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Ich folgte einem Zombie – Untot vor Romero

26 Feb

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I Walked with a Zombie

Von Volker Schönenberger

Horror // 1968 öffnete sich eine Tür. Aus ihr strömten Horden von Zombies – Untote, die nach Menschenfleisch gieren und ihre Opfer zu ihresgleichen machen, sofern sie sie nicht vollständig verspeisen. Die Tür hat sich bis heute nicht mehr geschlossen, geöffnet hat sie ein gewisser George A. Romero mit seinem großartigen Independent-Horrorschocker „Die Nacht der lebenden Toten“, dem Urvater des modernen Zombiefilms.

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Jessica (r.) wandelt willenlos umher

Bei der Schwemme darauf folgender Zombiestreifen – mal gut, oft unterirdisch – ging ein wenig unter, dass vor 1968 einige sehenswerte Gruselfilme entstanden sind, die den Zombie als das Wesen zeigen, das er im ursprünglichen Sinne war: ein Toter oder vermeintlich Toter, der mittels Magie oder anderer Methoden mehr oder minder willenlos in ein Leben im Dämmerzustand zurückkehrte, oder ein Lebender, der in einen solchen Zustand versetzt wurde.

Im Banne des Voodoo

„Ich folgte einem Zombie“ gehört zu den besten dieser frühen Vor-Romero-Zombiefilme. Die Handlung folgt der kanadischen Krankenschwester Betsy Connell (Frances Dee), die sich in Ottawa anwerben lässt, auf der (fiktiven) Karibikinsel Saint Sebastian eine Tätigkeit anzutreten. Dort soll sie Jessica Holland (Christine Gordon) betreuen, die Ehefrau von Paul Holland (Tom Conway), der auf der Insel eine Zuckerrohr-Plantage führt. Jessica befindet sich in einem völlig willenlosen Dämmerzustand und spricht nicht mehr, nach Aussage des Hausarztes Dr. Maxwell (James Bell) Folge eines tropischen Fiebers. Bald gerät Betsy mit dem auf der Insel verbreiteten Voodoo-Kult in Berührung.

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Dr. Maxwells (r.) Diagnose ist unbefriedigend

Zweite Zusammenarbeit, zweiter Volltreffer – zumindest aus heutiger Sicht: 1942 hatten Regisseur Jacques Tourneur und Produzent Val Lewton mit „Katzenmenschen“ einen stilbildenden Horrorfilm vorgelegt, der heute zu Recht als Genreklassiker gilt. 1943 kam mit „I Walked with a Zombie“, so der Originaltitel, die nächste Koproduktion in die US-Kinos. Sie wurde allerdings von der zeitgenössischen Kritik nicht gut aufgenommen. So schrieb die angesehene New York Times, it proved to be a dull, disgusting exaggeration of an unhealthy, abnormal concept of life, um als Fazit eine recht polemische Frage in den Raum zu stellen: … how much more important is its duty to safeguard the youth of the land from the sort of stuff and nonsense that their minds will absorb from viewing „I Walked With a Zombie“? ? ?

Meisterhafter Einsatz von Licht und Schatten

Diese Einschätzung hat sich im Lauf der Jahre gewandelt. Heute ist das Werk als feinfühlig und intelligent anerkannt. Zwar fällt es den alten Schwarz-Weiß-Gruselstreifen angesichts mancher Furcht einflößender moderner Horrorfilme gelegentlich schwer, wirklich beängstigend zu wirken, „Ich folgte einem Zombie“ hat aber diverse Szenen zu bieten, in denen sich beim Schauen wohliges Schaudern einstellt. Wie „Katzenmenschen“ zieht auch Val Lewtons zweite Produktion ein Gutteil ihrer stimmungsvollen Atmosphäre aus der reizvollen Arbeit mit Licht und Schatten, die das Schwarz-Weiß-Bild ermöglicht.

Pflichtprogramm für Freunde klassischen Schwarz-Weiß-Horrors

Für „Ich folgte einem Zombie“ gilt dasselbe wie für „Katzenmenschen“: In einer gut sortierten Sammlung schwarz-weißer Horrorfilme sollte der Film enthalten sein. Wer keine deutsche Tonspur benötigt, kann sich in den USA „The Val Lewton Horror Collection“ zulegen. Mit neun von Val Lewton produzierten Horrorfilmen plus einer Doku über Lewton ist das eine wertige Box, die über die einschlägigen US-Onlinehändler vergleichsweise preiswert zu bekommen ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

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Der Voodoo-Kult – auf Saint Sebastian höchst lebendig

Die Filme der Arthaus Retrospektive von Studiocanal:

01. Goldenes Gift (Out of the Past, 1947)
02. Liebe 1962 (L’eclisse, 1962)
03. Macao (Macao, 1952)
04. Mr. und Mrs. Smith (Mr. and Mrs. Smith, 1941)
05. Der nackte Kuss (The Naked Kiss, 1964)
06. The Fallen Idol – Kleines Herz in Not (The Fallen Idol, 1948)
07. Im Geheimdienst (Cloak and Dagger, 1946)
08. Liebe in der Stadt (L’amore in città, 1953)
09. Pläsier (Le plaisir, 1952)
10. Der Tod ritt dienstags (I giorni dell’ira, 1967)
11. Der Pakt mit dem Teufel (La beauté du diable, 1950)
12. Der Rabe (Le corbeau, 1943)
13. Stunde der Wahrheit (Histoire immortelle, 1968)
14. Tagebuch einer Kammerzofe (The Diary of a Chambermaid, 1946)
15. Der Tiger (The Enforcer, 1951)
16. Das Wort (Ordet, 1955)
17. Bis zum letzten Atemzug (Only the Valiant, 1951)
18. Ich folgte einem Zombie (I Walked with a Zombie, 1943)
19. Der Leichendieb (The Body Snatcher, 1945)
20. Panik um King Kong (Mighty Joe Young, 1949)
21. Schweigen ist Gold (Le silence est d’or, 1947)
22. Goldhelm (Casque d’or, 1952)
23. Hafen im Nebel (Le quai des brumes, 1938)
24. Verbotene Spiele (Jeux interdits, 1952)
25. Der Mann im weißen Anzug (The Man in the White Suit, 1951)
26. Schrei, wenn du kannst (Les cousins, 1959)
27. Der Diener (The Servant, 1963)
28. Eva und der Priester (Léon Morin, prêtre, 1961)
29. Vincent, François, Paul und die anderen (Vincent, François, Paul… et les autres, 1974)
30. Champagne (Champagne, 1928)
31. Die Nonne (La religieuse, 1966)
32. Ossessione – Von Liebe besessen (Ossessione, 1943)
33. Seine Gefangene (La prisonnière, 1968)
34. Das Testament des Orpheus (Le testament d’Orphée, ou ne me demandez pas pourquoi! 1960)

Veröffentlichung: 6. September 2012 als DVD

Länge: 66 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: I Walked with a Zombie
USA 1943
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Curt Siodmak, Ardel Wray, Inez Wallace, nach Motiven des Romans „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë
Besetzung: James Ellison, Frances Dee, Tom Conway, Edith Barrett, James Bell
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2012 Studiocanal Home Entertainment

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