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Mercenario – Der Gefürchtete: Franco Nero zieht wieder

03 Jun

Mercenario-Cover

Western // Herrlich, dieser Showdown in der Arena – mit Tony Musantes Paco Roman im Clownskostüm, der gegen den Schurken „Curly“ Ricciolo antritt, von Jack Palance trotz albernen Lockenkopfs würdig verkörpert. Als Aufpasser: der Pole Sergei Kowalski (Franco Nero). Und was wäre dieser Showdown ohne den grandiosen Soundtrack von Ennio Morricone?

Kowalski ist der titelgebende „Mercenario“ – ein Söldner, der sich im von Revolutionswirren geschüttelten Mexiko von jedem anwerben lässt, wenn das Geld stimmt. Ein Silbertransport für die Minenbesitzersbrüder Garcia? Kein Problem. Doch als der Pole bei der Mine ankommt, findet er die Aufpasser und den Cousin der Garcias aufgeknüpft vor. Auch kein Problem – flugs lässt sich Kowalski vom gut aufgelegten Revolutionär Paco Roman anwerben, anrückende mexikanische Truppen abzuwehren. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft …

Zwei Glücksritter, die im Revolutionsgetümmel beim Niedermähen der Gegner per Maschinengewehr das Lachen im Gesicht behalten – Franco Nero („Django“) und Tony Musante („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) geben zwei Buddys, denen man ihre Skrupellosigkeit einfach nicht übel nehmen kann. Als nur gelegentlich auftauchender Antagonist gibt auch Jack Palance eine gute Figur ab.

Nach Sergio Leone ist zweifellos Sergio Corbucci als profiliertester Italowestern-Regisseur zu nennen. „Django“ (1966) und „Leichen pflastern seinen Weg“ (1968) sprechen eine deutliche Sprache. „Mercenario – Der Gefürchtete“ darf ebenfalls zu Corbuccis Großtaten gezählt werden und wartet im Vergleich zu den beiden genannten Klassikern mit deutlich mehr Leichtigkeit auf.

Franco Nero Western_Still_1

Kowalski zieht seine Waffe für den, der zahlt

Kowalski ist charmanter als Django, er ist redseliger als Silence in „Leichen pflastern seinen Weg“ (ok – das fällt nicht schwer: Silence ist stumm), er ist auch weniger missmutig als Clint Eastwood in den Leone-Western. Dennoch gehört er mit seinem Gewinnstreben zu den Prototypen der Italowestern-Antihelden. Er ist kein Schurke, aber zu keiner Zeit macht er sich die Ideale der Revolutionäre zu eigen oder zeigt Nächstenliebe. Sein Verhalten wirkt in einigen Sequenzen gar parodistisch-überzeichnet, etwa wenn er als Hired Gun auf Körperpflege mit reichlich Wasser besteht, während die mexikanischen Kämpfer kaum genug Wasser zum Trinken haben.

Paco Roman wirkt bei aller Schlitzohrigkeit schon etwas idealistischer, bekam er doch die Ausbeutung als Arbeiter in der Silbermine am eigenen Leib zu spüren. Hat er einmal das Sagen, kennt er allerdings keine Gnade. Aufhängen, Erschießen, Kastrieren – das ganze Programm kommt zum Tragen. Das und der von Palance mit eiskaltem Lächeln gespielte Curly würzen den Film mit einigen zynischen Momenten. Vereinzelte komödiantische Elemente wirken da ausgleichend. In Teilen geht Corbuccis Werk sogar als Reflexion des Italowesterns durch. Auf der anderen Seite ist er dann aber doch ein typischer Vertreter – aber auf hohem Niveau.

Auf DVD ist „Mercenario – Der Gefürchtete“ bereits seit einigen Jahren im Handel. Zuletzt hat Koch Media ihn Anfang 2013 als Teil der Reihe „Western Unchained“ veröffentlicht (siehe Cover oben). Nun gibt es den Film erstmals auf Blu-ray, wenn auch nicht einzeln: Die „Franco Nero Italo-Western Box“ (siehe Cover unten) enthält zusätzlich „Mit Django kam der Tod“ (1967) und „Zwiebel-Jack räumt auf“ (1975).

Das HD-Bild sieht gut aus, minimal besser als die DVD (die der Rezensent zum Vergleich aus dem Regal geholt hat). Vereinzelte Bildsequenzen der Blu-ray wirken allerdings ebenso unscharf wie auf der DVD. Die Blu-ray-Box lohnt sich natürlich dennoch. Wer „Mercenario – Der Gefürchtete“ als Freund eines gepflegten Westerns bislang überhaupt nicht gesehen hat, sollte das zügig nachholen, ob auf Blu-ray oder DVD.

Die Filme der Reihe „Western Unchained“:

01. Die Zeit der Geier (Il tempo degli avvoltoi, IT 1967)
02. Mercenario – Der Gefürchtete (Il mercenario, IT/SP 1968)
03. Navajo Joe (Navajo Joe, IT/SP 1966)
04. Tepepa (Tepepa, IT/SP 1969)
05. Der Tod zählt keine Dollar (La morte non conta i dollari, IT 1967)
06. Yankee (Yankee, IT/SP 1966)
07. Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern (Sugar Colt, IT/SP 1966)
08. Eine Pistole für Ringo (Una pistola per Ringo, IT/SP 1965)
09. Ringo kommt zurück (Il ritorno di Ringo, IT/SP 1965)
10. Der Mörder des Klans (Prega il morto e ammazza il vivo, IT 1971)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sergio Corbucci sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Franco Nero in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 2. Mai 2014 als Teil der 3-Blu-ray- bzw. 3-DVD-Box „Franco Nero Italo-Western Box sowie 18. Januar 2013 als DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Il mercenario
Alternativtitel: Die gefürchteten Zwei
IT/SP 1968
Regie: Sergio Corbucci
Drehbuch: Giorgio Arlorio, Adriano Bolzoni, Sergio Corbucci, Franco Solinas, Sergio Spina, Luciano Vincenzoni
Besetzung: Franco Nero, Jack Palance, Tony Musante, Giovanna Ralli, Eduardo Fajardo, Lorenzo Robledo, Álvaro de Luna, Raf Baldassarre, Vicente Roca
Zusatzmaterial: Featurette: Die Regeln der Revolution, Drehorte: damals & heute, deutscher und englischer Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media

franconerobox

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Foto & Packshots: © 2014 Koch Media

 

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