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The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchen-Pensionat: Wenn ein Spanier deutsches Sagengut meuchelt

18 Jul

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Las garras de Lorelei

Horror // Seine reitenden Leichen machten ihn in der Horrorgemeinde unsterblich: Zwischen 1971 und 1975 inszenierte der spanische Regisseur Amando de Ossorio (1918–2001) vier Filme um die untoten Templer, hierzulande allesamt Opfer von Jugendschutz und Zensur. Weniger bekannt in Deutschland ist seine Schauermär um Loreley und ihre Jagd auf menschliche Herzen.

Eines Abends am Rhein: Eine hübsche junge Frau schlüpft am Vorabend ihrer Hochzeit in ihr Brautkleid. Von unten wirft ein Kerl Steinchen an ihr Fenster. Es ist der Bräutigam (José Thelman), der nach dem Junggesellenabschied noch einen Blick auf seine baldige Ehefrau werfen will. Doch aus der Hochzeit wird nichts: Kaum ist der Bräutigam von dannen gezogen, dringt eine furchterregende Kreatur ins Gemach der holden Maid ein und zerfetzt sie mit rasiermesserscharfen Klauen.

Loreley – eine reißende Bestie

In einer Kneipe befragt der Bürgermeister (Luis Induni) des Städtchens vor den Augen und Ohren der übrigen Gäste den Leichenbeschauer, der sich entsetzt zeigt – der Leichnam befand sich in einem grauenvollen Zustand. Ein Blinder fabuliert von der Sage der Loreley, die sich während des siebten Vollmonds in ein Tier verwandle, das menschliche Herzen verschlingt, um ihre Jugend und Schönheit zu behalten. Elke Ackerman (Silvia Tortosa), Lehrerin an einer Mädchenschule, bittet den Bürgermeister um Hilfe. Und so wird der kernige Sigurd (Tony „Kommissar X“ Kendall) beauftragt, das Mädchenpensionat zu beschützen. Doch er kann nicht verhindern, dass die Bestie erneut zuschlägt. Bald begegnet Sigurd einer mysteriösen Schönen (Helga Liné) …

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Die Bestie hat wieder ein Opfer gefunden

Gehobene Schauspielkunst ist nicht zu erwarten und wird auch nicht geboten. Beispielhaft genannt sei José Thelman als trauernder Bräutigam, der sich zwar pflichtschuldig auf die Jagd nach der Bestie begibt, aber doch verblüffend gelassen wirkt. Oder ist es am Ende gar nicht traumatisierend, wenn die Braut am Vorabend der Hochzeit ermordet wird? Sei’s drum, allzu viel Leinwandzeit bleibt dem Guten ohnehin nicht, bald wird er seiner Liebsten folgen. Immerhin geht’s ebenso freizügig wie blutrünstig zu. Wenn Herzen aus nackigen Frauenkörpern gerissen werden, eine holde Schülerin ein Schaumbad nimmt oder drei Amazonen in einer feuchten Höhle um Sigurd ringen – das hat was (ich weiß allerdings nicht, was).

Der Rhein darf ein paar Mal durchs Bild fließen

Gedreht wurde an Originalschauplätzen – zumindest für ein paar kurze Szenen, in denen der Rhein durchaus pittoresk ins Bild gesetzt wurde. Dass Vegetation und Landschaft bisweilen etwas mediterran anmuten, mag daran liegen, dass der Großteil des Films in Spanien entstanden ist. Gelegentlich reizt es zum Stirnrunzeln, wenn eine Rhein-Ansicht gezeigt wird und sich die Figuren nach einem Schnitt aber auf einem ganz anderen Gewässer befinden. Aber stören wir uns nicht daran – auch mit der Legende der Loreley hat Regisseur und Drehbuchautor Amando de Ossorio ja einigen Schindluder getrieben, sie recht tief in der Nibelungensage platziert und der Schönen gar Alberich als Untergebenen an die Seite gestellt. Dass Loreley die Tochter von Wotan ist und nach ihrem Ableben in Walhalla einziehen will, ist ebenfalls eine neue Erkenntnis. Aber das ärgert am Ende nur Germanisten und ist letztlich amüsant genug.

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Kann diese Schönheit ein Monster sein?

Man kann sich die Haare raufen ob dieses Sammelsuriums kruder Ideen – oder seinen Spaß haben. Entscheiden wir uns einfach für Spaß, denn den macht „The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchen-Pensionat“ auf jeden Fall, wenn man Logik, Stringenz, Spannungsbogen etc. mit den Augen des B-Horrorfans bewertet. Der Film ist romantisch und kitschig, zärtlich und grausam, hat obendrein ein herrlich billiges Gummimonster und viele schöne Frauen zu bieten. Was will man mehr?

Erste deutsche Veröffentlichung überhaupt

Obwohl in Deutschland am Rhein spielend, ist „The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchen-Pensionat“ bei uns nie im Kino gelaufen und bislang auch nicht auf VHS oder DVD veröffentlicht worden. 2012 entstand für eine Mediabook-DVD-Veröffentlichung beim österreichischen Label Shock Entertainment erstmals eine deutsche Synchronisation, die bewusst im 70er-Jahre-Stil gehalten wurde, sprich: so billig klingt wie sie vermutlich war. Die englische Tonspur klingt etwas dumpf, die spanische etwas besser, die Bildqualität ist anständig. Ein Antrag bei der FSK in Deutschland brachte Anfang 2014 das freudige Resultat einer Altersfreigabe ab 16 Jahren, weshalb der Film nun erstmals in Deutschland lieferbar ist – und das sowohl als DVD als auch als Blu-ray. Feine Sache.

Veröffentlichung: 23. Mai 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 81 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Las garras de Lorelei
SP 1974
Regie: Amando de Ossorio
Drehbuch: Amando de Ossorio
Besetzung: Tony Kendall, Helga Liné, Silvia Tortosa, Josefina Jartin, Loreta Tovar
Zusatzmaterial: Original Kinotrailer, spanische Abspannsequenz, Bildergalerie, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Al!ve AG / Shock DVD Entertainment

 

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