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All Is Lost – Vom Überleben und der Einsamkeit

24 Mai

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All Is Lost

Von Simon Kyprianou

Abenteuerdrama // „All is Lost“ ist in allen Belangen ein minimalistischer Film. So hat er nur einen Darsteller, der zudem kaum spricht. In allem nimmt sich der Film zurück, es geht nicht um Sinnsuche, Selbstfindung oder Erkenntnisgewinn, es geht ausschließlich um den Kampf ums Überleben auf dem Ozean. Und so entpuppt sich der Titel des Films gleichzeitig als Lüge und Wahrheit, denn obwohl es ständig so scheint, als sei alles verloren, so ist doch tatsächlich gar nichts verloren. Es ist ein Film wie das Leben selbst, ein ständiger Kampf gegen scheinbar unüberwindbare Widrigkeiten und bei näherer Betrachtung doch auch erhaben und voller Schönheit.

Kraftvolle Schauspielkunst eines Mittsiebzigers

Der 77-jährige Robert Redford demonstriert, wie wirklich große Schauspielkunst geht, nämlich wenig zu reden und doch viel zu sagen. Es sind die kleinen Blicke und Gesten: der leidvolle Blick auf die Treppe, wenn er einen Generator hochtragen muss, der starre Blick in den Spiegel beim Rasieren, bevor der große Sturm aufzieht, und der dankbare Blick, wenn er endlich wieder Wasser trinken kann. Eine so kraftvolle Darstellung konnte man lange nicht mehr bewundern. In der endlosen Einsamkeit der Bilder schlägt sich die gequälte Seelenlandschaft des Skippers nieder. Es sind Bilder, die Worte entbehrlich erscheinen lassen, weil sie schon alles Nötige sagen.

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Allein in der Weite des Indischen Ozeans

Es ist ein Film, in dem alles wunderbar ineinandergreift: die Kamera, die immer nahe am namenlosen Skipper ist, um ihn kreist als sei er der Mittelpunkt des Universums, der Schnitt sowie die großartige Musik, die sich angenehm im Hintergrund hält und sich dem alles beherrschenden Minimalismus unterordnet. Nur in einer einzigen Szene lässt Chandor die Musik schreien – und das auch nur, weil Redford dazu bereits die Kraft fehlt.

J. C. Chandor – ein hochinteressanter Regisseur

Äußerst subtil und unaufdringlich stecken in „All is Lost“ auch noch ein kraftvolles politisches Statement und drastische Konsumkritik, was thematisch an Chandors ersten Spielfilm anschließt, das Börsendrama „Der große Crash – Margin Call“ von 2011. „All is Lost“ ist in seiner minimalistischen Radikalität eine erfreulich stimmende Überraschung. Von J. C. Chandor ist in Zukunft einiges zu erwarten – vielleicht schon in diesem Jahr mit „A Most Violent Year“?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von J. C. Chandor sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme von und/oder mit Robert Redford in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 23. Mai 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
USA 2013
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
Besetzung: Robert Redford
Zusatzmaterial: Featurettes, Interviews mit Cast & Crew, B-Roll, Trailer
Vertrieb: Universum Film Home Entertainment

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Foto & Packshot: © 2014 Universum Film Home Entertainment

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Eine Antwort zu “All Is Lost – Vom Überleben und der Einsamkeit

  1. Mediennerd

    2014/06/10 at 06:48

    Ich muss leider ehrlich sagen, dass ich von „All is lost“ viel mehr erwartet habe. Gut, man hat Robert Redford mit einer absolut genialen Leistung gesehen, aber das Ende? Das fand ich doch wirklich unpassend und hatte mir das wesentlich konsequenter gewünscht.

     

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