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Lucy – Actionlastige Sinnsuche

17 Aug

Lucy-Plakat

Lucy

Von Simon Kyprianou

Kinostart: 14. August 2014

SF-Action // Luc Besson hatte seine Hochphase ab Ende der 80er- („Im Rausch der Tiefe“, 1988) bis tief in die 90er-Jahre hinein, als er mit „Nikita“, „Léon – Der Profi“ und „Das fünfte Element“ drei beachtliche Filme nacheinander drehte. Danach jedoch ebbte Besson etwas ab, er inszeniert seitdem hauptdächlich Animationsfilme für Kinder und ist als Produzent am Werk.

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Lucy gerät in die Fänge von …

So produzierte er in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe B-Movie-Actionklopper wie „96 Hours“ und „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ inklusive deren Fortsetzungen sowie „From Paris with Love“ und „Lockout“, mal besser, mal schlechter, hauptsächlich aber uninteressant. Auch seine beiden jüngsten Regiearbeiten „The Lady – Ein geteiltes Herz“ und „Malavita – The Family“ zeichnen sich durch Belanglosigkeit aus.

Bessons Stil hat sich gewandelt, der elegante, durchaus auch poetische Realismus und die Bodenständigkeit seiner früheren Werke sind einem hyperkinetischen, mit Computeranimationen geschwängerten Actionkino gewichen, das sich durch alle oben genannten von ihm produzierten Filme zieht. Das schlägt sich auch in „Lucy“ nieder.

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… Gangsterboss Mr. Jang

Lucy (Scarlett Johansson) kommt durch unglückliche Begebenheiten in die Fänge von Gangsterboss Mr. Jang (der großartige Choi Min-Sik Choi aus dem „Oldboy“-Original). Der zwingt sie, als Bodypackerin eine neuartige Droge zu schmuggeln. Als das Drogenpäckchen in ihrem Bauch platzt, erhält sie durch die Überdosis die Fähigkeit, ihre geistigen Ressourcen voll zu nutzen statt nur zu zehn Prozent wie der Durchschnittsmensch. Mit ihren neu gewonnenen Fähigkeiten begibt sie sich auf einen Rachefeldzug und, mithilfe des Wissenschaftlers Professor Norman (Morgan Freeman), auf die Suche nach nichts Geringerem als den Sinn des Lebens.

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Die junge Frau entwickelt enorme Fähigkeiten

„Lucy“, am ehesten vergleichbar mit „Das fünfte Element“, kam unerwartet daher. Ogleich kein Meisterstück, ist es mindestens ein interessanter und jedenfalls ein sehnswerter Film. In der ersten Hälfte noch relativ klassisches Genrekino, lässt er diese Hülle später fallen und wird zu einem hypnotischen Bilderrausch, einer trashigen und hyperaktiven Action-Meditation über das Sein. Es ist ein Analogiefilm, Besson verweist von seinem Lucy-Plot ständig auf allgemeine Sinnzusammenhänge, ähnlich Lars von Triers Vorgehen in „Nymphomaniac“ Anfang des Jahres. Er macht damit deutlich, dass er in „Lucy“ am großen Ganzen, gar der Conditio humana interessiert zu sein scheint. Ob das Thema der Nutzung unseres geistigen Potenzials von der Scientology-Ideologie inspiriert ist, darüber dürfen sich andere ihre Gedanken machen.

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Professor Norman hilft Lucy

Die eigentlichen Intentionen Bessons, seine Statements zum Sinn des Lebens und dem Zustand moderner Gesellschaften, werden in seiner wilden und gelegentich auch wirren Inszenierung nie wirklich klar; die mehr oder weniger philosophischen Ansätze werden leider auch nie soweit vertieft, dass es wirklich bedeutungsvoll sein kann. Sie sind eher Fassade für ein Actionfest, das am Ende ein bisschen zum plumpem Message-Filmchen verkommt, nicht ganz zu sich selbst findet. Die dauerhaft hohe Geschwindigkeit verhindert leider das gelegentlich notwendige Innehalten und Reflektieren, die Ambitionen kann man ihm aber wohl nicht absprechen. Dennoch: Bei aller Kritik bleibt „Lucy“ unterm Strich interessantes, erfrischend verrücktes und in jedem Fall sehenswertes Kino.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Luc Besson sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Scarlett Johansson in der Rubrik Schauspielerinnen.

Länge: 89 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
F 2014
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
Besetzung: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik, Amr Waked, Julian Rhind-Tutt, Analeigh Tipton, Pilou Asbæk
Verleih: Universal Pictures International

Copyright 2014 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Universal Pictures International

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2014/08/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Lucy – Actionlastige Sinnsuche

  1. Jarg

    2015/03/06 at 07:02

    Der Gedanke an „Das fünfte Element“ kam mir auch: Habe den Film gestern gesehen und hab mich einfach berauschen lassen.

     

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