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Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand – Forrest Gumps schwedischer Opa

19 Mrz

Der Hundertjaehrige-Plakat

Kinostart: 20. März 2014

Gastrezension von Matthias Holm

Komödie // Achtung! Diese Rezension wurde geschrieben, ohne das Buch zu kennen!

Es ist schon eine ungewöhnliche Erfolgsstory, die der Schwede Jonas Jonasson hingelegt hat. Gleich mit seinem erstem Roman schaffte er es, fast die gesamte Welt zum Lachen zu bringen. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ wurde seit seiner Erstveröffentlichung 2011 in über 20 Sprachen übersetzt und in 35 Ländern verkauft. Allein in Deutschland verschlangen mehr als zwei Millionen Leser die Abenteuer des Allan Karlsson. Klar, dass da eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit war. Der Regisseur Felix Herngren nimmt sich dieser Mammutaufgabe an – und bewältigt sie mit einem internationalen Cast bravourös.

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Bloß raus aus dem Heim

Allan Karlsson (Robert Gustafsson) hat die Nase voll. An seinem 100. Geburtstag steigt er einfach aus dem Fenster seines Altenheims in Malmköpping und bucht sich ein Busticket ins Nirgendwo. Wie der Zufall es will, gelangt er dabei an einen Koffer mit brisantem Inhalt: Ein Mitglied einer Rockerbande drückt ihm 50 Millionen Kronen in die Hand – eigentlich nur zum kurzen Halten. Doch Allan behält den Koffer und steigt in den Bus. Gejagt von den Lederwesten tragenden Bikern und einem eher lustlosen Polizisten (Ralph Carlsson), trifft Allan auf seiner Reise neue Freunde und erinnert sich daran, wie er in seinen hundert Lebensjahren die Weltgeschichte beeinflusst hat – meist eher unfreiwillig.

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Na, wer wird hier später Kopfschmerzen haben?

Parallelen zum Tom-Hanks-Film „Forrest Gump“ (1994) sind unverkennbar. Auch da ging es um einen – sagen wir: geistig schlichten – Mann, der zum unmittelbaren Zeitzeugen der Weltgeschichte wird, ohne davon zu ahnen. Auch die Moral des Films – manchmal ist Handeln besser als Nachzudenken – hat man so oder ähnlich mehrfach gesehen. Dennoch ist „Der Hundertjährige …“ einer der wohl frischesten Filme in einem von Franchises und Fortsetzungen beherrschten Geschäft. Die beiden Handlungsstränge, Allans Leben und die Krimihandlung in der Gegenwart, könnten beide für sich stehen und immer noch einen tollen Film abliefern. Wann immer die Erzählebene wechselt, freut man sich auf die folgenden Szenen.

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Allan ist mit Herbert Einstein in einem Gulag gefangen

Robert Gustafsson gibt dem dauertrinkenden Allan ein wunderbar passendes Gesicht, sowohl als erwachsener Mann als auch als alter Knacker mit einer tollen Maske. Auch wenn Allan nicht der hellste Stern am Firmament ist (er hat mit neun Jahren die Schule abgebrochen), wird daraus nie eine Lächerlichkeit gemacht. Dafür schafft er es, dank seiner Liebe zum Sprengstoff und seiner einfachen Herangehensweise an komplexe Themen, die Atombombe fertigzustellen. Diese Wesenszüge lassen ihn grundsympatisch erscheinen und man verfolgt seine Geschichten nur zu gern.

Die Menschen, die sich Allan während seiner Reise anschließen, sind genauso schrullig wie er: Der Bahnwärter Julius (Iwar Wiklander) und die Tierliebhaberin Gunilla (Mia Skäringer) sind da noch halbwegs normal, wobei auch sie einige Macken haben. Den Vogel schießt David Wiberg als Benny ab: In diversen Studiengängen hat er bereits satte 920 Creditpoints gesammelt. In einem europäisch genormten Bachelor-Master-System sind das mal eben knapp 15 Jahre. Und dabei hat er nicht ein Studium abgeschlossen. Diese Unsicherheit, was er denn nun wirklich in Zukunft machen möchte, wirkt sich auf Bennys Sprache und Mimik aus: Nur selten bekommt er einen Satz hin, ohne ihn dreimal wieder anfangen zu müssen.

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Alles leuchtet beim Atombombentest

Allein diese Gruppe hätte gereicht, um einen netten Kinoabend zu garantieren. Doch dann kommen die Nebenfiguren: Selten war die zweite Garde so witzig wie Albert Einsteins leicht doofer Zwillingsbruder Herbert (David Shackleton) oder der hyperaktive, dauerplappende Spanier Esteban (Manuel Dubra). Bei den bekannten historischen Persönlichkeiten wie Franco und Stalin hat die Maske einmal mehr ganze Arbeit geleistet, die Schauspieler ähneln ihren Vorbildern durchaus.

Zwei Bedenken habe ich allerdings: Die Pressevorführung war auf Schwedisch mit englischen Untertiteln. Mein Wunsch an die deutsche Synchronisation: Synchronisiert nur das Schwedische! Gerade der Sprung zwischen den Sprachen macht einen Großteil von Allans Unterhaltungen aus. Zum anderen ist da der mögliche Erfolg des Films. Der Humor ist mitunter tiefschwarz, die Geschichte reichlich absurd. Wer dafür nichts übrig hat und womöglich das Buch nicht kennt, wird den Film vermutlich zur Hölle wünschen und sich fragen, woher all die Lobeshymnen kommen. Doch dieser Film verdient ein großes Publikum. Also, liebe Buchkenner: Packt euren gesamten Freundeskreis ein, und ab ins Kino!

Länge: 114 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann
SWE 2013
Regie: Felix Herngren
Drehbuch: Felix Herngren, Hans Ingemansson, nach dem Roman von Jonas Jonasson
Besetzung: Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, David Wiberg, Mia Skäringer, Jens Hultén, Bianca Cruzeiro, Alan Ford
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2014 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Concorde Filmverleih GmbH

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