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Magic Magic – Der Wahnsinn kommt auf leisen Sohlen

06 Jul

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Magic Magic

Von Matthias Holm

Thriller // Es beginnt mit Naturaufnahmen: Wasser, einige Tiere, ein Schaf guckt in die Kamera. Das Bild wird allmählich schwarz. Plötzlich meint man, einen Schriftzug gesehen zu haben. Doch war der wirklich da? Um dieses Ungewisse, das einen verrückt machen kann, dreht sich Sebastián Silvas Film „Magic Magic“

Die junge Alicia (Juno Temple) ist das erste Mal außerhalb der USA. Mit ihrer Cousine Sarah (Emily Browning), ihrem Freund Agustín (Agustín Silva), dessen Schwester Barbara (Catalina Sandino Moreno) und dem etwas merkwürdigen Brink (Michael Cera) reist sie in das chilenische Hinterland – eine einsame Hütte ist das Ziel. Doch Alicia ist die Atmosphäre nicht geheuer und die immer aufdringlicher werdenden Avancen von Brink belasten sie zunehmend. Als sie dann auch noch anfängt, Dinge zu sehen, die gar nicht da sind, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn immer mehr.

Permanentes Gefühl der Bedrohung

Um das eingangs erwähnte Rätsel um den Schriftzug zu lösen: Für einen Sekundenbruchteil wird der Filmtitel eingeblendet. Doch es sind nur weiße Umrisse, die es schwer machen, das Bild überhaupt in normaler Geschwindigkeit zu sehen. Auch im weiteren Filmverlauf spielt sich vieles im Hintergrund ab, was man erst einmal nur unterbewusst wahrnimmt. Das erzeugt allerdings eine permanente Atmosphäre der Bedrohung, die eine Menge Horrorfilme in den Schatten stellt.

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Alicia (links) vertraut Sarah

Zum einen gilt dieses Lob Sebastián Silva. Der Regisseur, der vorher bei Filmen wie „Babel“ und Terrence Malicks „To the Wonder“ Regieassistent war, versteht es wunderbar, seine Heimat Chile in Szene zu setzen. Obwohl es im größeren Umkreis andere Bewohner gibt, wirkt die Hütte unendlich abgelegen. Dazu kommt, dass der Film sehr farblos daherkommt – im positiven Sinne. Einzig die gelbe Jacke von Alicia sticht aus der Umgebung hervor.

Überzeugen: Juno Temple, Michael Cera, Emily Browning

Zum anderen stemmen die Darsteller ihre Aufgaben durchweg hervorragend. Allen voran Juno Temple – sie ist als psychisch fragile junge Frau einen Blick wert. Auch die anderen Figuren wurden ideal besetzt, so zum Beispiel Michael Cera mit ungewohnt dunklen Haaren sowie Emily Browning, die anders als zuletzt in „Plush“ wieder mit ihrem Schauspiel und nicht mit nackter Haut überzeugt.

Im Verlauf der Geschichte kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen Alicia und der Gruppe. Hier kommt das Talent jedes Schauspielers zur Geltung. Jeder dieser Konflikte ist intensiv und nachvollziehbar. Nach Ende des Films fragt man sich zwangsläufig: Was von dem Gesehenen war jetzt überhaupt Wirklichkeit? Im Nachhinein fallen einem mehrere Szenen ein, die man bei einer zweiten Sichtung unbedingt genauer unter die Lupe nehmen sollte.

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Brink scheint nicht immer ganz klar im Kopf zu sein

Mit „Magic Magic“ ist Sebastían Silva ein eindringlicher Film gelungen, der den Zuschauer dank düsterer Atmosphäre und guten Schauspielerinnen und Schauspielern von Beginn an fesselt. Für Freunde von etwas unkonventionellen Thrillern also auf jeden Fall einen Blick wert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Catalina Sandino Moreno haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Veröffentlichung:
26. Juni 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 97 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
CHL/USA 2013
Regie: Sebastián Silva
Drehbuch: Sebastián Silva
Besetzung: Juno Temple, Emily Browning, Michael Cera, Catalina Sandino Moreno, Agustín Silva
Zusatzmaterial: Making-of, Originaltrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

 

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