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Das Frauenhaus – Kerle im Käfig

07 Jun

Das_Frauenhaus-Cover

Sexploitation-Krimi // Ein weißer Raum, aufblasbare Möbel, ein Pärchen beim Cunnilingus – das hat schon fast Stil. Die dunkle Haut nebst schwarzen Stiefeln der Schönen bildet einen reizvollen Kontrast zum hellen Ambiente des Raums. Wie dann allerdings der – schon ältere – Schauspieler beim Orgasmus das Gesicht verzieht – kann das im wahren Leben bei jemandem so aussehen? Na ja – die Porträts der Stars von Lars von Triers „Nymphomaniac“ mit ihren vermeintlichen Orgasmus-Gesichtern waren auch nicht das Wahre. Vielleicht ist die hohe Schule der Orgasmus-Darstellung einfach zu hoch und man sollte es einfach bleiben lassen – ob im Arthaus- oder im Exploitationkino (lassen wir dahingestellt, zu welchem der beiden Metiers Franco und zu welchem von Trier gehört).

Zurück zu dem älteren Herrn: Im Anschluss an seinen Höhepunkt wird er mit Gas bewusstlos gemacht und nackt in einen Käfig gesteckt. Dort genießt er immerhin eine gute Aussicht: Zum Verhör platziert sich eine Nackte in langen silbernen Stiefeln unmittelbar über ihm.

Ideen hat er ja, der Jess Franco – wenn auch reichlich sonderbare. Beim titelgebenden Frauenhaus handelt es sich keineswegs um ein Refugium weiblicher Opfer häuslicher Gewalt, sondern um den Nachtclub „Blue Rita“. Die Chefin Blue Rita (Martine Fléty) und ihre Stripperinnen verführen Geheimnisträger, um sie gefangen zu setzen und ihnen Geld und Geheimnisse zu entlocken. Die Folter ist perfide: Die Unglückseligen werden mit einer grünen Paste begossen, die sie spitz wie Nachbars Lumpi macht. Wenn sich dann über dem Käfig die Nackedeis lasziv räkeln, ist das Geheimnis in Nullkommanichts keines mehr. Eine blonde Interpol-Agentin versucht, dem Treiben undercover ein Ende zu bereiten.

„Das Frauenhaus“ hat tatsächlich ein paar stilvolle Einstellungen, unterlegt von Easy-Listening-Musik. Wenn’s dann allerdings ans Eingemachte geht, ist’s mit dem Stil schnell vorbei. Eine Schlägerei sieht bei Jess Franco einfach nicht gut aus. Wenn Hauptdarsteller Eric Falk – er gibt einen der besagten Geheimnisträger – Handkantenschläge verteilt, sieht das leider sehr plump aus.

Der Plot mit den Kerlen im Käfig entbehrt nicht eines gewissen Humors. Warum auch nicht? Einmal mehr nutzt Franco die Handlung zur ausgiebigen Zurschaustellung weiblicher Geschlechtsteile und sexueller Aktivität. Es sei ihm gegönnt, so viele dieser Filme gedreht und dabei seiner Lust gefrönt haben zu dürfen, mit der Kamera voll drauf zu halten. Es erschließt sich aber nach wie vor nicht der Reiz, den diese Filme offenbar auf gar nicht so wenige Menschen ausüben – vermutlich ausschließlich Männer.

Was haben Francos Sexploitation-Streifen an sich, dass man sie nicht nur gern mal schaut – hab’ ich ja auch getan –, sondern geradezu toll findet? Was haben sie an sich, dass man über die großen Unzulänglichkeiten in Storytelling, Dramaturgie und Schauspielkunst gern hinwegsieht? Es ist ja anzunehmen, dass selbst die Jess-Franco-Connaisseure nicht davon ausgehen, dass sie mit „Das Frauenhaus“ eine gute Geschichte mit anständigen schauspielerischen Leistungen vorgesetzt bekommen. Auch die Gelegenheit zum Betrachten nackter Haut und sexueller Handlungen macht noch niemanden zum Fan. Aber es gibt sie offenbar, die Jess-Franco-Fans. Was macht sie dazu? Ein schwieriges Thema, eine Frage, die ich nach wie vor nicht beantworten kann.

Einstmals indiziert, hat „Das Frauenhaus“ nach der Streichung von der Liste jugendgefährdender Filme sogar eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten. Die 18er-Freigabe der Blu-ray und DVD resultiert somit aus den im Zusatzmaterial befindlichen Trailern. Ein kurzer Check bei der FSK führte zu der Erkenntnis: Der Trailer zu „Das Frauenhaus“ hat eine höhere Altersfreigabe als der Film. Das verstehe wer will.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jess Franco sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 18. Februar 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 79 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Japanisch
Alternativtitel: Blue Rita
CH/F 1977
Regie: Jesús Franco
Drehbuch: Jesús Franco
Besetzung: Martine Fléty, Sarah Strasberg, Dagmar Bürger, Pamela Stanford, Esther Moser, Eric Falk
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Fotogalerie, Featurette mit Eric Falk: „Sklave im Frauenhaus“, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

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