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Disconnect – Das Internet ist böse

06 Aug

Disconnect-Cover

Disconnect

Gastrezension von Matthias Holm

Drama // I have 422 friends, yet i am lonely. I speak to all of them everyday, yet none of them really know me.

In einer Zeit, in der ein YouTube-Video wie „Look Up“ von Gary Turk mehr als 45 Millionen Mal angeklickt wird, scheinen die Menschen sich immer mehr den Nebenwirkungen des Internets bewusst zu werden. In genau diese Kerbe schlägt „Disconnect“.

Drei Episoden aus der Online-Welt

Der Film erzählt drei lose zusammenhängende Episoden. Die Reporterin Nina Dunham (Andrea Riseborough) stößt bei einer Recherche auf den jungen Kyle (Max Thieriot), der sein Geld in einem Sex-Chatroom verdient. Der Anwalt von Ninas Sender, Rich Boyd (Jason Bateman), übersieht zu Hause die Probleme, die sein einsamer Sohn Ben (Jonah Bobo) hat. Der wird Opfer einer perfiden Art des Cybermobbings: Die beiden gleichaltrigen Jason (Colin Ford) und Frye (Aviad Bernstein) geben sich online als Mädchen aus, um Ben hereinzulegen. Schlussendlich gibt es die Eheleute Cindy und Derek Hull (Paula Patton, Alexander Skarsgård), die nach einer großen Tragödie zu allem Überfluss online übers Ohr gehauen werden und damit plötzlich mittellos dastehen.

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Lange dunkle Haare, große Kopfhörer – Ben im typischen Emo-Look

Die Reporterin, der gemobbte Jugendliche, das beraubte Ehepaar – das sind die drei Kernepisoden, die das Herz von „Disconnect“ darstellen. In allen dreien kommt das Internet selbst gar nicht gut weg. Es zerstört Familien und fördert durch seine Anonymität die Kriminalität. Und obwohl diese Kritik sicherlich gerechtfertigt und nicht von der Hand zu weisen ist, ist es übertrieben, die Kommunikationsmöglichkeiten der modernen Welt so als Anti-Christ darzustellen, wie es in dem Film geschieht.

Sehr deutlich wird diese Haltung in einer Szene mit Bens Schwester Abby (Haley Ramm): Nach einer Tragödie versucht sie, ihren Freundinnen ihre Gefühle zu beschreiben. Doch da sich diese nach kurzer Zeit ihren Handys widmen und sich lieber fragen, was man dem süßen Jungen antworten soll, spuckt Abby angewidert ein anderes Mädchen an. Eine starke Szene, jedoch bezweifle ich, dass es im wahren Leben ähnliche Situationen gibt.

Klischees und Überspitzungen

Diesen Vorwurf muss sich der Film gefallen lassen. Mit seiner Wackelkamera will Regisseur Henry Alex Rubin womöglich einen möglichst authentischen Look generieren. Doch die inhaltlichen Aspekte wirken so überspitzt dargestellt und sind gleichzeitig so klischeebeladen, dass sie diese Intention glatt in den Boden trampeln. Natürlich entsteht eine Liebesgeschichte zwischen der älteren Journalistin und dem Jungen aus einem Kinderpornoring. Natürlich hört der sowieso schon abgeschottete Teenager anspruchsvolle Indiemusik á la Sigur Rós. Und natürlich bringt eine gemeinsame Erfahrung ein entfremdetes Ehepaar wieder zusammen.

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Wer denkt denn hier an Product-Placement?

Auch bricht der Film in einem Punkt mit seiner strikten Anti-Online Haltung. Anscheinend hat der Apple-Konzern den Film mitfinanziert – anders lässt sich die Masse an Macbooks und iPads nicht erklären. Zwar nimmt es nicht so extreme Formen an wie bei „The Return of the First Avenger“, im Zusammenhang mit der Botschaft des Films stört das aber schon.

Trotz allem ein berührendes Drama

Das ist alles so ärgerlich, weil „Disconnect“ kein schlechter Film ist. Ich war am Ende doch sehr berührt, der Film sieht toll aus und hat einen prima Soundtrack. Doch hätte man sich differenzierter mit dem Thema auseinandergesetzt und reale Figuren erschaffen, wäre viel mehr drin gewesen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Alexander Skarsgård sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 5. Juni 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
USA 2012
Regie: Henry Alex Rubin
Drehbuch: Andrew Stern
Besetzung: Jason Bateman, Hope Davis, Frank Grillo, Michael Nyqvist, Paula Patton, Alexander Skarsgård, Max Thieriot
Zusatzmaterial: Interviews mit dem Regisseur Henry-Alex Rubin und den Schauspielern Jason Bateman, Alexander Skarsgård, Paula Patton und Max Thieriot, Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 Weltkino Filmverleih GmbH

 

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