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Der Mohnblumenberg – Zaubert ein Lächeln auf jedes Gesicht

02 Mai

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Gastrezension von Matthias Holm

Anime-Drama // Sobald Hayayo Miyazaki mit seinem letzten Film „The Wind Rises“ endgültig das von ihm gegründete Studio Ghibli verlässt, muss bei dem japanischen Traditionsstudio ein Generationswechsel her. Denn obwohl mit „The Tale of Princess Kaguya“ der nächste Film in den Startlöchern steht, ist der Regisseur Isao Takahata mit 79 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Wer würde sich also besser für diesen Umbruch eignen als der Sohn des Meisters selbst? Nach seinem kritisch aufgenommenen ersten Film „Die Chroniken von Erdsee“ beweißt Gorō Miyazaki allerdings mit „Der Mohnblumenberg“, dass auch er sympathische und einfach rundum schöne Filme machen kann.

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Umi und Shun kommen sich allmählich näher

Yokohama, 1963: Die 16-jährige Umi Matsuzuka lebt mit ihren Geschwistern und einigen Untermietern zusammen. Umi ist dabei für den gesamten Haushalt zuständig, sie kauft ein, kocht und kümmert sich aufrichtig um die Wohngemeinschaft. Allerdings hisst sie auch jeden Tag ein paar Flaggen. Sie hofft, dass dadurch ihr Vater, der im Koreakrieg als Kapitän tätig war, den Weg zu ihr findet. Sein Schiff war auf eine Seemine gelaufen. Eines Tages lernt sie in der Schule den Jungen Shun kennen, der gegen den Abriss des „Quartier Latin“ demostriert. In dem Haus treffen sich Schulclubs. Die beiden Teenager kommen sich näher, doch nachdem Umi Shun ein Foto ihres Vaters zeigt, geht Shun auf Distanz.

Keine übernatürlichen Vorkommnisse, keine Geister oder Dämonen. „Der Mohnblumenberg“ ist eine Geschichte, die sich so oder so ähnlich im realen Yokohama hätte abspielen können. Das Problem, vor das die beiden Jugendlichen gestellt werden, ist allerdings ziemlich abstrus konstruiert. Bei der Auflösung wird der ein oder andere Zuschauer wohl unweigerlich mit dem Kopf schütteln.

Doch zum Glück gibt es noch den parallelen Handlungsstrang mit dem „Quartier Latin“. Damit beweist Gorō Miyazaki, dass auch er ein gutes Gespür für Dramaturgie und Komik hat. Die Szenen, in denen das heruntergekommene Gebäude geputzt und saniert wird, sind sehr witzig und liebenswürdig geraten.

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Das Quartier Latin muss dringend überholt werden

Generell fällt es einem schwer, bei diesem Film das Lächeln aus dem Gesicht zu bekommen. Ähnlich wie beim zweiten Ghibli-Film „Mein Nachbar Totoro“ seines Vaters kommt die Geschichte nur sehr langsam voran. Aber trotzdem hat man die ganze Zeit ein wohliges Gefühl, man ist über die gesamte Filmlänge glücklich.

Ein paar Spannungsspitzen hätten dem Film vielleicht gutgetan, aber auch so gelingt Gorō Miyazaki ein schöner Film. Von der Klasse seines Vaters ist er zwar noch ein Stück weit weg, aber „Der Mohnblumenberg“ schürt die Hoffnung, dass wir auch in Zukunft tolle Animes aus dem japanischen Kult-Studio zu sehen bekommen.

Veröffentlichung: 2. Mai 2014 als Blu-ray

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Kokuriko-zaka kara
JAP 2011
Regie: Gorō Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki, Keiko Niwa, Tetsurô Sayama, nach einem Manga-Comic von Chizuru Takahashi und Tetsurô Sayama
Zusatzmaterial: Musikvideo „Sayonara no Natsu“, Yokohama „gestern und heute“, Interview mit Regisseur Gorō Miyazaki, Pressekonferenz und Titelsong-Ankündigung, Storyboards zum kompletten Film, deutscher Kinotrailer, japanische Originaltrailer & TV-Spots, Studio Ghibli Trailershow, vierseitiges Coverpack, Schuber
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Universum Film

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6 Antworten zu “Der Mohnblumenberg – Zaubert ein Lächeln auf jedes Gesicht

  1. Thorsten Krüger

    2014/05/02 at 12:31

    fand den Film unter seiner Nostalgie-Haube ja beachtlich soziohistorisch – hinsichtlich der Zeitenwende nach den Kriegsjahrzehnten.

     
    • afictionesse

      2014/05/02 at 16:08

      Wie ist das zu verstehen?

       
      • Thorsten Krüger

        2014/05/03 at 12:28

        1964 war das Olympia-Jahr in Japan und Tokio Austragungsort der Spiele. Der Film zeigt die Schatten der Vergangenheit – der Vater der Hauptdarstellerin wird seit dem Koreakrieg zehn Jahre zuvor AWOL. Emotionaler Kern der Handlung ist der Abschied der Protagonistin von dem Vater und damit den Kriegsjahrzehnten, derweil die alte verstaubte Gesellschaftsordnung symbolisch mit der Renovierung des Clubhauses in eine weltoffene, friedliche und moderne verwandelt wird. Jetzt klar?

         
    • Matthias

      2014/05/04 at 10:42

      Erstmal vielen Dank für die Kommentare. Es ist schön zu wissen, dass die eigenen Texte gelesen werden^^
      Unter diesem Aspekt habe ich den Film gar nicht betrachtet, deine Interpretation klingt aber durchaus schlüssig. Mit diesem Bild im Hinterkopf lohnt es sich wohl, den Film nochmal zu schauen 🙂

       
      • Thorsten Krüger

        2014/05/05 at 13:22

        Dann wünsche ich viel Vergnügen (und Einsichten) beim nächsten Angucken. Der Mohnblumenberg verdient es ohnehin, mehrfach gesehen zu werden 🙂

         
  2. afictionesse

    2014/05/02 at 07:10

    Ich habe den Film noch im Kino sehen können und bin ein bisschen traurig, dass nur so wenige Animefans dem Film Beachtung schenkten. Er lief jedenfalls nicht sehr lange.
    Der Film an sich ist schon niedlich, aber eben auch etwas ruhig streckenweise. Irgendwie nett, aber die Magie und Spiritualität, die man sonst in den Ghiblifilmen hat, fehlte mir. Am besten hat mir mal wieder die Nebenhandlung, hier zum Quartier Latin, gefallen.

    Bei der kleinen „Romanze“ war ich etwas verwirrt. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn es mehr darum gegangen wäre. Vor allem nach der spektakulären Vorstellung von Shun und seinen Klassenkameraden.

    Ich bin gespannt auf die nächsten Filme. Hoffe, der nächste kommt diesen Sommer.

     

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