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Der Junge mit dem Fahrrad – Das Leben, wie es ist

03 Jun

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Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // So abgedroschen und verbraucht Phrasen wie „realistisch“ und „lebensecht“ mittlerweile auch klingen mögen, die Filme der Gebrüder Dardenne entlocken sie einem doch unweigerlich. Die Geschichte über den Jungen mit dem Fahrrad ist so nah am Leben, wie es ein Film nur sein kann. Sie hat keinen wirklichen Anfang und erst recht kein Ende, sie gibt keine Antworten oder Lösungen vor, sie zieht einfach am Zuschauer vorbei, federleicht und doch bleischwer, mal stark und ruppig und dann doch wieder zärtlich und fragil.

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Der Junge – wütend und verstört

Es geht um den zwölfjährigen Cyril (Thomas Doret), der in einem Heim lebt und auf der Suche nach seinem Vater Guy (Jérémie Rénier) ist. Mithilfe der Friseurin Samantha (Cécile de France), begegnet er den Wiedrigkeiten des Lebens und des Erwachsenwerdens und gerät dabei schnell in gefährliche Kreise.

Die Dardennes sind zwar nah dran an ihren Figuren und – obwohl eher dokumentarisch beobachtend – immer auch ungemein empathisch, doch aus den persönlichen Schicksalen heraus schaffen sie Geschichten über das Leben an sich, über geplatzte Träume, gefährliche Freunde, aufopfernde Liebe und tragisches Scheitern. Niemals sind ihre Filme zynisch und aggressiv, niemals verlogen oder beschönigend. Die Regisseure begegnen den Menschen immer mit der gebotenen Nachsicht, mit dem gebotenen Verständnis und immer auf Augenhöhe.

Nur selten wird der Film von Musik untermalt – das Verwenden von Filmmusik ist sowieso eher unüblich für die Dardenne-Brüder. Nur an ganz wenigen Stellen wird kurz ein Fragment eines Beethoven-Stücks angespielt. Durch den spärlichen, aber umso prägnanteren Einsatz von Musik können diese Momente eine enorme emotionale Wirkung erzielen.

Das Schauspiel von Cécile De France, Thomas Doret und Jéremie Renier ist erlesen. Sie füllen ihre komplexen und schwierigen Rollen zurückhaltend, behutsam und feinfühlig aus.

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In Samantha findet Cyril eine Ersatzmutter

Auch der titelgebende Junge mit dem Fahrrad scheitert und fällt tief in der Geschichte. Am Ende aber rappelt er sich doch wieder auf und fährt langsam davon in eine ungewisse Zukunft. Aber – und daran lassen die Dardennes keinen Zweifel – solange es Menschen und Menschlickeit gibt, gibt es auch die Hoffnung, dass es eine gute Zukunft werden kann.

Die Erwartungen sind also hoch, für den neuen Film der Dardenne-Brüder „Zwei Tage, eine Nacht“, der in Cannes mit viel Lob bedacht wurde und bei uns voraussichtlich am 30. Oktober im Kino anlaufen wird.

Veröffentlichung: 31. August 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Le gamin au vélo
BEL/F/IT 2011
Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Drehbuch: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Besetzung: Thomas Doret, Cécile de France, Jérémie Renier, Fabrizio Rongione, Olivier Gourmet, Egon di Mateo
Zusatzmaterial: Making-of, Interviews mit Jean-Pierre & Luc Dardenne und Cécile de France, Trailer
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Alamode Film

 

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