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Freibeuter des Todes – Michael Caine unter Piraten

12 Aug

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The Island

Von Volker Schönenberger

Action-Abenteuer // Ich entsinne mich dunkel, 1980 in einer Filmzeitschrift das tolle Filmplakat von „Freibeuter des Todes“ gesehen zu haben. Eine mit einem Jolly Roger tätowierte Hand stößt durch die Meeresoberfläche, im Hintergrund eine Motoryacht vor einer Insel, dazu der ein brutales Abenteuer verheißende Titel – das war ganz nach dem Geschmack von Mamas zwölfjährigem Sohn. Schade nur, dass meine Eltern so verantwortungsvoll waren, mich an der Sichtung des Films zu hindern (nicht das einzige Mal in jener Zeit). So kam ich erst etliche Jahre später in den „Genuss“ des Film – und nun erneut anlässlich der Blu-ray-Erstveröffentlichung.

Ein paar Männer auf einem Hochsee-Angeltörn – abends ankert ihre Motoryacht vor einer Insel. Ein Kanu treibt heran, unter einer Plane scheint ein Leichnam zu liegen. Doch die Angler erleben eine böse Überraschung – eine tödliche.

Das dunkle Geheimnis des Bermuda-Dreiecks

Der Journalist Blair Maynard (Michael Caine) will ergründen, weshalb im Bermuda-Dreieck so viele Schiffe und Menschen verschwinden. Mit seinem zwölfjährigen Sohn reist er in das Gebiet. Hätte er geahnt, was die beiden dort erwartet, hätte Blair den Trip tunlichst unterlassen.

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Maynard und sein Sohn werden gefangen

Nun könnte man in der Rezension eines Films von 1980 durchaus etwas mehr vom Inhalt verraten. Aber einerseits gehört „Freibeuter des Todes“ nicht unbedingt zum Allgemeingut. Zum anderen schlägt der Film nach etwa einer halben Stunde eine derart irrwitzige Richtung ein, dass wir dem geneigten Leser von „Die Nacht der lebenden Texte“ die Überraschung nicht nehmen wollen.

Das bedeutet keineswegs, dass der Film im Allgemeinen und der erwähnte Richtungswechsel im Besonderen auf ungeteilte Begeisterung stoßen werden. Im Gegenteil: Manch ein Filmgucker wird die eine oder andere Augenbraue heben, so krude und bizarr entwickelt sich die Handlung. Kaum zu glauben, dass Romanvorlage und Drehbuch zu „Freibeuter des Todes“ von Peter Benchley stammen, der fünf Jahre zuvor für das Drehbuch von Steven Spielbergs Meisterwerk „Der weiße Hai“ verantwortlich gezeichnet hatte.

An sich ist es schwer vorstellbar, dass ein Charakterdarsteller wie Michael Caine in diesem Streifen mitgespielt hat. Allerdings ist Caine immerhin schneidig genug, zu seinem Mitwirken in derlei Machwerken zu stehen und es mit der hohen Gage zu begründen. Von ihm ist der Spruch überliefert, er habe zwar „Der weiße Hai IV – Die Abrechnung“ (1987) nie gesehen, aber gehört, er sei schrecklich – allerdings habe er das tolle Haus gesehen, das der Film ihm gebaut habe.

Soundtrack von Ennio Morricone

Nun wollen wir nicht nur Schlechtes über „Freibeuter des Todes“ schreiben. Das Setting ist pittoresk, phasenweise geht’s durchaus spannend zu, Michael Caine sehen wir ohnehin gern. Soundtrack-Komponist Ennio Morricone liefert einen soliden Score ab – der Gute hat ja in seiner grandiosen Karriere nicht nur Perlen musikalisch untermalt, sondern auch manchen eher unterdurchschnittlichen Streifen geadelt. Besonders in Erinnerung bleibt in diesem Fall ein brutaler Piratenüberfall, den Morricone herrlich kontrastreich mit schmissiger Orchestermusik unterlegt.

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Was sind das nur für absonderliche Piraten?

Apropo brutal: Es geht blutig und recht gnadenlos zu, wenn auch nicht permanent, sondern eher pointiert. Gemordet wird speziell bei erwähntem Überfall mit dreister Nonchalance. Das hat was. Aber was? Freut euch zum bleihaltigen Finale auf einen feinen Body Count!

An den Kinokassen ein Flop, hat sich das Action-Abenteuer im VHS-Zeitalter seine Fangemeinde erspielt, auch wenn sie zahlenmäßig überschaubar sein dürfte. Als sonderbarer C-Film ist „Freibeuter des Todes“ die Sichtung auf jeden Fall wert, und sei es nur aus filmhistorischem Interesse oder für Michael-Caine- bzw. Peter-Benchley-Komplettisten. Insofern löblich, dass Koch Media ihn ausgegraben und in anständiger Qualität auf Blu-ray veröffentlicht hat. Solche Filme werden heute gar nicht mehr gebaut.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Caine sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. August 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Island
USA 1980
Regie: Michael Ritchie
Drehbuch: Peter Benchley, nach seinem eigenen Roman
Besetzung: Michael Caine, David Warner, Angela Punch McGregor, Frank Middlemass, Don Henderson, Dudley Sutton, Zakes Mokae, John O’Leary
Zusatzmaterial: Super-8-Fassung (31 Min.), Bildergalerie, deutscher und englischer Trailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

 

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