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Blau ist eine warme Farbe (1+2) – Große Erwartungen leider unerfüllt

09 Mai

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Gastrezension von Simon Kyprianou

Liebesdrama // Beinahe einhellig und ausnahmslos wurde Abdellatif Kechiches Film „Blau ist eine warme Farbe“ von der internationalen Filmkritik gelobt und auch mit Preisen überschüttet (u. a. mit der Goldenen Palme in Cannes). Und doch: Ich kann es nicht wirklich nachvollziehen.

Die Geschichte um die junge Schülerin Adèle (Adèle Exarchopoulos), die langsam ihre Homosexualität entdeckt und sich in die Kunststudentin Emma (Léa Seydoux) verliebt, ist im Kern wunderschön, wichtig und voller Potenzial, sie ist jung, wild und rauschhaft. Doch Kechiche inszeniert den Film wie eine Studie, hart und distanziert, beinahe dokumentarisch und engt so seine Geschichte ein, nimmt ihr die Luft zum Atmen, lässt sie sich nie frei entfalten. So kann ihre Wucht den Zuschauer auch nicht treffen. Durch diese Distanz zu dem Geschehen kann auch keine wirkliche Bindung zu den Figuren aufgebaut werden, sie bleiben schablonenhaft und unwirklich.

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Viel Sexualität, wenig wirkliche Liebe

Die viel gepriesene Nähe zu den Figuren ist nur visueller Natur; die Kamera ist zwar in der Tat ständig nah dran an den Gesichtern, beim Essen, beim Schlafen und an dem Körpern beim Sex. Innere Nähe und Verbundenheit entstehen dadurch aber leider nicht.

„Blau ist eine warme Farbe“ ist ein überlanger und oft auch zäher Film, der Liebe allzu oft auf sexuelle Begierde reduziert. So gibt es kaum Momente von liebevoller Zweisamkeit, es dreht sich ständig alles um sexuelles Verlangen und sexuellen Wettstreit, nie nimmt er sich die Zeit, die innere Verbundenheit der beiden Mädchen zu zeigen.

Eine vielsagende Szene gibt es gegen Ende des Films, in der Adèle Emma vermisst: Sie hat einen Sextraum. Man merkt hier, dass es nur der Sex ist, den sie vermisst, nur davon träumt sie, nur danach verlangt sie, es ist nie die Person an sich, die Momente zu zweit oder die Romantik, nach der sie sich zurücksehnt.

Einzig die beiden wunderbaren und kraftvollen Schauspielerinnen Adèle Excharopoulos und Léa Seydoux brillieren, sie haben sich alle nur erdenklichen Preise redlich verdient und tragen diesen Film auf ihren Schultern.

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Adèle – jung und verletzlich

Im vergangenen Jahr ist eine andere Studie über die Liebe erschienen, auch aus Frankreich, auch mit homosexuellen Charakteren, die die Liebe tiefsinnig, tragisch, facettenreich und mit der nötigen Komplexität eingefangen hat: „Der Fremde am See“. Mit ihm ist man allemal besser beraten als mit „Blau ist eine warme Farbe“.

Veröffentlichung: 9. Mai 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 179 Min. (Blu-ray), 172 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: La vie d’Adèle – Chapitres 1 et 2
F/BEL/SP 2013
Regie: Abdellatif Kechiche
Drehbuch: Abdellatif Kechiche, Ghalia Lacroix, nach einem Comic von Julie Maroh
Besetzung: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Salim Kechiouche, Aurélien Recoing, Catherine Salée, Alma Jodorowsky
Zusatzmaterial: Interviews, Trailer
Vertrieb: Al!ive AG

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Alamode Film

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