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Archiv für den Monat Juni 2014

Lesson of the Evil – Blutiger Unterricht

ARN Blu-Ray

Aku no kyôten

Gastrezension von Matthias Holm

Thriller // Er hat wieder zugeschlagen. Bevor Takashi Miikes „Wara no tate – Die Gejagten“ bei uns in die Kinos kommt, veröffentlicht Al!ve den bereits 2012 gedrehten „Lesson of the Evil“. Und wie so häufig bei dem Regie-Exzentriker aus Japan: Auch dieser Film ist nach der ersten Sichtung nur schwer greifbar.

Miike mag Mackie Messer

Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.

Mit diesen bekannten Liedzeilen aus der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht beginnt der Film. Ein Ehepaar streitet, offenbar geht es um den Sohn, der anscheinend etwas sehr Böses getan hat. Als besagter Sohn das Zimmer betritt, gibt es einen Schnitt. Wir befinden uns nun an einer japanischen Schule. Der junge, gut aussehende Englisch-Lehrer Hasumi Seiji (Hideaki Ito) ist durch seine unkonventionelle, schwungvolle Art sehr beliebt bei seinen Schülern. Was die jedoch nicht wissen: Er ist das Kind aus dem Prolog und die Geschichte mit seinen Eltern ist äußerst blutig zu Ende gegangen …

Goethes Werther und Odins Raben – was denkt sich Takashi Miike nur?

Takashi Miike erweist sich in diesem Film als Kenner der deutschen Literatur. Nicht nur Brecht, auch Goethe und dessen „Werther“ finden Platz. Des Weiteren spielen Odins Raben Hugin und Munin aus der nordischen Mythologie eine nicht zu unterschätzende Rolle. Während der Werther-Effekt und die Namensherkunft der beiden Raben im Film erklärt werden, muss der Zuschauer den Bezug zu Brechts Werk und seiner Figur Mackie Messer selbst herstellen.

Brecht scheint es Miike besonders angetan zu haben. Immer wieder hört man die Moritat von Mackie Messer. In einer Traumsequenz, in der Hasumis Vergangenheit in den Staaten gezeigt wird, hört der psychopathische Lehrer die bekannte Jazz-Version des Liedes, nur um sie als billige Kopie abzustempeln. Das Original ist halt immer am besten. Auch übernimmt Miike das von Brecht in „Der gute Mensch von Sezuan“ ironisierte Theater-Element der Deus ex machina, die in diesem Fall die Polizei auf die richtige Fährte lockt.

Warnung vor dem Spoiler

All diese Verweise und Andeutungen werden in den ersten 90 Minuten immer wieder gestreut. Nebenbei entwickelt sich eine recht konventionelle Geschichte um den Schulalltag in Japan. Doch immer wieder scheint der Wahnsinn des Lehrers durch. Wenn Hasumi dann in der letzten halben Stunde das Gewehr auspackt und Jagd auf seine Schüler macht, tut jeder Schuss dem Zuschauer fast körperlich weh.

Denn hier scheint man endlich mal versucht zu haben, auf die Gesetze der Physik zu hören. Wenn Hasumi eine Schrotkugel durch Jugendliche schießt, werden die Opfer meist direkt von den Beinen geholt und fliegen schon mal ein paar Meter durch die Luft. Der Gore-Effekt hält sich dabei zum Glück in Grenzen. Es gibt zwar reichlich Blut zu sehen, aber es gibt keine Spielereien mit irgendwelchen Gedärmen oder ähnlich Unappetitliches. Trotzdem geht die Altersfreigabe ab 18 Jahren in Ordnung.

Das Ende ist wohl das Verwirrendste am gesamten Film. Es passt einfach nicht zum restlichen Ton des Thrillers, wenn sich Miike durch eine klischeehafte Wendung die Möglichkeit auf eine Fortsetzung lässt, oder sich Hasumi in einem plötzlichen Fantasy-Einschlag als mögliche Reinkarnation des Rabens Munin (wörtlich übersetzt: die Erinnerung) offenbart. Um hier wirklich alles zu verstehen, wird man die Brotkrumen der ersten zwei Drittel des Films noch einmal aufsammeln müssen.

Dementsprechend ist der Film auch nichts für Leute, die schnelle und unkomplizierte Unterhaltung suchen. Auch die Gorehounds, die viel Splatter sehen wollen, kommen kaum auf ihre Kosten, dafür kommt der brutale Teil der Story viel zu spät. Wer aber gern filmische Puzzlespielchen à la „A Tale of Two Sisters – Der Fluch der zwei Schwestern“ mag, der wird mit „Lesson of the Evil“ seinen Spaß haben.

Takashi Miike bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Audition (1999)
Lesson of the Evil (JAP 2012)
Wara no tate – Die Gejagten (JAP 2013)
Yakuza Apocalypse (JAP 2015)

Veröffentlichung: 13. Juni 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 124 Min. (Blu-ray), 124 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Aku no kyôten
JAP 2012
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Takashi Miike, nach einem Roman von Yûsuke Kishi
Besetzung: Hideaki Ito, Takayuki Yamada, Ruth Sundell, Fumi Nikaidô, Howard Harris, Saki Takaoka, Daniel Genalo
Zusatzmaterial: Making-of, Kinotrailer
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Matthias Holm
Packshot: © 2014 Al!ve AG

 
 

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Behaving Badly – Brav sein war gestern: Humor für Ewigpubertierende

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Behaving Badly

Gastrezension von Matthias Holm

Komödie // Freunde des stumpfsinnigen Humors aufgepasst: „Behaving Badly“ setzt alles daran, den Wächtern des guten Geschmacks mit dem nackten Hintern ins Gesicht zu springen. Dass der auf dem Buch „While I’m Dead Feed the Dog“ basierende Film nicht die Qualität von vergleichbaren Streifen wie „Superbad“ oder „Die To-Do Liste“ erreicht, macht dabei überhaupt nichts.

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Die Mutter seines besten Freundes bedrängt Rick

Der 17-jährige Rick Stevens (Nat Wolff) hat einen Traum, den wohl jeder pubertierende Teenager hat: Er will seinen Schwarm Nina (Selena Gomez) ins Bett kriegen. Doch bis es soweit ist, muss er sich mit Pamela (Elisabeth Shue) herumplagen, der nymphomanen Mutter seines besten Freundes. Auch ein notgeiler Stripclub-Besitzer (Dylan McDermott) und die litauische Mafia machen Rick zu schaffen.

Rick durchbricht die vierte Wand

Die Handlung wird von Rick persönlich erzählt, der auch immer wieder die vierte Wand durchbricht, indem er sich an die Zuschauer wendet. Auch das Geschehen selbst wird von ihm kontrolliert, sodass er manche Aussagen der Figuren verändert oder manche Szenen so gut findet, dass er sie immer wieder von vorn laufen lässt. Das sind einfache Stilmittel, die womöglich so oder ähnlich auch in der Buchvorlage zu finden sind, aber sie funktionieren.

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Der Grund für all das Theater: Nina

Wenn der Protagonist am Anfang gleichgültig den Selbstmordversuch seiner Mutter sieht und kurz danach dem Publikum erzählt, wie er von einer Stripperin fast einen geblasen bekommen hat, ist die Marschrichtung klar. Hier gibt es schlechten Geschmack und Skurrilitäten en masse, wer auf intellektuellen Humor aus ist, wird schnell das Weite suchen. Die Welt von „Behaving Badly“ kennt dabei kaum differenzierte Frauenbilder: Entweder die Damen sind dauernd heiß auf Sex oder absolute Heilige. Die Männer wollen hier sowieso am liebsten alles besteigen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Dylan McDermott stiehlt allen die Schau

Dass bei einem Film dieser Art keine großen darstellerischen Leistungen abverlangt werden, sollte jedem klar sein. Die Schauspieler erfüllen dabei jedoch alle zuverlässig ihren Zweck. Nat Wolff, der jüngst in dem hochgelobten „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mitspielte, ist trotz hässlichen Ohrrings ein sympathischer Protagonist, den man auf seinen Eskapaden gern begleitet. Selena Gomez („Getaway“) ist als strenggläubige Angebetete süß wie eh und je. Von den Nebendarstellern fällt am ehesten Dylan McDermott („Freezer – Rache eiskalt serviert“, „American Horror Story – Asylum“) auf, der mit einigen unfassbar witzigen Auftritten jedem anderen die Show stiehlt – man achte nur auf seinen Abwasch.

Leider kann der Film das hohe Tempo, das er am Anfang vorlegt, nicht durchgängig halten und am Ende muss der Held natürlich moralisch erleuchtet werden. Das ist durchaus schade, denn zuvor bekommt man eine Komödie vorgesetzt, die auf jegliche Regeln pfeift. So wirkt der Schluss doch wie ein Einknicken vor Konventionen und dadurch nicht ganz passend zum Rest des Films. Aber auch so bekommt man gut 90 herrlich kurzweilige Minuten – wenn man über Sex-Witze lachen kann.

Veröffentlichung: 23. Juni 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 97 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Behaving Badly
USA 2014
Regie: Tim Garrick
Drehbuch: Tim Garrick, Scott Russell, nach einer Vorlage von Ric Browde
Besetzung: Selena Gomez, Nat Wolff, Mary-Louise Parker, Elisabeth Shue, Heather Graham, Cary Elwes, Dylan McDermott, Patrick Warburton, Jason Lee, Gary Busey, Lachlan Buchanan
Zusatzmaterial: Featurette, Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 KSM GmbH

 

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Faustrecht der Prärie – Großes klassisches Westernkino

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My Darling Clementine

Western // John Ford! Henry Fonda! Victor Mature! Walter Brennan! Wyatt Earp! Doc Holliday! Die Clantons! Die Schießerei am O. K. Corral!

Nie gehört? Skandal! „Faustrecht der Prärie“, im Original etwas weniger reißerisch nach einem im Film zu hörenden Song „My Darling Clementine“ betitelt, gilt bei vielen als beste Verfilmung der tödlichen Auseinandersetzung in Tombstone im Oktober 1881, auch wenn der Western sehr frei mit den Ereignissen umgeht.

Henry Fonda als Wyatt Earp

Henry Fonda verkörpert Wyatt Earp, der an sich nur mit seinen drei Brüdern und einer Rinderherde auf der Durchreise ist. Doch das Vieh wird geklaut, während sich die drei älteren Brüder zur Entspannung in Tombstone aufhalten. James, der Jüngste des Geschwisterquartetts, hatte die Aufgabe, die Herde zu bewachen – das kostet ihn das Leben, er wird ermordet. Kurzerhand übernimmt Wyatt Earp das Amt des Marshals von Tombstone. Schnell legt er sich mit dem lungenkranken Arzt und Spieler Doc Holliday (Victor Mature) an, doch seine wahren Feinde sind andere: die Clantons, vier gesetzlose Brüder und ihr herrischer Vater Newman Haynes „Old Man“ Clanton (Walter Brennan). Den Konflikt zwischen den Earps und den Clantons wird keine der beiden Familien unbeschadet überstehen.

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Wyatt Earp (l.) trifft auf die Clantons

Aufrechte Gesetzeshüter treffen auf üble Gesellen – „Faustrecht der Prärie“ wäre an sich in Bezug auf Charakterzeichnung eher eindimensional. Zwei Akteure jedoch sorgen für faszinierende Grautöne: Victor Mature brilliert in der Rolle des innerlich zerrissenen Alkoholikers Doc Holliday, der nur seine eigene Autorität anerkennt. Die gleiche Haltung – nur noch etwas weiter vom Gesetz entfernt – vertritt Old Man Clanton, der seine Söhne mit eiserner Hand führt und alles seiner Familie und ihrer Macht unterordnet. Walter Brennan ist in dieser Rolle perfekt. Der dreifache Oscar-Preisträger hat in seiner Karriere etliche Filme mit prägnanten Nebenrollen geadelt. Zweifellos trägt auch Hauptdarsteller Henry Fonda den Film mit seiner aufrechten Ausstrahlung. Erst Brennan und Mature verleihen „Faustrecht der Prärie“ jedoch die Facetten, die den Unterschied zwischen sehr gut und meisterhaft ausmachen.

Dem Vernehmen nach war Regie-Legende John Ford dem echten Wyatt Earp in seiner Jugend begegnet. Die Schießerei am O. K. Corral hat der Großmeister des Westernkinos demnach so inszeniert, wie es ihm Earp seinerzeit geschildert hatte.

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Doc Holliday weist Clementine zurück

„Faustrecht der Prärie“ ist als DVD schon lange auf dem Markt. Nun hat Twentieth Century Fox Home Entertainment den Western erstmals auf Blu-ray aufgelegt. Ihr Schwarz-Weiß-Bild ist deutlich schärfer und kontrastreicher als das der DVD. Und obwohl ich bei derartigen Uraltfilmen kein Problem damit habe, sie in angestaubter Qualität zu schauen, ist es doch schön, diesen Klassiker im sorgfältigen HD-Transfer genießen zu können. Twentieth Century Fox Home Entertainment leistet da oft vorbildliche Arbeit und ist bei Kritik sogar zu Nachbesserungen bereit, wie man an den Blu-ray-Wiederveröffentlichungen von „Fargo – Blutiger Schnee“ und „Zwei glorreiche Halunken“ sieht.

Empfehlenswert: die John Ford Collection

Zum Vergleich der Blu-ray mit der DVD lag mir die sehr schöne „John Ford Collection“ von 2007 aus Großbritannien vor, die bei den einschlägigen Online-Händlern des Vereinigten Königreichs einigermaßen preiswert zu haben ist. Sie enthält außer „My Darling Clementine“ auch die John-Steinbeck-Verfilmung „The Grapes of Wrath“ („Früchte des Zorns“, 1940) mit Henry Fonda, „How Green Was My Valley“ („So grün war mein Tal“, 1941) mit Maureen O’Hara sowie „The Horse Soldiers“ („Der letzte Befehl“, 1959) mit mit John-Ford-Stammdarsteller John Wayne.

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Marshal Earp wacht über Tombstone

Ob man sich nun die Blu-ray kauft oder die schöne englischsprachige John-Ford-DVD-Box – „Faustrecht der Prärie“ ist einer der großen Klassiker des Genres und Pflicht in jeder Westernsammlung, die sich gut sortiert nennen will.

Wyatt Earp im Film

Wyatt Earp gehört zu den großen mythologischen Figuren des Wilden Westens. Die IMDb listet aktuell 56 Schauspieler auf, die den legendären US-Marshal verkörpert haben. Die letzte spektakuläre Verfilmung datiert von 1994: In Lawrence Kasdans mit Stars gespicktem „Wyatt Earp – Das Leben einer Legende“ verkörperte immerhin Kevin Costner den Titelhelden. Er erhielt dafür die Negativ-Trophäe einer Goldenen Himbeere. Ganz so schlecht ist der Film nicht, von den großen Wyatt-Earp-Filmen aber doch etwas entfernt. In der Rolle des Doc Holliday fehlte Dennis Quaid vielleicht etwas das Charisma, diese gebrochene Figur angemessen darzustellen. Immerhin orientierte sich Kasdan mehr an den tatsächlichen Ereignissen als manch anderer Wyatt-Earp-Film.

Ein Jahr zuvor gab Kurt Russell in „Tombstone“ den Marshal, Val Kilmer den Doc. Regie führte George P. Cosmatos, zuvor eher mit den plakativen Stallone-Actionfilmen „Rambo II – Der Auftrag“ und „Die City Cobra“ aufgefallen, 1976 immerhin auch mit dem Infektions-Thriller „Cassandra Crossing“. „Tombstone“ ist gewalthaltig und wartet mit seinerzeit aktuellen Stars auf, kann aber „Faustrecht der Prärie“ auch nicht das Wasser reichen.

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Der Showdown steht kurz bevor

Einen hochinteressanten Blickwinkel lieferte 1971 „Doc“ von Frank Perry, der noch am ehesten am Mythos kratzte. Der Film konzentriert sich – wie der Titel schon andeutet – auf den von Stacy Keach bravourös verkörperten Doc Holliday. Harris Yulins Wyatt-Earp-Interpretation ist vom Ehrenmann, als den Henry Fonda den Marshal darstellte, so weit entfernt wie kaum eine andere.

Western-Spezialist John Sturges mit zwei Wyatt-Earp-Vefilmungen

Einen Blick auf die Ereignisse nach der Schießerei am O. K. Corral warf John Sturges („Das Geheimnis der 5 Gräber“) 1967 mit „Die fünf Geächteten“. James Garner als Wyatt Earp, Jason Robards als Doc Holliday, Robert Ryan als Ike Clanton – das hat Stil. Sturges hatte sich schon zehn Jahre zuvor des Mythos angenommen: In „Zwei rechnen ab“ (1957) warfen Burt Lancaster als Marshal und Kirk Douglas als Doc Holliday all ihr Charisma in die Waagschale. Heraus kam ein großer klassischer Western – vielleicht der einzige, der „Faustrecht der Prärie“ den Thron als bester Wyatt-Earp-Film streitig machen kann.

Eine bei uns nie auf DVD erschienene Wyatt-Earp-Verfilmung ist „Wichita“ von 1955 mit Joel McCrea und Vera Miles. Die interessanteste Personalie allerdings ist die auf dem Regiestuhl: Jacques Tourneur ist weniger mit Western bekannt geworden als mit reizvollen expressionistischen Gruselfilmen wie „Katzenmenschen“ (1942) und „Ich folgte einem Zombie“ (1943). „Wichita“ ist im englischen Sprachraum erhältlich und womöglich eine Sichtung wert.

Ebenfalls ohne deutsche Veröffentlichung: In „Frontier Marshal“ von 1939 ist der aufrechte Randolph Scott als Wyatt Earp zu sehen. Scott stand immer ein wenig im Schatten der großen Westerndarsteller wie John Wayne, Henry Fonda, James Stewart, hat aber eine Vielzahl solider Genrebeiträge geliefert. Auch „Frontier Marshal“ scheint die Entdeckung wert zu sein. Weitgehend unbekannt ist ein ebenfalls „Frontier Marshal“ betitelter Film von 1934. Darin heißt der Marshal nicht Wyatt Earp, sondern Michael Wyatt. Angeblich ließ Earps Witwe Josephine den Namen ihres Mannes auf dem Rechtsweg entfernen.

Erster Wyatt-Earp-Film: „Gesetz und Ordnung“ mit Walter Huston

Last not least die vielleicht erste Verfilmung des Stoffs: In „Gesetz und Ordnung“ (1932) mit John Hustons Vater Walter heißen die Figuren allerdings anders, der Western scheint wie viele seiner Nachfolger sehr frei mit dem Stoff umzugehen, was mangels Lieferbarkeit nicht zu überprüfen ist. Die New York Times hatte 1932 in ihrer damaligen Rezension den Wyatt-Earp-Hintergrund noch nicht erkannt, dem Streifen übermäßige Gewalthaltigkeit vorgeworfen: … one of the goriest exhibitions of shoot-em-down gunplay since the gangster and machine-gun era. (…) Before the last stain has been wiped from Tombstone’s escutcheon the main street is black with corpses. Ob das nach heutigen Maßstäben noch so zu bewerten ist, darf bezweifelt werden, die Überprüfung ist leider nicht möglich.

Diese kurze Auflistung nennt lediglich – subjektiv aus der Sicht des Rezensenten – die bedeutendsten Filme zum Mythos Wyatt Earp. Den Rahmen vollends sprengen würde der Versuch einer detaillierten Betrachtung, inwiefern welcher Film die historischen Persönlichkeiten Wyatt Earp, Doc Holliday und die Clantons sowie die Schießerei am O. K. Corral authentisch oder verklärend abbildet. Vielleicht mal ein Fall für eine filmwissenschaftliche Doktorarbeit?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Ford sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Henry Fonda und/oder Victor Mature sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 6. Juni 2014 als Blu-ray

Länge: 97 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Holländisch
Originaltitel: My Darling Clementine
USA 1946
Regie: John Ford
Drehbuch: Samuel G. Engel, Winston Miller, Sam Hellman (Story), nach einer Vorlage von Stuart N. Lake
Besetzung: Henry Fonda, Linda Darnell, Victor Mature, Cathy Downs, Walter Brennan, Tim Holt, Ward Bond, John Ireland, Roy Roberts
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Filmhistoriker Scott Eyman und Wyat Earp III, Original Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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