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Prinzessin Mononoke – Besser geht’s nicht

11 Apr

Prinzessin_Mononoke-Cover

Mononoke-hime

Gastrezension von Matthias Holm

Anime-Fantasy // Universum Film hat meine Gebete erhört. Nachdem ich im Januar nach der Veröffentlichung des grandiosen „Porco Rosso“ darum gebeten habe, möglichst schnell auch „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Prinzessin Mononoke“ nachzuschieben, kommt letztgenannter nur drei Monate später bereits auf Blu-ray.

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San reitet in den Kampf

Ein dämonischer Eber

Prinz Ashitaka hat einen extrem miesen Tag. Zwar konnte er den zum Dämon gewordenen Eber abwehren, der sein Dorf angegriffen hat. Dabei traf allerdings der Fluch des bösen Wesens seinen Arm. Die Seherin des Dorfes hat daraufhin schlechte Nachrichten: Der Fluch wird sich durch Ashitakas gesamten Körper fressen und ihn langsam töten. Um die Dorfbewohner zu schützen, muss der Prinz verbannt werden. Die Seherin gibt ihm immerhin einen Rat mit auf den Weg: Ein Waldgott habe die Herrschaft über Leben und Tod. Und so macht sich Ashitaka auf, diesen Waldgott zu finden. Dabei gerät er zwischen die Fronten eines brutalen Krieges: auf der einen Seite die Menschen, die nach der Waldrodung unter der Führung ihrer Herrin Eboshi Eisen aus einem Berg gewinnen, auf der Gegenseite die Waldgeister und -götter, zu denen auch die junge San gehört.

Eine Warnung: Obwohl der Film die für Ghibli-Verhältnisse bereits hohe Altersfreigabe FSK 12 erhalten hat, sollte man ihn Zwölfjährigen nicht unbedingt zeigen. Die Masse an abgetrennten Gliedmaßen und Blut übertrifft wohl die härtesten Filme dieser Alterskategorie zusammen. Selbst hartgesottene Filmgucker werden zusammenzucken, wenn die Arme eines Samurais vom Körper gerissen werden, nur weil sein Schwertgriff von einem Pfeil getroffen wurde.

Das Meisterwerk aus dem Studio Ghibli

Die Geschichte des Films ist das Beste, was je aus dem Studio Ghibli und von Hayao Miyazaki je kam. Die Botschaft, der Mensch soll doch bitte in Einklang mit der Natur leben und sie bei allem technischen Fortschritt weiter respektieren, ist noch deutlicher dargestellt als etwa in „Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde“ (1984). Doch auch hier gibt es keine klare Schwarz-Weiß-Trennung. Lady Eboshi wird zwar als kalt, berechnend und rücksichtslos charakterisiert, jedoch sieht man auch, wie sie sich um ihre Untergebenen kümmert und Mitleid mit Menschen hat, die vom Schicksal gezeichnet sind. So sind alle Frauen, die bei ihr arbeiten, vorher Prostituierte in Bordellen gewesen. Selbst von der Gesellschaft ausgestoßene Kranke finden bei Eboshi einen Platz.

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Kann Ashitaka (l.) in dem gnadenlosen Krieg vermitteln?

Ähnlich gelagert ist die Figur der San. Obwohl sie ein Mensch ist, wurde sie von der Wolfsgöttin Moro aufgezogen. Dadurch kann sie mit den Tieren des Waldes kommunizieren. Daher kommt auch der Name des Films: Mononoke sind wilde Wesen, manche von ihnen wollen den Menschen schaden, manche wollen sie beschützen – und die Prinzessin gebietet durch die Kunst der Kommunikation über diese Tiere. Doch auch sie ist nicht frei von Fehlern: Sie ist impulsiv und hasst die Menschen, die das Zuhause ihrer Mutter und Geschwister zerstören.

Die einzige Figur, die aus dieser komplexen Charakterzeichnung herausfällt, ist der Protagonist Ashitaka. Er ist stets darum bemüht, dass beide Seiten einen Konsens finden, stößt dabei aber immer auf taube Ohren. Dieses Gutmensch-Getue macht ihn leider zur langweiligsten Figur des Films. Dafür hat er die besten Kampfszenen. Der Fluch soll ihn zwar auf Dauer töten, hat allerdings den positiven Nebeneffekt, dass Ashitaka im verfluchten rechten Arm übermenschliche Stärke erlangt. Da ist es dann auch kein Problem, ein Schwert mit der bloßen Hand zu verbiegen.

Perfekt ausbalanciert

Miyazaki gelingt es mit „Prinzessin Mononoke“, genau die richtige Balance zu finden. Schwelgte er bei „Porco Rosso“ zum Beispiel einen kleinen Tick zu lange in seinen Flugszenen oder ließ er bei „Das wandelnde Schloss“ zu viele Nebenfiguren wichtig erscheinen, bekommt bei „Prinzessin Mononoke“ alles die richtige Zeit. Der Zuschauer kann sich an den lustigen Nebenfiguren erfreuen, die allerdings nie den Fokus vom eigentlichen Plot ablenken. Es gibt wieder fabelhaft gemalte Landschaften, die jedoch immer nur kurz zu bestaunen sind, bevor die Geschichte wieder Fahrt aufnimmt.

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Die Baumgeister sehen unheimlich aus, sind aber liebenswürdige Gestalten

Wie bereits bei der Blu-ray von „Porco Rosso“ ist auch in diesem Fall der HD-Transfer einwandfrei gelungen. Es gibt kein Flimmern in den Farben, alles sieht fantastisch aus. Die Tonabmischung ist ebenfalls perfekt, sodass man die Dialoge und Joe Hisashis grandiosen Score genießen kann.

Ich sehe diesen Film vielleicht ein wenig durch die rosarote Brille. Ohne „Prinzessin Mononoke“ hätte sich meine Liebe zu Animes nie so entwickelt, wie sie heute ist. Auch nach 17 Jahren gehört das Meisterwerk zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Allen, die mit Miyazaki oder Animes nie etwas anfangen konnten, sei dieser Film ans Herz gelegt. Er bietet mit seiner Mischung aus Action, kritischer Botschaft und tollen Figuren einen perfekten Einstieg. Alle anderen haben sich den Veröffentlichungstag eh schon rot im Kalender angestrichen.

Veröffentlichung: 11. April 2014 als Blu-ray

Länge: 133 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Mononoke-hime
JAP 1997
Regie: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Zusatzmaterial: Storyboards zum kompletten Film, Studio Ghibli Trailershow, Japanische Original-Trailer & TV-Spots, vierseitiges Coverpack, Schuber
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Universum Film

 

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