt, sondern auch, was das Leben wieder lebenswert macht und ob sie jemals wieder lieben können. Mir ist es sehr wichtig, dass alle Figuren Leidenschaft besitzen. Genauso wichtig ist mir ihr Durchhaltevermögen und dass sie für ihre Träume kämpfen, Höhen und Tiefen durchleben und am Ende erstarkt hervorgehen.

Wohl dem, dem Russell eine Rolle in einem dieser drei Filme zugedacht hat – wichtige Filmpreise oder zumindest Nominierungen und damit der Aufstieg in Hollywoods erste Garde waren die Folge. Christian Bale (Oscar für „The Fighter“), Jennifer Lawrence (Oscar für „Silver Linings“), Melissa Leo (Oscar für „The Fighter“) und Bradley Cooper (Oscar-Nominierung für „Silver Linings“) werden sich bedanken. In den kommenden Jahren wird Russell wohl keine Probleme haben, die Rollen in neuen Projekten nach seinem Gusto zu besetzen.

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DiMaso (l.) und Rosenfeld – wer spielt mit wem?

Der zwischen Komödie, Krimi und Drama lavierende „American Hustle“ ist ein Paradebeispiel für Ensemblekino, in dem jeder Akteur die Chance hat zu brillieren – und sie nutzt: Christian Bale gibt mit viel Verve den stillosen, aber selbstbewussten Betrüger, dem man seine kriminellen Handlungen nicht recht übel nehmen kann. An seiner Seite überzeugen sowohl Amy Adams als Geliebte als auch Jennifer Lawrence als vernachlässigte Ehefrau, die geistig etwas schlichter gestrickt, dafür aber mit einer gewissen Bauernschläue ausgestattet ist. Auch Bradley Cooper ist mit viel Spielfreude bei der Sache und hat als FBI-Agent zwischen Ehrgeiz und Eitelkeit diverse schöne Szenen. Jeremy Renner („Tödliches Kommando – The Hurt Locker“) schließlich scheint wieder Gefallen an schauspielerisch anspruchsvolleren Rollen gefunden zu haben, nachdem er sich zuletzt mit „Marvel’s The Avengers“ und „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“ eher dem Effektkino zugewandt hatte.

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Objekt der Begierde: Bürgermeister Polito (Mitte)

„American Hustle“ fängt das Flair der späten 70er-Jahre wunderbar ein, was nicht zuletzt der liebevollen Kostümierung zu verdanken ist. Ist der Film großes Kino? Zweifellos, doch ein paar Längen sind speziell in der ersten Hälfte zu überstehen. Dank geistreicher Dialoge fallen sie glücklicherweise nicht allzu groß ins Gewicht, aber eine Straffung um vielleicht zehn Minuten hätte dem Film gutgetan. Mit den Längen ist’s allerdings spätestens dann vorbei, wenn mit FBI-Agent DiMaso etwa zur Hälfte des Films die Pferde durchgehen und er die Chance wittert, noch ein größeres Tier und noch ein größeres Tier dingfest zu machen. Klar ist auch, dass zum Ende – aber lassen wir das. Ins Kino gehen, hinsetzen, anschauen, wohlfühlen. Da geht was.

Das Timing des deutschen Kinostarts ist perfekt – nach den Golden Globes, vor den Oscars. Reden wir also über Preise: Etliche Trophäen von Kritiker- und Filmverbänden sowie Festivals stehen zu Buche, obendrein drei Golden Globes – als bester Film der Kategorie Comedy/Musical sowie für Hauptdarstellerin Amy Adams und Nebendarstellerin Jennifer Lawrence. Bale und Cooper waren zudem als Haupt- bzw. Nebendarsteller nominiert, desgleichen David O. Russell als Regisseur sowie Russell mit Eric Warren Singer für das Drehbuch. Ins Oscar-Rennen geht „American Hustle“ mit zehn Nominierungen als Favorit. Die eine oder andere Trophäe wird’s vermutlich werden. Es wäre ein verdienter Erfolg für einen geistreichen und intelligenten Ensemblefilm mit toller Besetzung und viel Pep.

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Rosalyn lässt sich mit Mafiosi ein

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Amy Adams und/oder Jennifer Lawrence sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Bradley Cooper und/oder Jeremy Renner in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 138 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
USA 2013
Regie: David O. Russell
Drehbuch: Eric Warren Singer, David O. Russell
Besetzung: Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Louis C. K., Jack Huston, Michael Peña
Verleih: Tobis Film

Copyright 2014 by V. Beautifulmountain

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Tobis Film

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